
Múm / Robert Wyatt
Versunken in Klang
26.09.2007, 10:00, Text:
Martin Büsser, Foto: Elke Meitzel
Zwei neue Alben von zwei großartigen Künstlern auf zwei großartigen Labels: Mit 'Comicopera' präsentiert Robert Wyatt sein Label-Debüt bei Domino. Múm dagegen bleiben FatCat treu und haben 'Go Go Smear The Poison Ivy' in Duo-Besetzung aufgenommen, nachdem die Valtysdóttir-Schwestern die Band verlassen haben. Die wichtigste Gemeinsamkeit zwischen Múm und Robert Wyatt gleich vorweg: Sound spielt für beide Künstler eine zentrale Rolle. Sound meint das Vertiefen in driftende, fließende Klänge - Robert Wyatt spricht in diesem Zusammenhang von \\"geistigen Landschaften\\" und erspart mir, den etwas abgegriffenen Begriff der \\"Klanglandschaft\\" zu benutzen.
Múm, die sich vor genau zehn Jahren gegründet haben, und der 1945 geborene Wyatt, dessen einstige Band Soft Machine noch mit Jimi Hendrix auf einer Bühne stand, gehören zwei unterschiedlichen Generationen an. Und sind doch zugleich lebende Beispiele für einen Typus von Musiker, bei dem Fragen nach Alter, Generation und Zugehörigkeit zu Szenen völlig unerheblich sind. Von seiner Zeit bei Soft Machine einmal abgesehen, der legendären Speerspitze der britischen Psychedelic-Bewegung, war Robert Wyatt niemals \\"hip\\", nie in irgendwelche Pop-Moden involviert - und ist wohl aus genau diesem Grund stets akzeptiert, ja, geliebt worden.
Sogar von den Punks, die ansonsten so ziemlich alles auf den Müll der Geschichte warfen, was mit Prog-Rock und Hippie-Ästhetik zu tun hatte. Wyatt dagegen blieb verschont und wurde Anfang der 1980er von Rough Trade unter Vertrag genommen, dem damals weitsichtigsten Label der Punk- und Wave-Ära. Der Deal passte zu einem Künstler, dessen Musik sich so außerirdisch klar und schön anhört, dass jede nachfolgende Generation sich mit ihr identifizieren konnte. Als er in den 1980ern sein Prinzip des \\"Simplifying\\" entwickelte - möglichst klare politische Botschaften zu möglichst reduzierter Musik -, war dies ganz im Sinne von Punk und New Wave. Techno-Fans wiederum bewunderten Wyatt zehn Jahre später als präzisen Klangkünstler für seine Ambient-Ästhetik. Heute wiederum, im Zuge des Song- und Folk-Comeback, ist es vor allem Wyatts unnachahmlicher Gesang, der ihn als Pionier des exzentrischen Songwritings adelt. Nie trendy und gerade dadurch immer auf der Höhe der Zeit - das kann wirklich nur von ganz wenigen Musikern behauptet werden.
\\"Im Moment erleben wir eine Renaissance experimenteller Musik, junge Musiker, die sehr undogmatisch mit psychedelischen Sounds und Improvisation arbeiten\\", sagt Wyatt. \\"Das gibt mir das gute Gefühl, die letzten 40 Jahre nicht umsonst gearbeitet zu haben.\\" Auch Múm ist jeglicher dogmatische Ansatz fremd, sie lassen sich vielmehr von ihrer eigenen Musik treiben und sind jederzeit für neue Einflüsse offen. \\"Vor zwei Jahren wurden wir nach Amsterdam eingeladen, um dort mit dem Dutch Chamber Orchestra ein Stück von Iannis Xenakis aufzunehmen\\", erzählt Örvar. \\"Das hat nun wirklich nichts mit Pop zu tun, sondern war sehr experimentell. Aber es hat auch meine Herangehensweise an Múm verändert. Wir werden die Pop-Elemente nie völlig über Bord werfen, trotzdem ist es uns wichtig, mit unkonventionellen Klängen zu arbeiten. Rein harmonische Musik ist doch langweilig. Kontraste sind für Múm von zentraler Bedeutung - hell/dunkel, schön/hässlich.\\"
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