Foo Fighters

Visionär vs. vorhersehbar

17.09.2007, 10:55, Text: Sandra Grether
[23 Kommentare]

Weil Dave Grohl so eine bewegte Vergangenheit als Drummer einer Band hat, die lyrische Originalität, echte Verzweiflung und Verweigerungshaltung, Anti-Sexismus und Camp-Humor mit geilster Musikalität verbinden konnte (Nirvana), verkörpert er mit den Foo Fighters einen neuen, zeitgemäßen, glamouröseren Typus des alten vergammelten Muckermusikers: den Corporate-Rock-never-sucks-Fucker.

Dieser Typ Mann hat sein halbes Leben auf Tournee verbracht (was ihn irgendwie so glaubhaft macht, zu Recht), gibt sich lustig, hat \\"die Sache mit den Drogen\\" hinter sich - und zeichnet sich dadurch aus, dass er Songtexte für den unwesentlichsten Bestandteil eines Rocksongs hält, Erneuerung und Experimente für Hokuspokus, die Queens Of The Stone Age für die Offenbarung Gottes und Frauen für Menschen, die bitte ausschließlich vor den Brettern, die die Welt bedeuten, Platz zu nehmen haben. Damit können sich natürlich viele super identifizieren.


Aber ausgerechnet diese Band hat beispielsweise auch mich dazu gebracht, selbst wieder Gitarre zu spielen, 1997. Ich hatte gerade die Stadt gewechselt, mein gesamter Besitz, inklusive aller Platten und CDs, war noch irgendwo auf dem Weg, aber in einem Karton mit Krimskrams fand ich eine vereinzelte kleine Kassette - es war das Vorab-Tape zum zweiten Foo-Fighters-Album \\"The Colour & The Shape\\". Ich hörte ihre melodiös-sehnsüchtigen Songs Tag und Nacht und genoss die existenzialistische Freiheit meiner Situation. Bald liebte ich die Foo Fighters sehr. Schließlich war auch Abschied und Neustart in ihren wehmütigen Liedern, die beseelt zwischen hartem Gitarrenkrach und sachtem Gutenachtgebet switchten. Eins hieß \\"A New Way Home\\", machte mich furchtloser und meine neue Umgebung heller: \\"I felt like this on my way home / I'm not scared / I pass the boats ...\\"

Von den Foo Fighters mochte ich danach nie wieder eine Platte so sehr wie jene, wenn auch aus vermutlich blöden sentimentalen Gründen. Umso mehr freute ich mich, als ich erfuhr, dass die Foo Fighters zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder mit dem \\"Colour & Shape\\"-Produzenten Gill Norton zusammen gearbeitet haben. Norton, der u. a. die Pixies produzierte, ist ein Pionier, wenn es um die spezielle Laut/Leise-Dynamik von moderner Rockmusik geht.

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aus Intro #154 (Oktober 2007)
 
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  • felixander 14.09.2007 | 14:54:27

    Sandra Grether sollte mein Tagebuch schreiben.

  • felixander 14.09.2007 | 14:55:48

    Und Kerstin Grether sollte ihr diktieren.

  • User: lillesmuk
  • lillesmuk 14.09.2007 | 17:46:48

    Gefunden in einer anderen Musikzeitschrift:

    „Gestern in Berlin sprachen wir mit einer Journalistin", entfährt es Taylor. Er schaut kurz Nate an und redet weiter: „Sie sagte uns, dass sie nichts auf der neuen Platte mochte. Dass sie sich nichts hatte merken können, dass sie nichts fand, was sie ansprach." - „Doch!", wirft Nate lachend ein. „Sie mochte das Instrumentalstück, haha!" - „Ach ja, stimmt. Aber ansonsten: nichts. Ich hatte den Eindruck, sie wollte halt mal ein Arschloch sein. Sie hatte diesen bemühten Anti-Vibe, den jeder kennt, und versuchte, den bei uns anzubringen. Und es ist ja auch völlig in Ordnung, wenn jemand die neue Platte nicht mag. Aber dann sagte sie: ,Die Platte ist uninspiriert.` Da wollte ich ihr ins Gesicht treten." Taylor holt Luft. „Sag mir nicht, dass etwas, für das ich monatelang meinen Arsch abgearbeitet und mein Gehirn zerdacht habe, dass all
    die Diskussionen über jeden einzelnen Song, die Erfüllung und Aufregung, die wir spürten, als etwas fertig war - erzähl mir nicht, dass
    diese Platte uninspiriert ist!"

  • User: strickliesel
  • strickliesel 15.09.2007 | 11:16:56

    Köstlich! Eine der Grethers aber gerade auf eine populäre Stadion-Rock-Band loszulassen, ist allerdings auch eher überflüssig bzw. vom Ausgang her genauso vorhersehbar wie das kritisierte 08/15-gerocke der Foo Fighters.

  • Chimpie 16.09.2007 | 14:11:10
    "DA!"
    "Mensch, ich will aber das ihr so Platten macht wie damals, die fand ich toll. Jetzt find ich euch doof."

    Wer ist diese Sandra?

  • User: Oleandah
  • Oleandah 17.09.2007 | 12:24:50

    „Bemühter Anti-Vibe“ ist natürlich super. Aber mir gefielen die letzten beiden Foos auch bei weitem nicht so gut wie die ersten drei. Haben schon nachgelassen, finde ich auch (halte generell nichts von diesem oftmals frustriertem „ach, die erste war doch eh die beste“-Gesülze, aber bei den FF´s unterschreib ich das sofort). Bin ansonsten ziemlich unten mit strickliesel.

  • User: Zanzarin
  • Zanzarin 17.09.2007 | 13:02:06

    Das Interessante und Unangenehme an diesem (wie eigentlich an allen) Grether-Artikeln ist, dass sie immer erst einmal über sich selbst schreibt. Wen interessiert denn schon das neue Foo Fighters Album, wenn es etwas über den Umzug von Sandra Grether im Jahr 1997 zu berichten gibt.

  • Chimpie 17.09.2007 | 14:35:49
    "DA!"
    Ja, sehr süß - da bin ich direkt gespannt auf andere Artikel von ihr. Beschreibt sie ihr Lebensgefühl immer so schön?

  • User: SGlietsch
  • SGlietsch 17.09.2007 | 15:37:06

    "Wen interessiert denn schon das neue Foo Fighters Album, wenn es etwas über den Umzug von Sandra Grether im Jahr 1997 zu berichten gibt."

    Mich nicht.

    Noch weniger würde ich mich allerdings für das jeweils neue Album von The Fall/Nick Cave/Edit Orial interessieren, wenn es alternativ etwas über den letzten Umzug von Max Dax zu berichten gäbe.

  • Chimpie 17.09.2007 | 15:39:15
    "DA!"
    Wobei ich auch sagen muss, dass das letzte Doppel-Album lange nicht so viele Umdrehungen bei mir gemacht hat, wie die Alben davor.

    Beim neuen wird sich das noch zeigen.

  • felixander 17.09.2007 | 15:47:30

    Ach, ihr verdient die Grethers nicht, Banausen!

  • Dschinnbott 17.09.2007 | 16:39:28
    ????&#
    fand die alben immer schon sehr halbgar, aber nach "nothing left to lose" haben bei mir jedesmal bereits die singles dazu geführt, dass ich die jeweiligen platten dann gar nicht mehr hören wollte. das ist alles in etwa so spannend wie der 1567ste Big Mac

  • Chimpie 17.09.2007 | 18:38:04
    "DA!"
    Kann Deine Meinung nicht so teilen, aber der Vergleich mit den Big Macs ist sehr schön.

  • Chimpie 18.09.2007 | 13:00:01
    "DA!"
    Wobei jedes Foo Album ganz locker 3 Ligen über den ca. zeitgleich erscheinenden Hype-Platten spielt.

  • User: Red Dog
  • Red Dog 18.09.2007 | 14:49:23

    Ich finde in den Grether Artikel auch nie etwas was mich anspricht. Normalerweise verhält sich das so: Artikel anfangen zu lesen, nach 10 Zeilen denken: Boah was ein Schrott, das muss ein Grether Werk sein. Blick nach oben zur Autoren Zeilen - Befürchtung bestätigt - Artikel nicht weiterlesen.
    Mit Musikjournalismus hat das nichts zu tun, eher mit dem krampfhaften Wunsch nach Selbstbeweihräucherung und dem verzweifelten Versuch irgendwie wie Hunter S. Thompson zu sein.
    Ich denke, dass ich nicht der einzige bin, der die Artikel dieser Frauen nicht ausstehen bin...

  • Chimpie 18.09.2007 | 14:51:14
    "DA!"
    Yup, die Dame könnte in dieser Art besser die Musik-Rezenzionen für Brigitte und Co schreiben.

  • User: rockotron
  • rockotron 18.09.2007 | 16:45:04
    lackaffe
    mir geht's genauso wie red dog.
    mir fehlt noch das wort "selbstgefällig".

    chimpie, das ist doch quatsch -
    in "brigitte & co." wird ja immer eher beschrieben und "für fans von jack johnson"-artige referenzen gedroppt und eben nicht der autor in den mittelpunkt gestellt.
    was besser ist, als das was die grethers machen.

  • User: rockotron
  • rockotron 18.09.2007 | 16:47:25
    lackaffe
    und dann stimme ich noch dschinnbott darin zu, dass alle foo fighters-alben - mit ausnahme des debuts - höchst durchschnittlich sind. der eine oder andere gefällige song ist für mich aber immer mal wieder dabei.

  • User: Gandalf
  • Gandalf 18.09.2007 | 17:34:45
    Graue Eminenz
    mir fehlt noch das wort "selbstgefällig".

    aber eigentlich ist es doch genau dieses selbstgefällige abschweifende, was einen lester bangs kritiken auch 30 jahre später noch gerne lesen lässt.
    die kritik ist nunmal auch eine literarische gattung an die man sehr unterschiedlich herangehen kann. das muss einem nicht jedes mal gefallen, aber es muss doch eben auch nicht jedes mal eine reine produktbeschreibung sein.

  • User: rockotron
  • rockotron 19.09.2007 | 00:02:32
    lackaffe
    da stimme ich dir zu. das ist missverständlich, ich wollte nicht ausdrücken, dass ich die produktbeschreibung a la männer/frauenmagazine grundsätzlich vorziehe, sondern dass ich sogar diese art der kritik der schreibe der grethers vorziehe.

    auch ich ziehe eine "persönliche" schreibe vor. mochte sogar die einstige vermeintlich legendäre oasis-story von thees uhlmann. ich für meinen teil empfinde aber einen unterschied zwischen dem heranziehen von privaten anekdoten und dem schlichten abfeiern der eigenen person, wie in - so zumindest mein eindruck - grether-texten.

  • User: tidbit
  • tidbit 19.09.2007 | 01:22:26
    (@_@)oO0°*´¸.•’´¯)i°&#9829
    hab zwar keine der drei ersten mehr(verschenkt), aber es war ein sehr tolles konzertt damals hier in hh.

    die intro oder andere musikmagazine hab ich eh schon seit jahren nicht mehr gelesen. wozu auch ?

    und wenn, drüber aufregen könnte ich mich sowieso nich.-

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