Young Galaxy

Ein Lied von zwei Menschen

10.09.2007, 11:00, Text: Lutz Happel

Dem Titel und grob verorteten Sound des Debüts nach scheint der Begriff Shoegazing hier nicht ganz falsch. Er suggeriert aber unweigerlich Zurückgezogenheit, Schüchternheit, Einzelgängertum - was im Fall von Young Galaxy ganz falsch wäre. Stephen Ramsay und Catherine McCandless leben in Montreal, einer Stadt, die momentan wie kaum eine andere bestimmt ist von musikalischer Offenheit, Diversität und Kooperationen. Der allgemeine Kanada-Enthusiasmus tut sein Übriges. Kurzum: ein Klima, in dem spektral explodierend Musiken entstehen können. \"Wenn wir ein Waldhorn bräuchten, dann wissen wir, wen wir anrufen müssten, und wir wissen auch, dass sich derjenige freuen würde, uns etwas einzuspielen, ohne dadurch irgendwelche Zwänge zu erzeugen\", sagt Ramsay. Broken Social Scene, Feist, Apostle Of Hustle, The Hidden Cameras: Was sich wie eine Tracklist liest, sind alles kanadische Labelmates der Band auf Arts & Crafts. Aus diesem Umfeld heraus schreibt das Paar Ramsey/McCandless seine Songs und schart dafür einen Haufen Freunde (Mitglieder von Dears, The Besnard Lakes, A Silver Mt. Zion und Patrick Watson / Basketball spielt Ramsay konsequenterweise mit den Jungs von Arcade Fire) um sich, sodass am Ende eine mehr als bandhafte Opulenz entsteht.


Ein notorischer Hall hüllt die gesamte Platte ein. Dadurch entsteht Weite, Entrücktheit, ein sehr ätherischer, verträumter Spacepop-Entwurf. Wenn man dem jetzt immer noch mit Shoegazing kommen will, dann höchstens mit dem Argument, dass hier Rock-Traditionen transzendiert, geöffnet, höchstens noch als Zitat tradiert werden. Das Außergewöhnliche und Interessante an Young Galaxy ist aber, dass aus der Nähe der beiden Protagonisten zueinander eine neue Position des Sprechens entsteht: \"Dass wir ein Paar sind, ist für den Prozess des Schreibens absolut essenziell. Diese Nähe erzeugt im lyrischen Schreiben eine starke Kraft und Spannung durch gemeinsame Aussagen, durch dieses ›Wir‹. Auf der anderen Seite steht damit für uns natürlich viel auf dem Spiel.\"

Das hört sich an wie eine Operation an der lebenden Kunst, wie eine forcierte, direkt an das Leben gekoppelte Art, über Liebe zu singen. Vielleicht entsteht dadurch diese gewisse Dringlichkeit, diese Ernsthaftigkeit, die sich ungefähr so anhört: \"We do not believe that love is free, 'cause anything worth fighting for doesn't come for free.\" Ein anderer zwiegespaltener Kanadier sang einst: \"That was called love for the workers in song, probably still is for those of them left.\" Und als ob Leonard Cohen untergründig mitschwänge, zeigen Young Galaxy, dass dieses manchmal banale, manchmal todernste Thema noch lange nicht erschöpft ist. Schöner kann man den außergewöhnlichen Zusammenfall von Liebe und Musik mit seinen speziellen Herausforderungen und der Schizophrenie, gemeinsam auf einer Bühne zu stehen, wohl kaum ausdrücken: \"C'mon babe, swing your heartache.\"

Wir verlosen 3 x das Debütalbum von Young Galaxy, 3 x die Maxi 'Swing Your Heartache' und 1 T-Shirt (M, Männer). Schickt eine E-Mail mit Eurem Namen und Eurer Adresse an verlosung@intro.de.



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aus Intro #154 (Oktober 2007)
 
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