The Robocop Kraus / The Weakerthans

Wovon sollen wir leben?

18.09.2007, 18:00, Text: Christian Steinbrink, Foto: Christian Knieps

Während Majorplattenfirmen damit beschäftigt sind, ihre Ausgabenseite durch Fusionen und Arbeitsplatzstreichungen zu mindern, wird auf dem Independentsektor agiler gehandelt. The Robocop Kraus und The Weakerthans haben das dies- und jenseits des Atlantiks miterlebt und geben im Gespräch mit Intro ihre Einschätzungen dazu ab.

Noch vor wenigen Jahren war das Weltbild des Musikfans einfach: Eine Band galt als credibel, wenn sie auch ab einer gewissen Größenordnung noch bei einer unabhängigen, d. h. ohne Anschluss an andere Marktsegmente operierenden Plattenfirma verblieb. Sie entschied sich damit fast immer gegen mehr Geld, größere Produktionsvorschüsse und Marketingbudgets - und für relative künstlerische Freiheit.


Sie galt per se als Sell-out, wenn sie das Angebot der international operierenden Konzerne annahm. Jahrzehntelang füllte die Diskussion um diese Glaubensfrage die Leserbriefseiten der Musikmagazine am Beispiel Hunderter Rock- und Popbands. Mittlerweile hat diese Kontroverse an Schärfe verloren, aber auch ihre Rahmenbedingungen haben sich gründlich verändert. Der Independentsektor hat an Marktanteilen dazugewonnen; was daran liegt, dass er stetig und innovativer an den eigenen Strukturen arbeitet. Nichtsdestotrotz gilt auch hier: Die Gewinneinbußen beim Tonträgerverkauf wachsen in jährlich zweistelliger Prozentzahl - und das, obwohl überall seit Jahren die oberste Maxime Kostensenkung ist. Allen ist klar geworden, dass das Geld heute und in Zukunft aus anderen Bereichen des Musikbusiness' kommen muss. Allen voran aus dem Livesegment. In Nordamerika stehen Firmen wie Clear Channel parat und haben sich mittlerweile eine für den Markt bedrohliche Monopolposition erkämpft.

Und was bedeutet das alles für die Künstler? Für die Musik? Zwei Bands, die stets dem Independentsektor angehörten, zwischen \\"ganz klein\\" und \\"schon ziemlich groß\\" aber schon einige Erfahrungen sammeln durften, geben Antworten: The Robocop Kraus (RK) aus Nürnberg und The Weakerthans (W) aus Winnipeg in Kanada.

Ihr seid beides Bands, die sowohl auf kleinen Independent- wie auch auf relativ großen, international operierenden Labels veröffentlicht haben. Was sind denn die signifikanten Unterschiede?
Hans-Christian Fuss (RK): Ich empfinde die Unterschiede als nicht so riesig. Sicherlich gibt es bestimmte Aspekte, die den Unterschied ausmachen, wie z. B. riesige Budgets für einen Videoclip, den größere Indies bereit sind, auszugeben. Geld, wovon wir eine ganze Platte hätten produzieren können. Das geht bei kleinen Firmen natürlich nicht.
Thomas Lang (RK): Es kommt dabei auch auf das Standing, das sich die jeweilige Band erarbeitet hat, an. Wir sind da in einer relativ glücklichen Situation. Außerdem ist es entscheidend, mit wem man zusammen arbeitet, dass man die Kontaktpersonen kennt und mag und dass diese Leute die Band persönlich und musikalisch mögen. Daran hat sich meiner Wahrnehmung nach nichts geändert.
John K. Sampson (W): Die größeren Indies haben vielleicht eine größere Akzeptanz auf der Suche nach Vertrieben. Das hängt aber auch sehr von der jeweiligen Band ab. Ich glaube generell, dass es aufgrund der Möglichkeiten des Internets und digitaler Aufnahmetechnik immer unwichtiger wird, auf welchem Label man ist. Als wir anfingen, war das noch anders, weil damals die Unterschiede, auch zwischen Majors und Indies, noch sehr groß waren. Wichtig ist, darauf zu achten, mit Leuten zu arbeiten, die du kennst und denen du vertraust. Ich glaube, dass die Majorlabels schneller sterben werden, als man jetzt denkt. Der ganze Sektor wird eines Tages independent sein - und das wird ein guter Tag sein.

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aus Intro #154 (Oktober 2007)
 
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