Yeasayer

Ethno-Rock im Y-Fach

29.11.2007, 09:00, Text: Joachim Schaake, Foto: Alexander Wagner

Gewohnt einfach gestrickt, sortiert der NME Yeasayer ins Weltmusikfach ein und erntet von der Brooklyner Band nur Schulterzucken. Dabei ist 'All Hour Cymbals' voll von unterschiedlichsten Verweisen auf die 70er und 80er. Unser Autor Joachim Schaake sprach mit Anand Wilder über Nachteile des Bandnamens, ein neu gegründetes Plattenlabel und die Eagles.\"

\"Chris Keating sagt, Musik zu machen sei sinnlos geworden, seit es die Talking Heads gibt\", gibt Anand Wilder die Meinung seines Mitmusikers weiter. Gutes Statement. So nimmt man Kritikern schon im Vorfeld den Wind aus den Segeln, denn die Rip-off-Vorwürfe werden nicht ausbleiben. 'Sunrise', der Opener ihres kürzlich erschienenen Debüts, erinnert beispielsweise gleichermaßen an Talk Talk wie die Talking Heads. 'Wait For The Summer' ist herrlich neblig verhangenes Led-Zeppelin-Akustikgitarren-Gedudel. Und 'Germs' klingt irgendwie wie ein Lied vom Cure-Album 'The Top'.


Noch stärker als die Talking-Heads-Jünger TV On The Radio oder Clap Your Hands Say Yeah lassen Yeasayer aber auch Elemente afrikanischer Musik in ihre Stücke einfließen. Dazu ein bisschen hipstermäßigen Ethno-Chic, und der NME hat seine neue Weltmusikband. Anand Wilder reagiert gelassen auf diese Art Vereinfachungen: \"Der Begriff Weltmusik ist für viele negativ besetzt. Das Negative an diesem Begriff ist für mich in erster Linie, dass er alle Musik, die nicht von Künstlern der westlichen Welt gemacht wird, in eine absolut aussagelose Kategorie zwängt. Wenn man mit dieser Kategorisierung allerdings ausdrücken will, uns geht es um Klangwelten jenseits von Gitarre, Bass und Schlagzeug, dann habe ich kein Problem mit diesem Label.\"

Was 'All Hour Cymbals' vor allem zu einer gelungenen Platte macht, ist die Ernsthaftigkeit, mit der Yeasayer ihre musikalische Sozialisation in ihre Musik einfließen lassen. Es geht eben nicht darum, sich durch das Heranziehen möglichst unhipper Referenzen als möglichst hip zu positionieren. Wenn Anand Wilder ihre verschrobene Zukunftsvision '2080' als eine musikalische Antwort auf Don Henleys 'The Boys Of Summer' bezeichnet, ist das keineswegs als Missachtung von dessen Ex-Band Eagles zu deuten. Denn da die Eagles ohnehin als eine der uncoolsten Bands der Rockgeschichte gelten, gäbe es kaum etwas Langweiligeres. \"Außerdem\", gibt Anand Wilder zu bedenken, \"erinnern wir uns: Lebowski wurde aus einem Taxi geschmissen, weil er sich negativ über die Eagles äußerte.\"


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aus Intro #156 (Dezember 2007 / Januar 2008)
 
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