
Menomena
Let there be Widersprüche
18.08.2007, 16:20, Text:
Christine Käppeler, Foto: Sibylle Fendt
[3 Kommentare]
Diese Band klingt wie eine Mischung aus The Mercury Rev und den Flaming Lips. Sagt die Straße. Und auch unsere Autorin Christine Käppeler. Und was meint die Band? Brent Knopf, Sänger und Multiinstrumentalist wie alle in der Band, meint: \"Wenn wir erst mal anfangen, Drogen zu nehmen ... Wer weiß, vielleicht irgendwann.\" Ihre Songs sind anspruchsvoll komponiert und gleichzeitig ziemlich plemplem. Wer sind diese drei Typen, und wo kommen die ganzen Widersprüche her?
Als die Lehrerin wissen möchte, wie sich ihre Klasse den Himmel vorstellt, hat der junge Craig Thompson die Vision von einem Ort, an dem er bis in alle Ewigkeit zeichnen kann. Die Szene stammt aus seinem Buch \"Blankets\", einem atemberaubend schönen und melancholischen Coming-of-Age-Comicbuch, das die Geschichte einer Jugend und von den Nöten eines Außenseiters im mittleren Westen erzählt. Liest man die Episode als autobiografische Notiz, dann kann man sagen, dass Thompson jetzt, mit Anfang dreißig, dem Paradies ein ganzes Stück näher gekommen ist. Das Artwork, das er für Menomenas zweites Album gezeichnet hat, ist als eine endlose Bildergeschichte angelegt.
Brent Knopf, Danny Seim und Justin Harris leben in Portland, Oregon. Eine Stadt, die eben groß genug ist, dass es die jungen kreativen Leute nicht zwingend in die Ferne zieht, und doch so überschaubar, dass man sich innerhalb der Musik- und Kunstszene kennt. Craig Thompson sei ein alter Surfkumpel von Justin, erzählt Brent Knopf, der das Interview alleine führt. Ich stelle mir vor, wie der schmale, blasse Außenseiter aus dem Comic, den die Sportlertypen in der Highschool \"Schwuchtel\" oder \"Mädchen\" nennen, mit dem Surfbrett unterm Arm zwischen Bikinigirls und aufgepumpten Machos an der Pazifikküste steht, und wundere mich ein wenig. Auch Justin Harris, der für den fulminanten Showdown im zweiten Teil der Single \"Rotten Hell\" und für die wuchtigen Arrangements von \"The Pelican\" verantwortlich ist, hätte man nicht unbedingt als Anhänger Beach-Boys'esker Leichtigkeit im Verdacht.
Der Humor der Band ist eher hintergründig, bisweilen absurd. Das zeigt sich auch im amateurhaften Video zum Song \"Wet & Rusting\", den ein Freund der Band, der sich im Vorspann als Lance Bangs vorstellt - und der, wenn man Brent Knopf denn Glauben schenkt, tatsächlich so heißt -, gedreht hat. Offensichtlich von Sonic Youth und Beck inspiriert, lässt er die Band in bester Low-Budget-Manier im Proberaum spielen, als der Sensenmann an die Türe klopft und nach ihren letzten Wünschen fragt: Eine Albumproduktion mit KanYe West steht auf Justins Wunschzettel, Danny sehnt sich nach einer Abschiedstour im Zeppelin, und Brent hat ein Perpetuum mobile skizziert, mit dem sich jede Energiekrise lösen lässt. Am Ende entsteht aus Brents spießiger Idee eine Art Trampolin auf Rädern, mit dem die Band durch die Vorgärten hüpft und rollt. Ähnlich verhält es sich mit vielen Dingen im Kosmos der Band: Hinter den komplexen Arrangements versteckt sich meist eine gesunde Portion Quatsch. Und hinter dem Quatsch steckt wiederum oft System, wie etwa der Titel ihrer ersten Platte \"I'm The Fun Blame Monster\" zeigt, der ein Anagramm von \"Menomena's First Album\" ist.
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19.08.2007 | 11:00:32
ein feiner artikel :) ich fand es übrigens interessant,dass sie nach dem fantastischen konzert in berlin auf einer website geschrieben haben,sie hätten es vermasselt. davon hat man als zuhörer aber irgendwie nicht viel gemerkt,das war einer der besten (aber auch lautesten ^^ ) gigs auf denen ich je war :) sehr perfektionistisch die herren
ich freu mich auf die popkomm
ZieseldasWiesel 19.08.2007 | 11:02:18
huch,so anonym sollte das gar nicht werden :D
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