Cobblestone Jazz

Von der Freiheit zu kommunizieren

15.11.2007, 17:30, Text: arno raffeiner, Foto: Eisuke Inoue

Elektronischen Sounds war im Grunde von Anfang an das Versprechen grenzenloser musikalischer Freiheit eingeschrieben. Cobblestone Jazz nehmen diese Verheißung ernst und schaffen mit ihrem Debütalbum '23 Seconds' die derzeit wohl aufregendste House Music. Im Gespräch mit Mathew Jonson versuchte Arno Raffeiner die Jam-Ideologie und das Dialoggeflecht des Trios zu ergründen.


Mathew Jonson lacht laut, ja beinahe hysterisch auf. Die - zugegeben mit einigen Hintergedanken gestellte - Frage, ob sein Projekt Cobblestone Jazz vielleicht so etwas wie die Zukunft der Tanzmusik sein könnte, haut ihn fast vom Hocker respektive von der Ledercouch im Berliner !K7-Büro, auf der er chronisch übernächtigt und zappelig herumrutscht. \"Aber nein! Elektronische Instrumente werden doch schon seit einer Ewigkeit in Bands verwendet\", wehrt Jonson mit ebenso realistischer wie sympathischer Selbsteinschätzung ab, nachdem er sich gerade mal so an der Ecke der Couch gefangen hat. \"Das ist absolut nichts Neues. Vielleicht wird es manchmal im Feld von House und Techno als neu wahrgenommen, weil einfach nicht so viele Leute live Keyboards spielen. Aber ich denke nicht, dass ausschließlich das unbedingt die Zukunft sein muss. Schließlich liebe ich ja auch reine Computermusik sehr.\"

So ganz aus der Luft gegriffen war die Frage nach der Tanzmusik der Zukunft allerdings nicht. Angesichts der Ausnahmeposition von Cobblestone Jazz im aktuellen Clubbetrieb und nicht zuletzt nach dem großen Erfolg ihrer Tracks speziell im Jahr 2006 drängt sich eine solche Sichtweise geradezu auf. So vielschichtig, warm und zugleich funktional wie die Maxis 'India In Me' und 'Dump Truck' pumpte nichts sonst auf die Tanzflächen. Dieser aufsehenerregende Sound hatte natürlich in erster Linie mit dem bereits im Projektnamen behaupteten Anspruch zu tun, elektronischen Pflastersteine-Jazz zu machen. Die Musiksozialisation der drei Mitglieder von Cobblestone Jazz prädestinierte sie quasi zu dieser Mission. Danuel Tate, Tyger Dhula und Mathew Jonson genossen in Victoria an der kanadischen Westküste allesamt eine klassische Ausbildung an verschiedenen Instrumenten. Danuel Tate ist nach wie vor in den unterschiedlichsten Zusammenhängen als Jazzer aktiv, Tyger Dhula etablierte sich in Victoria als DJ und Produzent, und über Mathew Jonson muss man wohl nicht mehr allzu viele Worte verlieren. Als Techno-Shootingstar der letzten Jahre war er bereits mehrmals auf den Seiten dieser Zeitschrift zu Gast, z. B. in einer Titelgeschichte über Nelly Furtado. Erwähnenswert wäre höchstens, dass Jonson sich in der Position des alleinigen Sprachrohrs für Cobblestone Jazz, die ihm aufgrund seiner Bekanntheit quasi automatisch zufällt, nicht ganz wohlfühlt. Schließlich besteht das Projekt aus drei gleichberechtigt agierenden Musikern und schöpft seine Qualität gerade aus der intensiven Kommunikation untereinander. Denn die House Music von Cobblestone Jazz ist improvisiert. Die Tracks entstehen durch Jams im Studio, die meist direkt aufgenommen werden. Jonson beschreibt das so: \"Wenn wir anfangen zu spielen, sagen wir: ›Okay, die erste halbe Stunde lang wird es bestimmt richtig scheiße.‹ Während wir alle nach Ideen suchen, nehmen wir uns eben die Freiheit, erst mal wie absoluter Mist zu klingen.\"

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aus Intro #155 (November 2007)
 
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