
Unterwegs mit
Common
23.07.2007, 19:00, Text:
Martin Riemann, Foto: Lena Böhm
[2 Kommentare]
\"Ich dachte, ich könnte mal ein Stündchen schlafen.\" Common ist ein höflicher Mensch. Trotzdem kann er kaum die Enttäuschung verbergen, als ihm von der Promoterin offenbart wird, dass ich ihn für das Interview auf der langen Fahrt ins Studio begleiten soll. Mir wurde zwar versichert, er wäre darüber informiert, aber hey, war gelogen. Fünf Minuten später sitze ich mit Common und seiner dreiköpfigen Entourage in einem Kleinbus. Alle sind todmüde - außer mir.
Mir wurde gerade Commons neues Album in düsenantriebartiger Lautstärke vorgespielt und mein Kopf zu heftigem Nicken gezwungen. War die Kollaboration zwischen KanYe West und Common auf \"Be\" noch von verspielter Leichtfüßigkeit geprägt, zeichnet sie sich diesmal durch eine tonnenschwere Massivität aus, die einen Rapper von geringerem Format mit Leichtigkeit zerquetschen könnte. Ich höre unwiderstehlichen Boom-Bap-HipHop, eine donnernd loskickende Rocknummer, die typischen hochgepitchten Samples usw. Kein Schmusescheiß, kein auf modern getrimmtes Effektgekasper, nur das gute Zeug.
Dementsprechend aufgeputscht und verblüfft sitze ich jetzt Common gegenüber, um ihn in den Schlaf zu interviewen. Ich möchte etwas zu seinem Anspruch wissen, den er an dieses Album stellt. Mit wunderbarem Aplomb hatte er nämlich verkündet, damit etwas Unsterbliches schaffen zu wollen: \"›Finding Forever‹ bedeutet, etwas zu erschaffen, das zeitlos ist und die Generationen überdauern kann. Es geht um den Geist, den man hinterlässt, was auch immer man macht. Irgendetwas von unserem Geist bleibt übrig. Für mich stellt sich die Frage: ›Was kannst du zu dieser Welt beisteuern?‹ Ich mache das, von dem ich glaube, dass es rein und gut ist.\"
Ja, das ist die Art, wie sich Common gerne ausdrückt. Aber soll man ausgerechnet einem Rapper den Hang zum Predigen vorwerfen? Lieber begibt man sich doch in die Rolle des gelehrigen Schülers:
Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit dem Egomanen KanYe West vorstellen?
Meistens fängt es so an, dass mir KanYe Musik vorspielt und mich auf mögliche Samples hinweist. Er hört sich ja haufenweise Platten an. Wenn wir dann ein Sample gefunden haben, beginnt er damit zu arbeiten, und ich weise ihn in die Richtung, die mir dabei gefällt. Dann überlege ich mir, was ich dazu rappen könnte, und beginne, die Raps zu schreiben.
Stimmt es, dass KanYe bei seiner Produktion auch einige Reminiszenzen an den kürzlich verstorbenen J Dilla einfließen ließ?
Ja, definitiv. Er hat mir gesagt, dass er einige Techniken so angewandt hat, wie es Jay Dee gemacht hätte. Der Song \"Break My Heart\" hat beispielsweise das typische Jay-Dee-Feeling. Die Art und Weise, wie er ein Sample zerhackt hat, findet sich hier wieder.
Ein weiteres herzhaftes Gähnen gebietet meinen Fragen Einhalt. Wir sind ja hier nicht auf Guantanamo Bay. Schlaf schön, Common. Du hast es verdient.
Heuer sind wir mit der Verlosung besonders großzügig: Von Common gibt es 3 Promo Vinyl-Singles und 3 x das aktuelle Album 'Finding Forever' zu gewinnen. Schickt eine E-Mail mit Eurem Gewinnwunsch an verlosung@intro.de. Viel Glück!
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