UNKLE

Krieg der Sterne

24.07.2007, 10:00, Text: georg boskamp, Foto: Constantin Falk
[2 Kommentare]

Wenn man mit James Lavelle kommuniziert, sollte man sich darauf einstellen, dass er grundsätzlich keine Zeit für lange Erklärungen hat. Dafür ist der Mann einfach viel zu beschäftigt. Neben dem Überwachen weltumspannender Label-Masterpläne sammelt und entwirft er Action-Toys und produziert ohne Ende Musik, aktuell Unkles \\\"War Stories\\\". Intro ging in den Nahkampf.


Die Liste an Beschäftigungen lässt sich (nicht nur dieser Tage) endlos fortsetzen: Mit 3D gilt es, Artworkfragen zu diskutieren, mit Futura 2000, die nächste Kollektion der hauseigenen Modelinie zu entwerfen. Und das daily Business läuft trotz Unkle-Großalarm sowieso in der normalen Taktung weiter: auflegen, Remixe machen, Großevents schaukeln, Werbekampagnen entwickeln, Vorträge halten, B-Boy-Kultur pflegen, George-Lucas-Jünger und \\\"Star Wars\\\"-Fachmann sein (und selbiges sehr ernst nehmen) - und nicht zuletzt engste Kontakte zu Homies wie Liam G., Damon A., Thom Y., Gilles P. und Richard A. pflegen. Man kennt sich halt ...

Als ich Lavelle vor mehr als zehn Jahren für ein TV-Interview in einem Kölner Hotel zum ersten Mal traf, war sofort klar, wie der Mann drauf ist, noch bevor wir ein Wort miteinander gewechselt hatten. Obwohl er erst knapp eine halbe Stunde vor unserer Ankunft sein Zimmer bezogen hatte, sah es aus wie in einer gut verdrahteten Nachrichtenzentrale. Überall Telefone, Faxgeräte und Computerbildschirme, drei Spielekonsolen, mindestens zehn Haufen Vinyl- und CD-Promos, zwei Kameras, diverse blinkende oder piepsende Gadgets sowie ein Musterkoffer mit stylishem Merch und diversen Actionfiguren der damals ofenfrischen Mo' Wax Toys (deren erste Katalognummer übrigens das Abbild von Money Mark war, inklusive Schlips, Seitenscheitel, Koffer-Amp und Handmikro). Dauernd klingelte es auf allen Leitungen, aber Mr Lavelle blieb cool zu jedem Zeitpunkt. Dass ihm in Folge sowohl das siechende Musikbusiness an sich als auch die kreative Partnerschaft mit DJ Shadow irgendwie über den Kopf wuchs, ist bereits Legende - für ihn jedoch eher nebensächlich.

Lavelle hat mit Mo' Wax als Impulsgeber-Label Musikgeschichte geschrieben, ganze Genres aus der Taufe gehoben, Dons wie Shadow, Krush, Carl Craig oder Nightmares gepusht, Instrumental-HipHop und Headz-Sound auf die Landkarte gebracht sowie das Ideal eines elektronisch geprägten Indie-Labels von der Pike auf bis hin zum großen Crash in all seinen krassen Details durchexerziert. Stilprägende Label-Sampler wie \\\"Royalties Overdue\\\" oder eben die \\\"Headz\\\"-Reihe strahlen weit bis ins Jetzt.

Nun schickt der Mann sich an, eine weitere dieser unfassbar monströsen Unkle-Komplexitäten auf die Welt loszulassen. Erscheinen wird sie auf seinem nigelnagelneuen Imprint Surrender All. Ganz klar: Hier macht jemand einfach nur das, wozu er Lust hat. Und er macht es so, weil er es kann. Was andere darüber denken, nimmt James Lavelle nicht mehr wirklich ernst - und es ist ihm obendrein egal, denn im Kopf tüftelt er längst am nächsten Großprojekt. Da spielt die zeitgenössische Umwelt nun mal meistens bloß eine Statistenrolle.

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aus Intro #152 (August 2007)
 
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  • User: Man Called Sun
  • Man Called Sun 24.07.2007 | 11:12:42

    Die Live-Umsetzung hat mich dann enttäuscht - war einfach das falsche Etikett drauf, zumindest wenn man sich noch in "Psyence Fiction"-Dimensionen wähnte... zu laut, zuwenig Visuelles und zuwenig Mut zur Stille...

    Als "Rockband" aber okay, ist dann ja auch passend zum neuen Album... dennoch tat mir mein Herz weh beim Melt :(

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