
Jimmy Eat World
Höfliche Leute
12.10.2007, 14:13, Text:
Christian Steinbrink
Eigentlich mag man es ja, wenn Rockstars bodenständig und zurückhaltend sind. Man mag, wenn sie sich eben nicht egozentrisch selbstverliebt geben, nicht überkandidelte Bedeutungsdimensionen ihrer Kunst aufmachen oder sich halbgescheit über Dinge äußern, von denen sie eigentlich keine Ahnung haben. Gemessen daran sind Jimmy Eat World, die Emohelden aus Mesa, Arizona, die perfekten Gesprächspartner.
Doch ergibt sich daraus ein Problem: Es gibt scheinbar nichts Außerordentliches, das man anlässlich der Veröffentlichung ihres sechsten Albums 'Chase This Light' mit der Band besprechen könnte. Dementsprechend sitzen Sänger Jim Adkins und Drummer Zach Lind im Interview ziemlich ratlos in ihrem komfortablen Tourbus. Klar, ein bisschen geht es auf der neuen Platte um Politik, ein bisschen um den sympathischen Loser-Gestus nah am klassisch amerikanischen Highschool-Film. Aber sonst? Insgesamt sei das Album optimistischer geraten als 'Futures', der Vorgänger, meint Adkins, aber nicht blindlings optimistisch. Musikalisch sei es ein typisches JEW-Werk geworden, mit lauten und leisen Stücken, mit Balladen und Krachern.
Gelegenheit also, mit ihnen abzugleichen, inwiefern sie noch eine Verbundenheit spüren mit der - gerade für eine auf Hardcore fußende Band - so wichtigen lokalen Herkunftsszene und dem genreeigenen Werteverständnis. Immerhin hat Adkins das Label Western Tread gegründet mit dem Ziel, regionalen Bands ein Forum zu bieten. Zwei dieser Bands, Reubens Accomplice und The Format, konnten so ihre Alben weltweit veröffentlichen. \"Wir hatten das Gefühl, dass fast überall in den USA regionale Indie-Labels existieren, nur bei uns nicht. Das wollten wir ändern\", erklärt er. Ansonsten reagiert er mit höflichem Understatement, ganz so, als wolle er seine Rolle dabei nicht an die große Glocke hängen. Er gehe halt öfter auf Shows und sähe es gerne, wenn auch andere die Chance bekämen, die guten Bands aus Arizona zu hören.
Auch sonst lassen sich JEW nicht mehr auf nennenswerte Positionen festnageln. Klar seien die Zusammenhänge der lokalen Szene wichtig, meint Lind, und natürlich könne man die politischen Zustände nicht mehr einfach ignorieren. Man wolle aber nicht zur Ikone irgendeiner Bewegung werden, man wolle und könne nicht predigen. Das glaubt man gerne. Denn gerade Lind scheint die Personifikation des künstlerisch ambitionslosen Normalos zu sein, der einfach nur zufrieden und erwachsen ist und pünktlich seinen Job erledigt.
Dass ihre Fans dennoch mehr in Jimmy Eat World sehen, wird am Abend im Konzert deutlich. Die Leute gehen mit, offenbaren eine emotionale Anteilnahme von aufgestachelt bis tief gerührt und kennen alle Texte. Ganz so, als würde hier eine Botschaft oder ein besonderer Vibe transportiert. Dabei wollen Jimmy Eat World einfach nur ihre Songs spielen.
Hier geht's zum 'Chase The Light'-Prelistening.
Wir verlosen drei Mal das aktuelle Album 'Chase This Light'. Schickt bei Interesse einfach eine E-Mail mit Eurer vollen Adresse an verlosung@intro.de. Viel Glück!
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