
The Hives
Schwarz-Weiß-Malerei
19.10.2007, 09:00, Text:
Peter Flore, Foto: Arne Sattler
Ein Satz wie ein Bumerang. Man darf sich nicht wundern, wenn er zurückkommt: \"The definition of madness is: Do the same thing, expect a different result.\" Entweder zeugt das von einer abgehobenen Haltung zur eigenen Kunst oder von einer ehrenwerten Selbstironie. Vielleicht auch im Falle von The Hives von beidem. Peter Flore hakt für uns nach - und macht auch gleich Bilder.
Es handelt sich bei jener plakativen Sentenz passenderweise um eine Textzeile des Songs \"Try It Again\", Stück zwei des neuen Albums \"The Black And White Album\". Auch das ein Titel, der alles Subtile mit dem Hammer erschlägt. Wollen uns die Schweden auf ihrem vierten Album eigentlich für dumm verkaufen?
Man muss vorsichtig sein, wenn Rockbands das Rad neu erfinden wollen. Zumal, wenn es sich um Bands handelt, deren Kosmos doch eigentlich genau abgesteckt ist: 1-2-3-4, ein Riff, ein Beat, don't bore us and get to the chorus. Dazu ein Dresscode und eine Corporate Identity, die mit den Koordinaten \"Schwarz\", \"Weiß\" und \"Anzug\" so übersichtlich wie hinreichend ausfällt: Das sind The Hives, sind es immer gewesen, werden es immer sein. Energetischer Garagen-R-O-C-K mit Attitüde, aber ohne Schnörkel. Schuster, bleib bei deinen Leisten. Schuster will aber nicht, das fiel schon im Vorfeld der Produktion auf, bevor der erste Ton aufgenommen war.
Zum ersten Mal haben die fünf für Aufnahmen bewusst ihrer kuscheligen Heimat Schweden den Rücken gekehrt, haben mit dem Finger auf die Weltkarte getippt und sind bei der Wahl ihrer Produzenten genauso verfahren. Was da in den tagesaktuellen Indiemedien zu lesen war, klang fast wie ein radikaler Neuentwurf: Dennis Herring war dabei, bekannt durch seine Arbeit mit Modest Mouse oder Elvis Costello. Und Garret \"Jacknife\" Lee, der Grammy-prämierte Über-Produzent, der sonst für U2, Bloc Party, Editors oder aktuell R.E.M. am Pult sitzt. Beides Schwergewichte, die zwar auf einen auf Arenarock hochproduzierten Bombastsound deuteten, freilich aber nicht ungewöhnlich erschienen und den Status der Band eher untermauerten, als an ihm zu rütteln. Komisch wurde es erst, als die Namen Timbaland und später dann auch noch Pharrell Williams fielen. Was war denn da im Busch? Fünf Produzenten (der Schwede Tomas Oberg nahm noch einen finalen Song in der Heimat auf), Studiotermine in Oxford, London, Mississippi (wo mit Dennis Herring der Löwenanteil entstand) und zu guter Letzt im Domizil von Pharrell, im sonnigen Miami. HipHop-Produzenten treffen auf das klassische Rockband-Outfit. Status quo vadis?
Pharrell. Zeig uns deine Experimentierfreude
\"Pharrell war der erste Produzent, mit dem wir an dem neuen Material arbeiteten, und das war wirklich eine bewusste Entscheidung\", sagt Gitarrist und Songwriter Nicholaus Arson. \"Bisher hatten wir immer nur mit Rockproduzenten gearbeitet, deswegen wollten wir dieses Mal wirklich etwas Neues und auch für uns Interessantes ausprobieren.\" Den Ansatz, den man aus dem HipHop kennt: pro Track ein Produzent. Die Kohärenz des Konstruktes \"Rockalbum\" bewusst auflösen, lautete die Devise. \"Für uns war es tatsächlich ein Ansatz wie bei einem Greatest-Hits-Album, bei dem das Aufnahmedatum der Songs oft mehrere Jahrzehnte umspannt und man das auch am Sound hört. Ein Song stammt vielleicht aus den Seventies, ein anderer ist wenige Monate alt. Und jeder wurde in einem anderen Studio aufgenommen. Oder, wie du sagst, wie bei einem HipHop-Album. Da klingen die Beats ja je nach Produzent oft wahnsinnig unterschiedlich. Das gefiel uns als Grundgedanke für das neue Album: viele verschiedene Produzenten, viele verschiedene Sounds und Songgerüste. Jeder Song sollte eine eigene Persönlichkeit haben.\" Der Bassist, den alle Dr. Matt Destruction nennen und der wesentlich älter aussieht, als er ist, fügt hinzu: \"Wir trafen Pharrell auf einem Festival in Japan, dem Summer Sonic. Er sagte, ihm gefiele unser Sound und er wolle mit uns arbeiten. Als wir dann begannen, die Produzenten für das neue Album auszuwählen, erinnerten wir uns daran und klingelten als Erstes bei ihm durch.\"
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