Moneybrother

Fucking Yellow Submarine!

15.08.2007, 13:29, Text: Martin Riemann, Foto: Joachim Zimmermann

Nachdem er mit herzzerreißenden Liebeskummer-Hits die Herzen im Sturm erobern konnte, widmet sich Anders Wendin mit \"Mount Pleasure\" nun den Freuden des Lebens. So dreht sich vieles um gelungene Trinkgelage mit Freunden oder einfach dieses besondere Sommerfeeling. Aber Wendin wäre nicht Moneybrother, wenn nicht auch gute Zeiten bei ihm eher ein melancholisches Gefühl erzeugen würden. Er kann eben nicht aus seiner Haut. Dafür reist er viel in Autos.

Im Gegensatz zu \"To Die Alone\", das mit seinen Streichersätzen stark Richtung Soul ging, funktioniert \"Mount Pleasure\" eher wie ein klassisches Rockalbum.
Ja, das ist mein rockigstes Album. Die früheren Sachen beruhten stark auf Sessions. Diesmal wollte ich es anders machen und übte die Stücke mit den Musikern über einen langen Zeitraum ein. Sie sollten die Stücke total verinnerlichen. Dadurch entstand ein völlig anderer Sound.


Der ist ja ziemlich episch und ornamental. Es gibt erstaunlich viele Soli, vor allem vom Saxofon.
Ja, wir haben es zunächst anders konzipiert, aber Musiker wollen eben im Grunde nur eins: spielen. Und dieses Mal hatte ich mir ja extra Musiker ausgesucht, von denen ich erwarten konnte, dass sie den Songs etwas Eigenes geben würden.
Ist das der Grund, warum du die Aufnahmen in Los Angeles abgebrochen hast?
Die Musiker in Los Angeles waren großartig. Aber sie waren zu professionell. Ich mag zwar einen cleanen Sound, aber man muss in der Lage sein, den Dreck durchscheinen zu lassen. Diese Studiomusiker waren so tight, dass ich mich in ihrem Sound nicht mehr wiederfand.
Für diese Platte hast du dich angeblich vom West-Coast-Rock beeinflussen lassen.
Ich habe ein halbes Jahr in L.A. gelebt. Manchmal fuhr ich mit ein paar Bieren intus durch die Gegend. Und da hörte ich plötzlich \"Take It Easy\" von den Eagles im Radio. Ich hatte diesen Song schon 1000 Mal vorher gehört und mochte ihn nicht mal. Aber in dieser Situation verliebte ich mich in ihn. Die Qualität der Produktion hat mich sehr beeinflusst.
Eine angetrunkene Autofahrt mit den Eagles hat dich zu deinem neuen Album beeinflusst?
Die Sache ist in Wirklichkeit so: Ich war in Mexiko, auch dort fuhr ich oft mit einem Auto rum. Dabei fand ich einen Sender, der mexikanische Songs aus den 50ern spielte, diese Conjunto- und Tijuana-Musik. Ich hörte zwei Tage nur diesen Sender, und auf einmal spielten sie ganz unvermittelt \"Our House\" von Madness. Der Anfang von diesem Stück haute mich einfach um. Das war der exakte Moment, in dem ich wusste, wie mein neues Album klingen sollte.
Conjunto beinhaltet vornehmlich schmerzhafte Gefühle, dein neues Album spiegelt aber angeblich die glücklichen Momente deines Lebens wider. Es klingt allerdings doch wieder sehr melancholisch.
Man muss das im Verhältnis sehen. Für viele andere Künstler wäre \"Mount Pleasure\" das dunkle, tragische Album, aber für eine Moneybrother-Platte ist es fucking Yellow Submarine, Mann.

Wir verlosen 5 Moneybrother-T-Shirts. Schreibt eine Mail an verlosung@intro.de und vergesst nicht, Eure Libelingsgröße und Adresse anzugeben.



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aus Intro #153 (September 2007)
 
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