The Thrills

'La Boum' in Brighton

18.10.2007, 10:11, Text: Christine Käppeler

Jeder hat so einen Typen aus seiner Schulzeit, der sich durch vermeintliche Reife und absolute Coolness von der Masse der Pubertierenden abgehoben hat. Den \"König des Pausenhofs\" nennt Conor Deasy ihn, denn auf diesen Ort und die Adoleszenz blieb dessen seltsamer Ruhm meist beschränkt. Die eigene Teenagerzeit hat der Sänger der Thrills weniger als Höhenflug denn als die übliche Melange aus Neugier, Geschmacksverirrungen und Ego-Zweifeln erlebt. \"Wirklich genossen habe ich diese Jahre nicht\", erzählt er vom Flughafen Cardiff aus übers Telefon.


Da erstaunt es umso mehr, dass die dritte Platte der fünf Endzwanziger aus Dublin, die mit dem schlichten Titel 'Teenager' ausschließlich um diesen Lebensabschnitt kreist, an den tagträumerischen und schwelgerischen Gestus der Debütplatte 'So Much For The City' anknüpft. Mit ihrem ersten Album waren die Thrills musikalisch an die amerikanische Westküste entwischt, ein herrlich verkitschtes Strandvideo zur Single 'Big Sur' hatte ein Übriges getan, um ihren Ruf als \"beste kalifornische Band aus Irland\" zu zementieren. Dieses Image haftet der Band über die zweite, weit weniger erfolgreiche Platte 'Let's Bottle Bohemia' hinaus bis heute an.

Automatisch stelle ich mir vor, dass Conor Deasy während unseres Gesprächs mit dem Telefon in der Hand in einer seichten Meeresbrandung steht, und blende die Lärmkulisse des Flughafens problemlos aus. Meine Einschätzung, dass ihre aktuelle Platte recht kalkuliert auf einfache Identifikationsmechanismen und gängige Jungsfantasien setze, schwächt die lange Leitung ab: \"Die Platte ist sehr ehrlich und direkt\", meint Deasy. \"Ich wollte einen schlichten Titel, mit dem jeder etwas verbindet.\" Der steht in großen Lettern auf schwarz-weißem Grund und leuchtet so bonbonfarben wie die Sehnsüchte, die das Coverfoto - ein Jugendzimmer mit Pferdepostern an den Wänden und einem knutschenden Pärchen auf dem Bett - beschwört. Passend dazu hat die Regisseurin Kinga Burza als Video zur ersten Single 'Nothing Changes Around Here' einen Verschnitt aus 'La Boum' und 'O.C. California' an der Uferpromenade in Brighton gedreht. Wirklich zufrieden ist Conor Deasy mit ihrem Ergebnis jedoch nicht: \"Ich hätte mir mehr Ambivalenz gewünscht. Etwas in der Art wie der Ausschnitt aus dem Film ›Christiane F.‹, zu dem David Bowie läuft.\"

Dort rennen die Teenager zu den Klängen von 'Heroes' nachts durchs Berliner Europacenter, schlagen eine Kassenhäuschenscheibe ein und flüchten vor der Polizei aufs Dach. Doch um eine solche Verbindung aus unbeschwertem, jugendlichem Hedonismus und der Balance am Abgrund zu inszenieren ist das Teenager-Album der Thrills als Vorlage viel zu freundlich. Im Einkaufszentrum läuft es schon mal nachmittags bei H&M. Wie so vieles dort scheint es leider nur für einen kurzen Moment so richtig hell.



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aus Intro #155 (November 2007)
 
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