Beach House

Der Spuk im Strandhaus

28.08.2007, 10:00, Text: Sandra Grether, Foto: Sibylle Fendt
[2 Kommentare]

Huhu, was wird denn hier alles geboten an Atmosphäre? Was ein verwegener Sound, den uns Victoria Legrand und Alex Scally, die zwei \"No Genre, please\"-Individualisten aus Baltimore, bescheren. Sie nennen sich Beach House, was nicht gerade ein besonders eigensinniger Name ist - das kommt davon, wenn man alle Genres kategorisch ablehnt. Aber nun gut, so müssen sie ihren Namen halt selbst füllen. Beach House haben auf ihrer Webseite eine Bilder-Staffel erschaffen, um zu zeigen, wie sie sich selbst definieren: \"ein Geldstück in einer Tasse mit öligem Wasser\", \"Visionen aus einem Raum der Taubheit\", \"A diamond's best girlfriend\" oder auch \"Twin camels taking a luscious nap in the sahara\".
\"Wir wollten mit dem Bandnamen einen Ort benennen, an dem unsere Musik existieren kann\", sagt die in Amerika geborene, in Frankreich aufgewachsene Sängerin und Keyboarderin Victoria.

Sie spielte zunächst in Paris \"experimentelles Theater\", bis sie 2004 nach Baltimore zog, wo sie ihren Mitmusiker Alex kennenlernte. \"Es war eine Lebensentscheidung, mich voll auf die Musik zu konzentrieren. Als Schauspieler ist man ein Medium, ich aber wollte selbst den Inhalt vorgeben.\" Folgerichtig also, dass die meisten Songs und Texte von ihr sind - Alex arrangiert und spielt Gitarre. Man legt Wert darauf, dass die Beats nicht aus dem Computer kommen, sondern \"handgeschlagen\" oder Xylofon-veredelt sind. \"Manchmal verwenden wir auch einfach einen Beat aus der Orgel\", so Victoria. Oder, um im beseelten Band-Jargon zu sprechen: \"Wir nehmen den Puls des Herzens der Orgel.\" Victoria: \"Der Beat muss nicht eindeutig festgelegt werden, er ist eher wie ein Schatten der Songs.\"


Schön. Wer sich so viel Mühe gibt, seine angeblich nicht kategorisierbare Musik selbst in Worte zu fassen, der fertigt natürlich auch besonders detailverliebte Songs an. Gitarren, die mit dem Wind heulen, eine Stimme, die mit dunklem Timbre entschieden und gar nicht ätherisch Weisheiten und Wunderliches vorträgt, dicht komponierte Songs voller Ruhe und Zuversicht. Narkotisierend. Fehler im Spiel empfinden sie als Bereicherung, ebenso wie ihren Lo-Fi-Sound.

Und das passt zu einer Band, die sich in nichts gerne festlegen lassen möchte. Auch was Fotos betrifft, natürlich. Lieber sich selbst malen, oder malen lassen: Victoria im elegant-elegischen Kleid, das genauso türkisfarben ist wie die Gitarre, die Alex um den Hals trägt. 'Tokyo Witch', mein Lieblingslied des selbstbetitelten Debütalbums, ist voll von Gespenstern und Dämonen, hat eine fast psychedelische Aura. Hätte man sich schon denken können, dass es auch spukt im Beach House. \"Ein mysteriöses Lied, voll merkwürdiger Visionen\", pflichtet Victoria bei. Will dann aber mehr nicht verraten. \"Der Song spricht für sich.\" Das wundert mich nun natürlich wenig bei einer Band, die ihre Songs mit \"dem hartnäckigsten und schmerzhaftesten Weisheitszahn im Mund\" vergleicht. Da darf der Rockjournalist endlich mal abschreiben - und entspannen.

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aus Intro #153 (September 2007)
 
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Beach House
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  • User: interzeptor
  • interzeptor 25.08.2007 | 07:10:48

    großes kino - programmkino wohlgemerkt - 100%ig blockbusterfrei.

    gottseidank

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