Architecture in Helsinki

Happy Wut

16.07.2007, 06:00, Text: Sandra Grether, Foto: Lena Böhm

Architecture in Helsinki, die eigentlich aus Melbourne kommen, könnten auch gut Architecture In Hell heißen. Denn das Architektonische der durchkomponierten Pop-Songs, die Songschreiber und (Haupt-) Sänger Cameron Bird aus New York mitbrachte, wurde von den restlichen Bandmitgliedern in kindlicher Zerstörungswut sofort lustvoll zerrupft, zerfasert, zerlegt. Und dann fürs elektroniklastigere dritte Album \\"Places Like This\\" aufs Reizendste neu zusammengesetzt. Fröhlicher Instrumenten-Overkill: Congas, Synthesizer, Samples, glockige Kinderspiele. Happy Wut! AIH klingen so, als hätten die Kinder der \\"Desperate Housewives\\"-Generation jede Menge Calypso, Agitprop und HipHop gehört - und sich nebenbei zum Sound von Bow Wow Wow und Prodigy im Sandkasten mit Fingerfarben bemalt.


Lustigerweise kann man beim Hören aber genau verfolgen, wie erhaben der nackte Song sich herausschält aus all dem hysterisch freudigen Soundgezirpe. Und schön ist auch: Sie verbreiten eine launische Dringlichkeit, ihre Spiele sind nicht harmlos - das Album ist ein aggressiver Fantasy-Reigen. Das ist vielleicht typisch für Leute, die mit dem Gefühl aufgewachsen sind, jenseits von Metropolen zu leben, also gewissermaßen auf den Sandplätzen des Pop-Geschehens. Und australische Musiker, selbst wenn sie aus Melbourne kommen, fühlen sich ja, trotz Weltsprache, immer so isoliert. Cameron Bird, der Mann mit dem schönen Vogelnamen:

Wir sind \\"in the middle of nowhere\\" zu Hause. Das ist gut für die Fantasie. Aber ich wollte da mal weg. Also bin ich Mitte 2006 ganz alleine nach New York gezogen.
Sind die Stücke deshalb intensiver und gehetzter geworden?
Ja, genau. Direkter. Verrückter. Ganz und gar nicht entspannt. Wie New York eben.
\\"Underwater\\", der explizite New-York-Song, klingt ziemlich spacig, kalt, deine Stimme wie von weit her. Fast beängstigend.
Cameron: [lacht] Vielleicht wollte ich ein Gegengewicht zum Inhalt des Stückes schaffen: New York, wenn es wirklich HEISS ist.
Und \\"Debbie\\" handelt wohl nicht von Debbie Harry?
Nein, die Texte sind pure Fiktion.
Sind die Songs alle schon fertig gewesen, bevor du sie den anderen vorgespielt hast?
Mehr oder weniger ja. Wir sind alle sehr \\"open minded people\\". Das ist es, was uns verbindet. Die anderen spielten sofort alles dazu, was ihnen einfiel. Wir haben eine wilde Cyber-Bandchemie.
Tauscht ihr deshalb live so gerne untereinander die Instrumente?
Aber ja! Ununterbrochen. Immer dasselbe Instrument: wie langweilig.
Aber wird's da nicht gerade interessant, sich in das Immergleiche zu vertiefen und zu sehen, was sich dabei ändert?
Nee, so sind wir nicht gepolt. Wir wollen alles durcheinanderschmeißen und keine typische Rockband sein.

Wir verlosen drei Mal das aktuelle Album auf CD. Einfach eine Mail an verlosung@intro.de schicken und vielleicht gehört eins davon bald Dir.



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aus Intro #152 (August 2007)
 
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