
Jens Friebe
Es hat keinen Namen
30.09.2007, 12:35, Text:
Lutz Happel, Foto: Arne Sattler
Worin liegt die Anziehungskraft des Pop? Wie funktioniert das Zusammenspiel aus Nähe und Ferne zwischen Musik-Machenden und -Hörenden? Jens Friebe kommt mit seinem dritten Album dem perfekten Spannungsgrad aus fordernder Unmittelbarkeit und glamouröser Inszenierung sehr nahe, vorausgesetzt, die Größe einer Sache lässt sich an der Stimmigkeit dieses Verhältnisses messen.
Im Gespräch mit ihm fallen ständig andere Namen, vielleicht gerade, weil der eigentliche Gegenstand so schwer zu fassen ist: David Bowie, für manche die Antiauthentizitätsikone schlechthin. Bob Dylan, dessen Inszenierungspotenzial gern und oft unterschätzt wird. Die Regierung, für viele immer noch der Inbegriff der Unmittelbarkeit, aber auch hierin liegt eine Kunstfertigkeit, die per se eine gewisse Distanz voraussetzt, auch wenn diese recht subtil ist.
Hier mal ein Beispiel zur Platte: \"Ich brauch' ein neues Gesicht / Sie kommen hinter mir her / Ich brauch' ein neues Gesicht / Sonst hab ich bald keins mehr.\" Friebe schlüpft in Rollen, setzt Masken auf, und zwar nicht als fieser Täuschungsversuch, sondern als glitzerndes, dandyhaftes Mittel, um verdichtete Bilder zu erzeugen, ohne in die Sarkasmusfalle zu tappen. \"Musik ist immer ein Ort der Transformation. Gleichzeitig müssen aber auch immer Bezüge zur Person vorhanden sein. Ohne das funktioniert es nicht. Man darf nicht aufhören, diesen Bezug herzustellen. Authentizität ist aber ein sehr konservatives, traditionelles Modell. Authentisch heißt ja letztlich, so zu sein, wie man es gelernt hat, nicht abzuweichen von dem Herkömmlichen\", so Friebe.
Noch ein Beispiel: \"Frau Baron / Das Land auf dem ich wohn' gehört ihnen / Und ich muss ihnen dienen / Frau Baron / Ich bin ein Bauerssohn / Und heut' Nacht / Geb' ich ihnen die Pacht.\"
Eine heftige Allegorie, verschroben abwegig, trotzdem sehr direkt, Angst vor zu viel Direktheit, vor Verletzungen ist dem fremd. Insofern ist das hier die ausgesetzteste der drei Friebe-Platten, und das ganz bewusst: \"Ich arbeite ziemlich lange an den Songs. Satz für Satz, ohne tatsächlich etwas aufzuschreiben. Manche Sachen liegen sehr lange unfertig herum. Ich muss mich daran erinnern können. Wenn ich etwas vergesse, kann es nicht wichtig sein.\"
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