Stars

Beethoven im Popformat

12.09.2007, 10:00, Text: Christine Käppeler

\"In Our Bedroom After The War\" ist das neue Album der Stars betitelt, und es erzählt von Räumen, in denen Menschen nach Intimität suchen und am Ende doch zwangsläufig alleine bleiben. Heute bleiben sie aber nicht allein: Zwei Stars, Amy Millan und Evan Cranley, haben geladen, sie wollen über ihre neuen Songs reden.

Also gehen wir doch gleich mal in medias res: \"Window Bird\" spiegelt beispielsweise die kollektive Einsamkeit in einer Bar wider, wenn das letzte Getränk auf dem Tresen steht. \"Personal\" erzählt mit der düsteren Grundstimmung des Film noir von der realen Kälte eines virtuellen Dates. Der Text ist eigentlich sehr gewöhnlich, eben die Geschichte einer Frau, die von einem Mann zurückgewiesen wird, erst das Arrangement macht den Unterschied: Durch den Widerhall auf den Drums, der wie ein weit entfernter Herzschlag klingt, wird das Gefühl vermittelt, dass die Frau unter Beobachtung steht. \"Unheimlich ist der Song allein durch diesen Sound\", sagt dann auch Amy.


In diesem speziellen Fall zeichnet Drummer Pat McGee dafür verantwortlich, generell sind Keyboardplayer Chris Seligman und Evan Cranley, der Bass und Gitarre spielt, die Urheber der Songs - einfach, da die Rahmenbedingungen es diesmal so vorgaben: \"Torquil [Campbell, Sänger] war oft in Vancouver, ich war viel mit meiner Soloplatte [›Honey From The Tombs‹] unterwegs, und Chris und Evan haben währenddessen zu Hause in Montreal im Schlafzimmer gejammt\", fasst Amy sie zusammen. \"Wenn keiner in der Nähe war, um ihre Ideen mit ihnen zu besprechen, dann haben sie irgendwann auf Beethoven oder Bach gemacht, und die Songs wurden viel zu kompliziert. Deshalb mussten Torquil und ich immer wieder einschreiten und sagen: ›Stopp. Ihr bleibt jetzt genau hier stehen. Es gibt keinen Grund, hier zum sechsten Mal die Richtung zu wechseln. Dieser Song ist toll.‹\"

Pop war und ist für die Stars nie ein einfacher Wurf. Hinter jedem ihrer Popsongs steht ein ausuferndes Konstrukt, das erst auf eine Melodie und dann auf einen Refrain heruntergebrochen werden muss. In der Labelfamilie Arts & Crafts sind sie damit gewissermaßen die Antithese zum Kollektiv Broken Social Scene, das bei jedem Song die Zügel schießen lässt und alles, was einfach und eingängig ist, in komplexe Strukturen überführt. \"Alles, was wir schreiben, ist darauf angelegt, dass ein runder Song entsteht. Dabei orientieren wir uns an dem klassischen Popformat: Vers, Refrain und Outro\", betont Evan. Eben so ist auch die Platte als Ganzes angelegt: Ein langes Intro und ein bombastisches Finale geben den Rahmen vor. Dazwischen wähnt man sich in einem Episodenfilm, der die verschiedensten Formen von Beziehungen seziert. Das Coverbild hat übrigens Torquils Bruder gemalt, es zeigt einen Mann, der die langen Gardinen vor einem Schlafzimmerfenster beiseitezieht.

Wir verlosen 2 x die limitierte CD-Edition des Albums (inkl. Bonus- DVD). Wer gewinnen will, schreibt eine Mail mit seiner Adresse an verlosung@intro.de.



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aus Intro #154 (Oktober 2007)
 
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