The Wombats

Menschen, Tiere, Sensationen

20.11.2007, 10:31, Text: Peter Flore

Eine Band mit einem derart kuscheligen Namen kann man nicht schlecht finden: The Wombats mischen mit ihrem kecken Gitarrenpop derzeit kräftig die Insel auf. Die Boat-Party auf dem Liverpooler Mersey River zur Veröffentlichung ihres Debüts geriet zum schrägen Kostümfest. Peter Flore hat sich für uns in Schale geschmissen und auch gleich fotografiert.


John Lennon ist begeistert. Drei Mal hat der groß gewachsene Pilzkopf die Liverpooler Lokalmatadore mit dem drolligen Namen in den letzten Wochen gesehen, aber \"heute Abend ist echt etwas Besonderes\". Neben Lennon tummeln sich noch weitere illustre Gestalten auf dem Boot, das bereit ist, den Pierhead Dock zu verlassen und mit ca. 400 Gästen den ganzen Abend über den Mersey River zu schippern: Sponge Bob ist da, die Ghostbusters und Stewie Griffin aus der Cartoon-Sitcom 'Family Guy'. Kurzum: Das Konzept, das Release ihres Debütalbums 'A Guide To Love, Loss And Desperation' im Rahmen einer fancy dress party an zwei aufeinanderfolgenden Abenden in der Heimat Liverpool zu feiern, ist für The Wombats aufgegangen. Die (zugegebenermaßen angenehme) Pflicht - eine erfolgreiche und zu diesem Zeitpunkt Mitte Oktober noch laufende UK-Tour - wird für eine Kür aus zwei Homecoming-Gigs in locker gelöster Partyatmosphäre unterbrochen: ein Kostümfest mit Fans, Freunden und Bekannten, für das ich mich nachmittags zuvor noch extra und auf Rat des Labels im örtlichen Scherzartikelladen eingedeckt habe: mit einem pork pie hat, wie ihn der Große Gatsby oder Buster Keaton gern getragen haben. Wie lustig.

Zugegeben, die örtlichen Teenager waren kreativer: Es gibt Nerds mit geklebten Hornbrillen, Seemänner, überhaupt viel Maritimes und überall und gerne: Smilies und Neon-Farben. Dieses New-Rave-Ding, es gibt es tatsächlich. Dass The Wombats mit klassischem Rave und Tanzmusik eher wenig bis gar nichts zu tun haben: geschenkt. Ihr klassischer, leicht hektischer und unbekümmerter Britpop-Sound, ihre extrem catchy anmutenden Allerweltsgeschichten über vermasselte Dates, Clubabende und Partys im Wald sind Wasser auf die Mühlen ausgehfreudiger Teenager.

Von Strippern, Schuluniformen und Sommerferien


Die Band hängt nach dem gestrigen ersten Abend derweil noch ziemlich in den Seilen. Drummer Dan, neben Gitarrist und Sänger Murph ein echter Liverpudlian (Bassist Tord Øverland-Knudsen kommt, man ahnt es, aus Norwegen), ist trotzdem hellauf begeistert: \"Gestern mussten wir zwischenzeitlich die Show unterbrechen. Wir haben zum Schluss nur noch ruhige Nummern gespielt, damit die Leute nicht alle umkippen vor Erschöpfung.\" Eine weise Entscheidung, denn die Melange aus Teenager-Hysterie, Schweiß, Alkohol und Wochenende ist wahrlich atemberaubend. Ein normales Konzert ist das auch heute freilich nicht, die Band tritt - dem eigenen Fancy-Dress-Motto gerecht - in Frauenkleidern auf und spielt auf Zuruf, Instrumentenwechsel und lokale Stargäste inklusive. 'School Uniforms', 'Patricia The Stripper', 'Party In A Forest' - der Themenkomplex ist überschaubar und Sommerferien-kompatibel. Und natürlich ist das toll und wird wahnsinnig euphorisch zelebriert, von Band und Publikum, das mindestens zur Hälfte aus Underage-Kids mit einem Durchschnittsalter von vielleicht 15 Jahren besteht und das bereits vor dem Ablegen des Bootes um 21:15 Uhr Ortszeit beeindruckend voll ist. Es wird gegrölt und geknutscht, bestenfalls beides.


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aus Intro #156 (Dezember 2007 / Januar 2008)
 
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