
Chrome Hoof
Der Teufel trägt Glitzer
18.09.2007, 11:11, Text:
Peter Flore, Foto: Alex Major
Eines vorweg: Eine Band wie Chrome Hoof entsteht nicht in geselliger Runde aus einer Bierlaune heraus. Auch wenn es sich wie eine spontane Schnapsidee liest: eine Kernband aus acht festen MusikerInnen, die live noch um zwei bis drei weitere Mitglieder und Tänzerinnen erweitert wird; ein versierter Metal-Drummer, eine Jazzsängerin, ein Dance-affiner Keyboarder, eine Bläsersektion und ein Haufen Leute in glitzernden, Glam-Rock-artigen Kostümen. Um mal eine catchy Referenz zu bemühen: Parliament meets Gwar.
\"Wir hatten kein klassisches Konzept im Kopf. Am Anfang waren wir ein reines Rhythmus-Duo, bestehend aus mir und meinem Bruder Leo, der ja auch noch bei Cathedral spielt\", erzählt Keyboarder Milo Smee, den es seit einiger Zeit von der Heimat London nach Berlin verschlagen hat. \"Leo mochte alles, was mit Metal zu tun hat, ich war mehr so der Synthie- und Dance-Typ. Was wir teilten, war allerdings unsere Liebe zu Prog. Wir jammten einfach drauflos, das war bereits Mitte der Neunziger. Erst um die Jahrtausendwende bekamen wir einen richtigen Bassisten und eine Sängerin, das war dann die Geburtsstunde von Chrome Hoof. Von da an haben wir unsere kleine Band einfach stetig erweitert ...\"
Jetzt ist man vom Status der Band oder des Projekts (Smee wechselt selbst stetig zwischen den Begriffen) doch selbst ein wenig überrascht: Dem vorauseilenden Ruf als ein den üblichen Rahmen sprengender Live-Act folgt mit \"Pre-Emptive False Rapture\" nun das zweite reguläre Album auf Southern Records, ein schwer zu greifender Noise-Funk-Space-Doom-Bolide, der all die scheinbar gegensätzlichen Genres auf beeindruckende Weise miteinander vereint, oftmals in nur einem einzigen Song. \"Apocalypse Disco\" nennt Smee das, wenn mitten in einen Zappa'esken Exkurs wie \"Astral Suicide\" der animalische Growl des Gastsängers Lee Dorian (Cathedral, vormals Napalm Death) bricht oder die standesgemäße Sängerin Lola Olafisoye als Jazz-Chanteuse über dem stoisch-repetitiven Beat von \"Tonyte\" brilliert.
\"Verwirrung und Verwunderung sind typische Reaktionen des Publikums bei Chrome-Hoof-Gigs\", sagt Smee und spielt damit wohl vor allem auf einen verstörenden Auftritt beim diesjährigen Londoner Camden Crawl an, diesem alljährlichen Klassiker für sogenannte alternative Musik, bei dem das geschmäcklerische Indie-Publikum während der kostümierten Invasion nicht so recht wusste, wie ihm geschah. Es ist ein schmaler Grat zwischen kopfschüttelnder Ablehnung und ekstatischem Abfeiern, dem die Band durch ihre verstärkte Live-Präsenz nun ausgesetzt ist. Was sie freilich nicht davon abhält, das neue Abenteuer noch weiter auf die Spitze zu treiben: \"Schön wären in der Tat noch ein paar zusätzliche Perkussionisten, Spoken-Word-Performer und ein paar Freaks auf der Bühne, die etwas abseits der Musik agieren und einfach eine weirde Performance abliefern.\" Was die finale Frage aufwirft, wo das alles mal enden soll.
Wir verlosen 3 Chrome Hoof-T-Shirts sowie 2 x das Album auf CD. Schickt einfach eine E-Mail mit Eurem Wunschgewinn und ggf. Eurer T-Shirt-Größe an verlosung@intro.de und drückt die Daumen.
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