
ØYA Festival 2007
Ökologisch geil
19.09.2007, 10:00, Text:
Thomas Venker, Foto: Jan Erik Svendsen
Fotostrecke:Øya Festival
Fotostrecke
Das Øya Festival, das dieses Jahr zum neunten Mal stattfand, gilt als ökologisch besonders weit vorne: Die Besucher werden animiert, ihren Abfall selbst einzusammeln, und das Essen ist durchweg biologisch-ökologisch korrekt produziert. Dafür haben die Macher bereits einige Preise bekommen, und darauf sind sie auch sehr stolz. Absolut zu Recht. Umso erstaunter ist man als Besucher, dass das Øya nicht - wie in unserer Vorstellung - in einer einsamen Bucht mit Meerblick und Tannenduft stattfindet, sondern eingepresst zwischen Stadtautobahn und Bahngleisen; aber ist man erst mal auf dem Gelände, so vergisst man das sofort. Ein künstlich angelegter See, viel Grün und eine so auf Festivals nicht gekannte Sauberkeit überzeugen. Man fühlt sich hier sofort extrem wohl.
Ebenfalls positiv fällt die Offenheit der Norweger für die lokale Musik auf. So ist vor dem Indie-Camp, in dem elf lokale Labels ihre Veröffentlichungen präsentieren und kurze Showcase-Sets spielen, teilweise mehr los als vor den großen Bühnen. Und auch auf diesen spielen nicht immer nur die internationalen Big Names, sondern auch Local Heroes wie Hakon Kornstad, King Midas und BigBang zur Primetime.
Was das internationale Booking betrifft, so ging auch hier einiges, u. a. CocoRosie, Boredoms, Nine Inch Nails, Malajube, Trail Of Dead, The Go! Team, Melvins, The Jesus And Mary Chain und Primal Scream spielten auf - und überzeugten auch noch. Okay, Letztere kamen schon etwas altbacken daher mit der Sofavariante von Psychedelic Rock, aber dafür zeigte Bassist Mani nachts bei seinem DJ-Set auf der Oya-Afterparty visionäre Fähigkeiten, als er alle Errungenschaften des Mixens mal eben ignorierte und es ordentlich stolpern ließ - aber dafür stimmten die Songs, lauter Manchester-Hits.
Die Festival-Highlights: Devendra Banhart, Jens Lekman und Lady Sovereign. Banhart spielte seinen ersten Europaauftritt mit dem Material des neuen Albums. In der ersten Sethälfte noch etwas behäbig, nach einem Break, in dem ein Besucher spontan einen Song spielen durfte, aber absolut packend. Jens Lekmann, der für die \"krankheitsbedingt\" ausgefallene Lily Allen eingesprungen war (auch abgesagt hatte Amy Winehouse, wegen \"Überdosis\" - zumindest, wenn es nach der norwegischen Presse geht), stellte sich als Glücksfall heraus: gefühlvoller Indie-Soul, vorgetragen von einem tollen Songwriter und mit 6-köpfiger All-Girl-Band. Wie schon auf dem Melt! sollte Lady Sovereign alles wegblasen. Selbstbewusst, frech und mit den richtigen Tunes. Die Lady mokierte sich erst mal über das zu weiße Publikum, da sie nur eine Afroamerikanerin erblickte, die das representete, was Lady S. in ihrem Publikum sehen will: die Straße. Aber auch die Whiteys aus dem Wohlfahrtsstaat Norwegen konnten gut auf den Lady-Style. Und kaum war sie durch, rannte sie auch schon rüber zu ihren amerikanischen HipHop-Kolleginnen Yo Majesty. Sympathisch, wenn Künstler auch Fan sein können.
Das große Norwegen-Special: www.intro.de/spezial/norwegen
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Wes Anderson / Moonrise Kingdom...
- 02 Light Asylum - im South by Southwe...
- 03 The Hives - Größenwahn als Inszenierung
- 04 Woodkid / Yoann Lemoine - Vom Kind...
- 05 Best Coast - Coverstory
- 06 Damon Albarn - Ich habe immer das ...
- 07 Friends - Live is life
- 08 Im Koffer der... - Scissor Sisters
- 09 Auf Reisen mit... - Ladyhawke
- 10 Hot Chip - Auf dem Laufsteg
- ... mehr
INTRO-TV
- » ESC 2011: Unsere Favoriten...
- » SXSW / South By Southwest 2011...
- » In Bed With Kreator - Videobl...
- » So wars bei der Gamescom - In...




