Hot Hot Heat

Groß, mächtig und dekadent

21.08.2007, 12:30, Text: Peter Flore, Foto: Frank Ockenfels

\"Als wir von der letzten Tour zurückkamen, habe ich mich von einem nicht kleinen Teil meines persönlichen Besitzes getrennt und bin in ein schäbiges Apartment gezogen. Ein ziemliches Loch, in das ich mich zurückgezogen habe, um ein wenig Inspiration zu finden.\" Was geschrieben ein bisschen prätentiös anmutet, klingt aus dem Munde des Hot-Hot-Heat-Sängers und Gitarristen Steve Bays wie ein ganz normaler Prozess. Das Glück, so möchte man fast in Anlehnung an den Albumtitel \"Happiness Ltd.\" sagen, tritt also erst dann ein, wenn man sich (fast) alles Weltlichen entledigt.

Das dritte Album der Kanadier wurde zu fast zwei Dritteln bereits während der Tour zum erfolgreichen letzten Album \"Elevator\" geschrieben. Zu Hause sei man eh nur abgelenkt vom Alltag, da schreibe es sich besser unterwegs, aus dem Koffer gewissermaßen. So weit, so gut, nur klingt \"Happiness Ltd.\" nach allem anderen als nach einem direkten, unverfälschten und spontanen Album, trotz seiner Entstehungsgeschichte. Im Gegenteil, der klassische Hot-Hot-Heat-Sound wurde vor allem in die Breite erweitert: \"Wir hatten immer einen recht schlanken Sound: Gitarre, Bass, Schlagzeug, ein, zwei Overdubs. Bei diesem Album wählten wir von vornherein einen epischeren Ansatz. Die Songs sollten groß, mächtig und dekadent sein. Beim Track ›Harmonicas And Tambourines‹ haben wir vier Schlagzeuge übereinandergelegt, diverse Keyboardspuren eingespielt, und den Bass habe ich auch noch mal gedoppelt. Das Ergebnis klingt schon sehr gewaltig, nicht? The big thing we wanted to go for.\"


In der Tat: Hot Hot Heat klingen versierter und ausgereifter als je zuvor, der Song \"Outta Here\" besticht durch Bays' neuerlichen Falsett-Gesang, der vor einem weiblichen Backgroundchor und dem Summen des Theremins Kapriolen schlägt. Man habe mit ungefähr 15 Produzenten gearbeitet und selbst ca. 90 % des Materials koproduziert, erzählt Bays, wohl wissend, dass viele Köche einen Brei nicht zwingend schmackhafter machen. \"Es ist in dieser Hinsicht fast ein HipHop-Album\", lacht er. \"Nach dem Motto: neuer Track, neuer Produzent.\" Dass es dabei eben doch wie aus einem Guss klingt, mag an der Klasse des verpflichteten Personals gelegen haben: Green-Day-Produzent Rob Cavallo oder Tim Palmer, der auch schon Bowie oder U2 betreute, hatten unter anderem ihre Finger mit im Spiel. Große Namen für den großen Sound, der aber gottlob meilenweit von etwaigen Stadionrock-Plattitüden entfernt ist.

Und noch etwas hat sich seit dem letzten Album geändert: Der neue Gitarrist Luke Paquin ersetzte den 2005 aufgrund musikalischer Differenzen ausgestiegenen Dante DeCaro. Man sei jetzt wieder eine Gang, erzählt Bays stolz. Und betont noch einmal, dass eine Band eben mehr sein sollte als eine bloße Ansammlung von Musikern. Kurzum: Steve Bays scheint rundum glücklich. Zumindest für den Moment.

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aus Intro #153 (September 2007)
 
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