The Go! Team

Heidi in rosa Latex

15.08.2007, 18:15, Text: Sandra Grether, Foto: Arne Sattler

The Go! Team zu hören ist, wie in den späten 80er-Jahren eine John-Peel-Sendung anzuschalten und sich zu freuen - das alles gibt es also: Oldschool-HipHop, summigen, schrummligen Bienchen-Pop, Cheerleader-Fanfaren, Agitprop-Shouting, 70s-Funk, Actionfilm-Samples (aaargh!) nebst Heidi-auf-der-Alm-Harmonika-Harmonien, echt gute Laune und die gehörige Portion verzerrten Gitarrennoise.

Und während man sich noch wundert, dass man das alles damals als wunderbar empfand, geradezu als Ausbruch aus einer spießbürgerlichen Dörflichkeit, fühlt man sich heute irgendwie dörflich berührt. Ob angenehm oder unangenehm ist fast Geschmackssache, wenn The Go! Team aus Brighton und London vier Songs und drei Genres in ein Lied packen. Und sich wenig dafür interessieren, wie sozial codiert ein Musikstil ist oder einmal war. \"Es geht um den Sound\", sagt Go!-Team-Rapperin Ninja schlicht.


Warum also nicht gleich nur mit (Film-) Samples arbeiten, sich die Musiker (einzeln, nie zwei oder mehr zugleich) ins Studio kommen lassen, die man braucht? Je mehr man das Konzept von Ian Parton, dem Go!-Team-Visionär, akzeptiert und goutiert, desto angezogener kann man sich davon fühlen, selbst dann, wenn es nicht gleich knallt beim Hören. (Was vielleicht schlicht am teilweise gewollt anachronistischen Oldschool-HipHop-Sound liegt.) Denn alles bei The Go! Team sagt: \"Warum nicht?\" Ja, warum also nicht? Noch ein Bollywood-Sample, noch ein Western-Movie-Motiv - und bitte mit frischer Breakdance-Energie, yeah.

Ian Parton war Dokumentar-Filmer, bevor er 2000 die Band gründete, zunächst als Solo-Projekt für einen Soundtrack. Bald aber war The Go! Team auf ein Kollektiv aus sechs Musikern angewachsen, das live mit zwei Schlagzeugen und bunt-aggressiver Energy-Show einen wilden Kontrast zur eher introvertierten Arbeitsweise Partons bildete. 2005 wurden sie für den Mercury Prize nominiert, und ihr verblüffend vielstilsicheres, reichlich experimentelles Debütalbum \"Thunder, Lightning, Strike\" war zur allgemeinen Überraschung recht erfolgreich. Und man liebt die Engländer dafür, dass sie die Go!-Team-Songs in die Charts kauften. Zumal die mit ihren fröhlich-appelativen Mädchen-Gesängen, den rhythmisch-verschrobenen Spielereien und sloganhaften Refrains stellenweise wie eine HipHop-Version der britischen Wiiija-Riot-(Girl-)Bands der frühen und mittleren Neunziger klangen.

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aus Intro #153 (September 2007)
 
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