
Kunstfreiheit für
G-Hot
18.08.2007, 10:00, Text:
Hannes Loh
[68 Kommentare]
Gökhan Sensan (a.k.a. G-Hot) setzt das Tabubruch-Prinzip von Aggro Berlin konsequent um. Der von den Lesern des Juice-Magazins zum \"Newcomer 2006\" gekürte HipHopper hasst mit seinem Stück \"Keine Toleranz\" auf Schwule ab - und entfaltet damit eine öffentliche Debatte über Meinungsfreiheit im HipHop. Jetzt will sein ehemaliges Label nichts mehr von ihm wissen.
Rap ist ein hartes Geschäft. Und Rapper sind raue Gesellen, die unbarmherzig auf ihre Gegner eindreschen. Specter - einer der drei Betreiber des Berliner Labels Aggro Berlin - kann das besonders gut erklären. Er sagt dann Dinge wie \"HipHop ist Kampfkultur\" oder \"HipHop ist Männerauffanglager\". Kunst und Gesellschaft sind Specters Lieblingswörter, die immer dann fallen, wenn Aggro Berlin wieder einmal zu verkaufsfördernden Tabubrüchen Stellung nimmt. Die Rapper Sido und Fler etwa werden gegen Vorwürfe des Sexismus und der Deutschtümelei so in Schutz genommen: \"In ihren Texten schildern sie unter Zuhilfenahme von künstlerischen Stilmitteln in einem HipHop-typischen Kontext die Realität, in der sie aufgewachsen sind. Man darf Ursache und Wirkung nicht verwechseln: Die Gesellschaft hat diese Personen und die Welt, in der sie leben, geschaffen. Nicht umgekehrt.\"
Wer sich damit nicht zufrieden gibt, den erinnert das Label an die \"Meinungsfreiheit\" und daran, dass man sich \"dieses Recht nicht nehmen\" lasse. Denn: \"Bemühungen, der Kunst Vorschriften zu machen, sie zu instrumentalisieren oder gar zu verbieten, [sind] immer der erste Schritt in Richtung Diktatur und Faschismus.\"
Erst vor wenigen Wochen musste Aggro Berlin die Meinungsfreiheit wieder gegen Wegbereiter von Diktatur und Faschismus verteidigen: Brothers Keepers e. V., ein Zusammenschluss von primär afrodeutschen Künstlern und Produzenten, kritisierte in einer Petition unter anderem den Titel des aktuellen Albums von Aggro-Rapper B-Tight (\"Neger, Neger\") und Zeilen aus dessen Songs (\"Wer rammt immer noch seinen Penis in dein Loch, sag mir, wer ist immer straff? Der Neger, der Neger!\"). Auch hier fühlt sich Aggro Berlin zu Unrecht angegriffen. Denn was kann B-Tight dafür? Steckt nicht hinter allem die Gesellschaft? Und muss man sich nicht fragen, \"warum ein einzelner Künstler am Pranger stehen soll für eine Debatte, bei der es doch um einen ›gesamtgesellschaftlichen Diskurs‹ gehen soll?\" Aggro Berlin fordert deshalb in einer Stellungnahme zur Brothers-Keepers-Petition: \"Kunstfreiheit für B-Tight.\"
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Chimpie 18.08.2007 | 14:45:31
"DA!"
Hannes Loh mit alten Kamellen.. Auf den längst abgefahrenen Zug aufspringen und das schreiben, was in letzter Zeit dutzend mal geschrieben wurde. Bravo!
Wer braucht eigentlich noch Hannes Loh? Schon mal einen guten relevanten Text von ihm gelesen? Ich nicht..
Kleiner Rocker 18.08.2007 | 15:14:25
echte Wertarbeit
Aha, was willst du damit jetzt sagen Chimpster? Vielleicht, dass du das alles ganz ähnlich siehst, wie die armen missverstandenen Freigeister von Aggro Berlin oder doch einfach nur, dass dir der Text nicht gefällt. Ich bin gespannnt.
Mehrteurer 18.08.2007 | 15:24:02
Hitschlampe
Hannes Loh sollte einfach nur nie wieder rappen, ansonsten darf er gerne schreiben was er will.
Zum Teil kann ich dem zustimmen, aber das kommt eher selten vor. In Bezug auf die angenommene Scheinheiligkeit von Specter und dem Bauern-Opfa G-Hot möchte ich ihm allerdings gerne glauben.
brotvielfalt 18.08.2007 | 17:52:29
Flitzpiepe
Loh hat vollkommen recht. Die Homophobie aber auch die Scheinheiligkeit ist zum kotzen und man kann es nicht oft genug ansprechen.
Schön wäre aber auch mal ein fundierter Artikel zu Homophobie und Sexismus im Rock. Komischerweise ist immer nur Hip Hop im Visier.
brotvielfalt 18.08.2007 | 17:53:07
Flitzpiepe
Herr Büsser, übernehmen Sie!
Chimpie 18.08.2007 | 23:26:50
"DA!"
Nein nein, ich sehe das schon ähnlich wie er. Nur braucht noch so einen Text niemand. Da musste sich wohl eher Hannes nochmal ins Gespräch bringen, der große Auskenner. Egal..
Im Rock gehts auch nicht anders zu, richtig.
Chimpie 19.08.2007 | 13:55:48
"DA!"
Hannes und Linus sind eher so die, die Wahnsinns-Texte verfassen und sich mit der anschließenden Diskussion nicht beschäftigen wollen, hm?
Reverend 19.08.2007 | 15:54:11
war immer aufrichtig
Welche Diskussion?
Du hast geschrieben, das alles seien (für Dich) "alte Kamellen". Sehr spannend.
SterinMcCollis 19.08.2007 | 16:34:18
brotvielfalt: an welche rockband, die derzeit *populaer* ist / wird, hast du so gedacht wenn du ueber homophobie dieskutieren willst?
Gandalf 19.08.2007 | 17:10:23
Graue Eminenz
man könnte zum beispiel guns ´n´roses werten, wenn noch über chinese democracy diskutiert wird
SterinMcCollis 19.08.2007 | 17:22:34
aeh guns'n'roses sind doch kein aktuelles beispiel, oder?
Reverend 19.08.2007 | 17:27:53
war immer aufrichtig
Eben. Diese ganzen momentan erfolgreichen Röhrenhosenrockbubis sind doch eher kajalbemalte Schwiegersöhnchen und haben nix mit den frühen Beastie Boys oder dem Spandex-Schwanzrock der 80er zu tun. Mir will da jetzt auch keine aktuelle Rockband einfallen, die es in Sachen stumpfem Frauen- oder Schwulenhass mit Deppen wie Bushido oder gar G-Hot aufnehmen kann.
Mehrteurer 19.08.2007 | 18:14:32
Hitschlampe
Dank David Bowie und Rob Halford wurde Rock doch schon recht früh enthomophobisiert, oder?
Man muss aber auch dazu sagen, dass Rock nicht so sehr über die Texte funktioniert wie HipHop. Allein schon aus diesem Grunde eignet sich Rock nicht so wie HipHop oder Raggamuffin als Hass-Musik. Bzw. wenn Rocker homophob sind, dann können sie das nicht so leicht über die Musik transportieren wie Rapper.
Nehmt den ganzen Hair Metal der 80er, da bildeten Guns 'n Roses trotz musikalischer Ähnlichkeit ein dreckigen Gegenpart und nahmen sogar Grunge schon fast vorweg. Axl Rose ist das beste Beispiel für einen dummen Jungen, der aus mangelnder Kenntnis schwulenängstlich war.
SterinMcCollis 19.08.2007 | 21:37:17
axl rose ist der typische fall einer hetentunte, die sich homophob auessern muss um die eigene heterosexuelle maennlichkeit klarzustellen. im grunde genommen ein gefangener seiner herkunft und der ambivalenten haltung von rock-fans zu sex und und homosexualitaet. :)
aber das rock enthomophobisiert ist glaube ich nicht. da waere mal interessant, wann rob halford sein coming out hatte. also hat jemand was aktuelleres auf lager?
brotvielfalt 19.08.2007 | 22:50:47
Flitzpiepe
Mir geht es gar nicht um eine spezielle Rock-Band sondern um das Prinzip Rock an sich. Wenn schwitzende Männer mit ihrem Schwanzersatz namens Gitarre auf der Bühne rummachen. Diese Attitüde war mir schon immer suspekt.
Es ist ja kein Zufall, dass im Rockbereich erfolgreiche Frauen nachwievor eine kleine Minderheit darstellen. Im Gegensatz zu R&B und Hip Hop, wo erfolgreiche Künstlerinnen selbstverständlich sind.
Das sollte man zumindest zur Kenntnis nehemn, bevor man sofort auf die bösen sexistischen Hip Hopper losgeht.
hansmoleman 19.08.2007 | 23:06:02
...behaupte ich mal so.
Im Gegensatz zu R&B und Hip Hop, wo erfolgreiche Künstlerinnen selbstverständlich sind.
selten so gelacht...
tidbit 19.08.2007 | 23:26:08
(@_@)oO0°*´¸.•’´¯)i°♥
oh gott.
SterinMcCollis 20.08.2007 | 00:12:52
hehe - es gibt aber bis auf wenige ausnahmen doch eine sehr funktionale arbeitsteilung im (populaeren) "black music" / "urban" bereich. gerade dahingehend nehmen sich doch die macho-kulturen von mainstream-rock und mainstream-hiphop nix.
hansmoleman 20.08.2007 | 00:44:58
...behaupte ich mal so.
uff-tata, uff-tata...
hansmoleman 20.08.2007 | 00:52:47
...behaupte ich mal so.
so sieht's mal aus!
hmv 20.08.2007 | 00:56:27
Hier, kriegste Deinen Schnuller, man. Link
Differenz ist eben eine Scheißmusik.
hansmoleman 20.08.2007 | 00:58:55
...behaupte ich mal so.
indifferenz klingt erstmal scheisse...
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Mit ihrem Stilmix aus Punkrock, Ska und verschiedenen Folk-Einflüssen wurde Mutabor seit ihrer ersten Veröffentlichung (1997 Virgin) oft als deutscher Vertreter des Folk-Punk geführt. Mit ihrer zweiten Veröffentlichung (2001 Makanabeat / Soulfood) erweiterte die Band ihr musikalisches Spektrum in Richtung Pop und Reggae.




