Norwegen

Deine Labels

18.09.2007, 11:15, Text: Thomas Venker, Foto: Thomas Venker

Das Øya Festival überzeugt nicht nur mit dem Booking internationaler Künstler, sondern auch mit der Integration lokaler Bands. Das kommt nicht von irgendwoher, Festivalmitbetreiber Claes Olsen pflegt auch mit seinem Label Racing Junior Records die lokale Indiemusik. Und überhaupt: Ohne den Drang, die norwegische Bandszene zu unterstützen, hätte es das Festival nie gegeben. Dort gibt es neben den eingestreuten norwegischen Bands auf allen Bühnen - also auch explizit auf denen für die Headliner - eine kleine Bühne nebst Präsentationsplatz für die besten Labels des Landes: Camp Indie genannt. Für 2007 wählte das Øya-Team zehn Labels aus: Anomalie, Bolibompa, Cafe Superstar, How Is Annie, King Tiki, Luckee, Mas-Kina, Metronomicon Audio, Racing Junior, Rec 90. Einige Label-Macher haben wir auf dem Festival getroffen (Osito haben wir auf der Straße abgegriffen), zudem noch Claes Olsen und Halina Sjuve, die für das Camp Indie zuständig ist. Kein umfassender Blick auf die norwegische Bandszene also, aber ein repräsentativer, in dem vieles angesprochen wird, was für das Land und seine Musikszene typisch ist.


Racing Junior Records / Øya Festival, Claes Olsen

Du machst das Festival nicht allein. Wie viele Leute seid ihr?
Sechs arbeiten ganzjährig im Organisationskomitee. Ungefähr 50 kommen dann peu à peu für die letzten Monate hinzu. Und dann sind da noch Unmengen an Helfern.

Wie hat man sich die Entscheidungsprozesse vorzustellen?

Wir sind flach organisiert. Wir haben zwar einen Direktor, aber irgendwie sind doch alle Direktoren. Wir haben auch ein Booking-Komitee, aber da wir alle musikbegeistert sind, sprechen auch alle mit.

Heute macht ihr das Fulltime. Wie lange hat es bis dahin gedauert?
Ab dem dritten Jahr ging es mehr oder weniger. Im Herbst 2003 habe ich meinen Club wegen des Festivals aufgegeben. Wir alle hatten zuvor einen Club. Und dachten zunächst, wir müssten Konkurrenten sein - und waren dann ganz verblüfft, dass dem nicht so ist, dass Clubbetreiber auch Freunde sein können. Die Szene hier ist klein. Und wir alle lieben Musik. Warum also sollen wir uns nicht gegenseitig in unseren Bars und Clubs besuchen kommen? Nur so konnten wir die vitale Musikszene der Stadt aufbauen. Und nur so konnte die Idee zum Øya Festival entstehen. Wir fingen mit drei Clubs für die Abendveranstaltungen an, heute sind es 29. Dieses Jahr spielen bei uns 110 Bands. Die ganze Stadt ist in das Festival involviert. Das geht nur, da wir Freunde sind.

Ihr geltet als sehr umweltbewusst. An welchem Punkt der Entwicklung habt ihr dieses Thema nach vorne geschoben?

Eigentlich von Anfang an, aber je größer man wird, desto wichtiger ist es dann auch, dass man sich drum kümmert. Seit 2002 ist es ganz oben auf unserer Agenda. Das geht über das Festival hinaus: Alle Sponsoren müssen umweltfreundlich agieren.

Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Oh nein. Ich war 2004 auf einer Veranstaltung für Festivalorganisatoren in London bei einem Panel über Umweltschutz. Da bekam man eigentlich von allen, auch den deutschen Festivals zu hören, dass das Publikum Recycling nicht verstehen würde. Wir sagen: Unterschätze dein Publikum nicht. Das kümmert sich auch um solche Themen.

Heute ist das Thema ja allgegenwärtig, da gibt's kaum mehr eine andere Wahl.
Wegen solcher Erfahrungen haben wir 2004 ein Handbuch gemacht, wie man ein Festival umweltfreundlich organisieren kann. Es wurde auch ins Englische übersetzt.

Zurück zur Musik: dein Highlight so far. Und auf was freust du dich als Nächstes?
Ich mag alle, sonst hätte ich sie nicht gebucht, klar. Aber okay: Justice. Matt And Kim, The Battles.

Du betreibst mit Freunden das Label Racing Junior Records. Wie hat man sich das vorzustellen - ein Nebenjob, den du nachts machst?
Wir machen das zu dritt, haben aber jede Menge Praktikanten. Ich trenn das nicht von meiner Festival-Arbeit. Alle Mails landen im gleichen Programm. Alles vermischt sich. Wenn das Festival näher rückt, geht es vor. Dann bin ich 100 % Øya, ansonsten gibt es immer wieder Schwerpunktphasen, wenn ein Album erscheint.

Betrachtet man das Programm, so sind es hauptsächlich norwegische Künstler, die ihr im Land aufbaut und dann ins Ausland zu lizenzieren versucht, oder?

Uns geht es auf jeden Fall darum, die lokalen Musiker zu fördern - dazu gehört, dass wir versuchen, sie nicht nur in Norwegen bekannt zu machen, sondern eben auch im Rest der Welt. Dafür sind lokale Partner ideal. Aber wir verschließen uns nicht, wir lizenzieren selbst auch aus dem Ausland. Das hilft auch den norwegischen Labelkünstlern. Dieses Prinzip verfolgen wir ja auch mit dem Festival: Die norwegischen und internationalen Bands werden gemischt, es gibt keine separate norwegische Bühne.

Label-Highlight bislang?
Als wir Saint Thomas mit Lambchop auf Europatournee schicken konnten. Das war toll.

Und mit dem Festival?
Da hab ich die schlimmste Geschichte: 2001 gab es einen Sturm, so was hast du noch nicht gesehen. Wir dachten schon, es wäre das Ende für das ganze Festival, aber glücklicherweise legte sich der Sturm auch wieder.

Deine Lieblingsband aus Norwegen?
Die Euro Boys.

Wichtigste Labelacts: Grand Island (Bläser-Indie - lizenziert für Deutschland an Haldern Pop Records), Bonk (Billy-Talent-Emo), The Lionheart Brothers (Psychedelic Rock), Animal Alpha (Zirkus-Metal) und Saint Thomas (dunkler Indie-Blues)
Website: .: www.racingjunior.com :.

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aus Intro #154 (Oktober 2007)
 
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