
Hard-Fi
Proll-Styler bei der Arbeit
20.08.2007, 12:18, Text:
Till Stoppenhagen, Foto: Joachim Zimmermann
Hard-Fi veröffentlichen mit \"Once Upon A Time In The West\" ihr zweites Album. Und legen kräftig im Stil ihres Debüts \"Stars On CCTV\" nach. Hymnen der ungebremsten Ladkultur, gerne mit Pathos. Und immer mit Seele. Unser Autor Till Stoppenhagen sieht in ihm nicht weniger als die schlichte Eleganz des Northern Soul aufschimmern. Was er sonst noch so denkt über die Band - hier steht es.
Es hätte keinen besseren Ort für diese Album-Premiere geben können: Endlose Schlammwüsten, Horden Lagerbierbecher schwenkender junger Männer, dank Vollsuff und Stiff-upper-lip-Mentalität auch nach tagelangem Dauerregen noch bei bester Laune: Glastonbury, dieses süße Open-Air-Inferno, dieser Himmel, für den man durch die Hölle geht. Die Inkarnation britischer Party-Kultur, die selbst in ihren rustikaleren bis prolligeren Auswüchsen immer noch ein Maß an Würde und Stil bewahrt, das man sich in Deutschland so niemals vorstellen könnte. Einer Kultur, die kaum jemand so perfekt auf den Punkt bringt wie Hard-Fi. In diesem Jahr spielten sie zum ersten Mal auf dem legendären Festival. Um ihr neues, zweites Album \"Once Upon A Time In The West\" erstmals der Weltöffentlichkeit zu Füßen zu legen.
Schrängelnde Clash-Gitarren, schwere, klotzige Grooves, schrille Bläser - ein massiver Tanzflächenfüller, der bei aller Bodenständigkeit immer die schlichte Eleganz des Northern Soul bewahrt. Proletarischer Glamour.
Aus den tristen Tiefen des Londoner Westens - aus Staines, um genau zu sein - kommen Hard-Fi in die Suite des edlen Berliner Concord-Hotels nahe dem Kurfürstendamm gestapft. Drummer Steven Kemp, Bürstenschnitt, ein hartes Burschengesicht, ist \"die hard\" Working-Class. Sänger Richard Archer, weich geschnittene Züge, der Einzige in der Band, der Musik studiert hat, kommt aus einer Akademikerfamilie, hat sich in dem grundsoliden Umfeld aber gut assimiliert. Vorstadt-Jungs und stolz darauf. Können sie auch sein mit einem Album wie \"Once Upon A Time In The West\". Einem Album, das ohne diesen Background wohl nicht möglich gewesen wäre.
Richard: Es ist wieder alles in Staines entstanden, wie unser erstes Album auch. Wir kommen von da, das ist sehr wichtig für uns, und wir sind auch irgendwie stolz darauf. Aber es hat nichts mit dem Ort selbst zu tun. Wir könnten auch aus jedem anderen Ort kommen.
Steven: Wir wohnen immer noch gerne da. Ist doch ganz okay da.
Richard: Warum sollen wir auch weg? Wir sind um die ganze Welt gereist, haben andere Länder gesehen, unsere Horizonte erweitert. Und wir haben immer auf den Shows Leute getroffen, die aus genau solchen Orten kommen wie wir. So kommt die Sache wieder an ihren Ausgangspunkt zurück.
Trotz des frenetisch bejubelten Glasto-Gigs, trotz fünf aufeinanderfolgenden Konzerten in der Brixton Academy (was nur wenige Bands jemals geschafft haben), trotz doppelter Platin-Auszeichnung in Großbritannien für das Debütalbum \"Stars On CCTV\" sind Steven, Richard und ihre beiden Kollegen natürlich schön auf dem Teppich geblieben. Staines hilft dabei.
Und wie ist es da jetzt als Celebrity auf der Straße? Dumme Sprüche?
Steven: Es ist ein kleiner Ort. Jeder kennt uns da schon seit Ewigkeiten. Ab und zu werden wir mal angesprochen, vor allem abends im Pub, wenn die Leute besoffen sind, so: \"Dieser Track, ›Cash Machine‹, der ist verdammt gut. Aber - versteh mich nicht falsch - da hättet ihr noch mehr draus machen können.\" Aber ansonsten sind wir da immer noch dieselben Typen, die wir immer waren.
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