Chloé

Homecoming-Set in Biarritz

05.09.2007, 10:00, Text: Thomas Venker, Foto: Susanne Pospischil
[17 Kommentare]

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Es ist nicht leicht, an Chloé heranzukommen an diesem lauen Sommerabend im Juli. Nicht, da der Rummel um die französische DJ mittlerweile so groß wäre, dass sie sich in einem Strandstädtchen wie Biarritz nicht mehr ungestört bewegen könnte. Es ist ihre persönliche Geschichte mit der Stadt, die für eine kleine, vertraute Menschenmenge um sie herum sorgt. Ihre Familie stammt aus Biarritz (ein Onkel lebt hier immer noch): Hier hat sie parallel zu Paris ihre ersten DJ-Schritte gemacht (und legt regelmäßig im nahe gelegenen Spanien auf - \"da im spanischen Basken-Hinterland im Gegensatz zu Biarritz eine Technoszene existiert\"), und hier hat sie auch das erste Mal in ihrem Leben gesurft. Eine Leidenschaft, die sie noch immer bei jedem Besuch auslebt.


Insofern war es geradezu ideal, dass sie zum \"Roxy Jam\" nebst angeschlossener Longboard-WM der Frauen gebucht wurde. Überhaupt sieht sie Gemeinsamkeiten der Milieus. Sowohl in der Surf- als auch in der DJ-Szene haben Frauen (auch heute noch) einen schweren Stand. Es sind von Männern dominierte Szenen. Als sie zu surfen begann, waren die Jungs noch irritiert: \"Klar hatten sie gerne Mädchen am Strand, aber die Wellen, die sollen wir ihnen nicht streitig machen. Ein Wettbewerb wie diese WM hätte es vor 20 Jahren noch nicht geben können.\"

Eine ignorante Haltung, die sie auch beim Auflegen erlebt hat. Chloé begegnete ihr, indem sie sich ihr zunächst nicht stellte: Ihr DJ-Coming-out hatte sie in der lesbischen Clubszene Paris' rund um den Le Pulp Club. Hier legte sie gemeinsam mit Jennifer Cardini und Ivan Smagghe den Grundstein für das, was wir heute als die Pariser Technoszene kennen. Mittlerweile haben sie und ihre Freunde mit Labels wie Karat, Tigersushi und Katapult den Sound und die Botschaft dieser familiären Szene längst in die Welt getragen - und sich selbst erfolgreich positioniert. Dieses Familiäre ist ihr noch immer sehr wichtig: \"Als Gegenpol zum Alleinsein an den Wochenenden. Das Kollektiv dient mir als Energiequelle.\"

Die Clubnacht im Le Pulp hieß übrigens \"KillTheDJ\", genauso wie das gemeinsame Label der Clique, auf dem nun auch das Debütalbum Chloés erscheint. Nach unzähligen Remixen, Jahren des Auflegens und einer längeren Phase des zarten Herantastens an das Produzieren (dokumentiert auf 12-Inches) nun also das Königsformat. Und es dürfte keinen wundern, dass ihre Art, mit diesem umzugehen, eine sehr emphatische mit feingliedriger Dramaturgie ist. Ganz wie ihre Freunde vom Dial-Label - bei unserem Treffen erscheint sie passend im Hamburger Bohemian-Look mit Hemd und umgelegtem Pullover, sehr stillvoll, ja, fast schon glamourös, aber eben auf eine dezente, zurückgenommene Art - will sie mehr rüberbringen als nur die klare Botschaft der Bassdrum. Nicht nur, dass sie nicht die Langsamkeit scheut, sich gefühlvoll herantastet, es ist vor allem eine Offenheit für Experimente, die ... Nein, das greift zu kurz, das hier geht darüber hinaus, ist Teil einer Schule des Zuhörens, des sich nicht Wegwendens vom scheinbar Unpassenden. Natürlich zieht sie im Verlauf das Tempo an. Natürlich lässt sie auch hier wie in ihren Sets die Bassdrum sprechen. Und natürlich wollen wir das genau so auch haben.
Überhaupt. Genau jetzt wollen wir es haben.

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aus Intro #153 (September 2007)
 
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  • Chimpie 05.09.2007 | 12:04:34
    "DA!"
    Oh Gott, surfen mit Techno ist wie ein Vegetarieer mit Kalbsroullade.

  • User: schons
  • schons 05.09.2007 | 12:10:46

    Ihr DJ-Coming-out hatte sie in der lesbischen Clubszene Paris' rund um den Le Pulp Club.

    omg

  • User: schons
  • schons 05.09.2007 | 12:59:32

    ihre sets sind absolut großartig. chloé hat mich noch nie enttäuscht. ein schöner langsamer aufbau, die weiß was ein spannungsbogen ist.

  • User: mtrbrt
  • mtrbrt 05.09.2007 | 13:06:54
    die geschichte ohne o
    ich halt sie auch für'ne tollen dj. album soll super sein, leider noch nicht gehört.

  • Chimpie 05.09.2007 | 13:34:51
    "DA!"
    Sie sollte dennoch nicht Techno und Surfen verbinden.

  • Chimpie 05.09.2007 | 14:10:05
    "DA!"
    Techno und Surfen haben einfach nix gemeinsam.

  • Mehrteurer 05.09.2007 | 14:12:17
    Hitschlampe
    hehehe, das passt wohl nicht ins bescheidene Weltbild unseres Haus-Äffchens.

  • Chimpie 05.09.2007 | 14:20:44
    "DA!"
    Hehe, das passt leider in kein Surfer-Weltbild, weils einfach Quatsch ist. Etwas so natürliches mit so plastik-Sound.. Höchstens so Chill-Out-Sounds, aber auch nur zu relaxter Stunde.

    Hat eigentlich schonmal wer Techno mit Band gemacht?

  • User: Sören
  • Sören 05.09.2007 | 15:33:38
    Tiki-Taka-Taliban.
    der ralf und der florian auch.

    (wie wird eigentlich hiphop produziert? nur auf holz- und blechinstrumenten?)

  • User: Reverend
  • Reverend 05.09.2007 | 18:08:02
    war immer aufrichtig
    Einen meiner allerschönsten Tanzabende hab ich Chloés wunderbarem DJ-Set zu verdanken; das zweite Mal war auch super. Die ist sehr cool, macht keine Sperenzchen und hat Stil. Und die Take Care 12" war großartig. Ich bin gespannt auf das Album.

  • derkleinefelix 02.10.2007 | 12:51:25
    Hello, my name is Karin.
    Nur handgemachte Musik ist gute Musik? Sowas beknacktes wird tatsächlich noch behauptet? Scheiss Indie-Arroganz, echt!

    Chloé ist wirklich großartig, aber Schimpansen verstehen so etwas nicht, die unterliegen der Pavlowschen-Handmade-Konditionierung.

  • weiche zäune 02.10.2007 | 13:33:34
    love love love yeah
    Ihr DJ-Coming-out hatte sie in der lesbischen Clubszene Paris' rund um den Le Pulp Club.

    hier hat schons zurecht ein omg druntergesetzt.. aber der nächste satz des artikels ist schon ein tolle mischung aus ahnunglosigkeit und traute. respekt.


    btw. das Album von Chloé ist sehr gut. vielleicht etwas zu düster geraten. und ihre dj sets sind bisher immer über obige nörgeleien weit erhaben gewesen.

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