Michael Fakesch

Präzise daneben

20.07.2007, 12:00, Text: arno raffeiner, Foto: Arne Sattler

Generationen von Elektronikern haben sich daran schon die Zähne ausgebissen: Funk im starren Raster von Maschinenbeats, in der sterilen Laboratmosphäre elektronischer Sounds. Kann das denn überhaupt funktionieren? Dieser Frage ist Michael Fakesch mit dem Rosenheimer Duo Funkstörung über zehn Jahre lang nachgegangen und hat sich dabei manisch in digitale Rhythmusraster hineingegraben, sie bis ins letzte Bit untersucht und den Funk dabei oft genug absichtlich zerschreddert, immer wieder aber auch hervorgekitzelt. Präziser ging's nicht mehr.


Nach der Trennung von Funkstörung-Partner Chris De Luca zoomt Fakesch nun raus aus dieser Millisekundengenauigkeit und macht sich locker für die Unschärfen des Groove. Schuld daran ist sein neuer Partner Taprikk Sweezee aus Hamburg, denn eigentlich ist das Solo-Etikett \\"Michael Fakesch\\" auf seinem ersten Post-Funkstörung-Album eine Mogelpackung. Alle Stücke wurden gemeinsam produziert, und Sweezee ist auf jedem als begnadeter Sänger zu hören. Dabei konnten die beiden viel voneinander lernen, z. B., dass der Funk oft eben genau im Daneben sitzt und nicht in der Übergenauigkeit. Fakesch: \\"Es war eine Riesenarbeit, Ungenauigkeiten zu programmieren. Da habe ich viel von Taprikk gelernt. Er hat mir schräge Beat-Ideen geschickt, und ich so: ›Ey, sag mal! Es gibt da so eine Funktion, die heißt Quantisierung, mach das doch bitte mal!‹ Und er: ›Bist du irre? Programmier's daneben, und es hat viel mehr Funk!‹ Ich dachte, der spinnnt doch, und hab selbst rumprobiert, bis ich zugeben musste: ›Du hast recht.‹\\"

So ähnlich wie dieses kurze und lehrreiche Wortgefecht hat man sich vermutlich generell Fakeschs und Sweezees Zusammenarbeit im Studio vorzustellen. Die beiden wirken wie ein frisch gebackenes musikalisches Liebespaar, wenn sie sich im Interview gegenseitig Komplimente zuwerfen und einander vor lauter Mitteilungsbedürfnis kaum ausreden lassen. Dass sich das Ergebnis der gegenseitigen Lektionen nun so funky und sexy anhört wie ein total unter Strom stehender Prince, liegt an der Wandelbarkeit von Sweezees Stimme genauso wie an Fakeschs Rumpel-Beats. Taprikk Sweezee: \\"Funk kann eben überall drinnen sein. Du brauchst keinen geslappten Bass oder einen funky Beat. Das ist ein Feeling!\\"


Beste Tourerinnerung

Wir haben mit Funkstörung mal im Guggenheim-Museum in NYC gespielt, das war der Hammer! Du legst in einem der berühmtesten Gebäude der Welt auf, vollgestopft mit Leuten, überall Securitys, die auf die Bilder aufpassen und alle paar Minuten ankommen: \\"Nicht so viel Bass! Die Bilder vibrieren und kriegen Sprünge, ihr verursacht einen Millionenschaden!\\"

Schlimmste Tourerinnerung
Während eines Sets habe ich einmal aus Versehen den Stromstecker rausgezogen, an dem alle Geräte hingen. Das war superscheiße. Chris [De Luca] hat sich damals total aufgeregt - und nur eine Woche später ist ihm genau dasselbe passiert ...

Wir verlosen 5 Exemplare des aktuellen Albums 'Dos' von Michael Fakesch.
Falls Ihr das gewinnen wollt, schickt eine E-Mail an verlosung@intro.de.



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aus Intro #152 (August 2007)
 
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