
Kristofer Aström
I'm a happy camper!
18.06.2007, 06:00, Text:
Martin Riemann, Foto: Thomas Victor
Was sollte man auf jeden Fall über Kristofer Aström wissen?
Man sollte wissen, dass ich ein Singer/Songwriter aus Schweden bin, der Musik mit einem Punkrock-Country-Touch macht.
Lässt sich so auch \\\"Northern Blues\\\" beschreiben?
Keine Ahnung. Für mich war es nur ein Albumtitel, und plötzlich wurde in Deutschland ein ganzes Genre so benannt. In Schweden heißt diese Musik aber immer noch einfach Singer/Songwriter.
Würdest du zustimmen, dass \\\"Rainaway Town\\\" eher eine Pop- als eine Country-Platte ist?
Ja, ich habe mich bewusst in Richtung Pop bewegt, weil ich so direkt wie möglich sein wollte. Es war für mich wichtig, dass man einen sofortigen Zugang zu den Liedern findet. Ich orientiere mich allerdings an Countrymusik, so weit es mir möglich ist.
Du hast beschlossen, mit einer anderen Band zu arbeiten als mit Hidden Truck. Wie groß war der Einfluss der neuen Musiker?
Sehr groß. Wir haben die Songs zusammen arrangiert, und durch die Mitarbeit der Rainaways sind die Songs viel besser geworden, als ich erwartet hatte. Im Unterschied zu Hidden Truck, die eher einen Punkhintergrund haben, kommen sie vom Country und Blues. Sie verkörpern damit einen völlig anderen Stil als meine vorigen Bands.
Du wirst in der Presse oft als einsamer Wolf beschrieben, dessen Musik man besser an Regentagen hören sollte. Bist du so ein verschrobener unglücklicher Typ, der mit seiner Umwelt nicht klarkommt und viel weint?
Nein gar nicht, ich bin ein happy Camper! Aber mich interessieren eben die traurigen, melancholischen Seiten mehr als die glücklichen. Es sind große Gefühle, die einen sofort berühren und einen viel länger begleiten als die Glücksmomente. Ich bin auch nicht der einsame Typ, den viele in mir sehen. Es macht mir zwar nichts aus, allein zu sein, aber ich gehe oft unter Leute und habe viele Freunde.
Auf \\\"Rainaway Train\\\" ist die Steelguitar sehr dominant.
Wenn man sie korrekt bedient und sie nicht zu einem Klischee verkommen lässt, kann dieses Instrument eine sehr starke Atmosphäre erzeugen. Es ist ein außerordentlich schwer zu spielendes Instrument, und ich kann diejenigen, die es beherrschen, nur bewundern.
Was kannst du sonst zu deinen Country-Einflüssen sagen?
Ich höre sehr viel Countrymusik, aber ich wollte nicht, dass mein Album klingt, als wäre es in den USA aufgenommen worden. Und ich finde, man hört auch, dass es ein schwedisches Album ist.
Woran erkennt man denn ein Album aus Schweden? Die Musik von dort orientiert sich ja oft an amerikanischer oder englischer Musik.
Vielleicht sind es einfach die Themen der Songs. Ich komme aus Nordschweden, und die Bands, die von dort kommen, haben alle einen ganz bestimmten Sound. Ich erkenne ihn sofort, wenn ich ihn höre. Es ist aber schwer, den mit Worten zu beschreiben, man fühlt es einfach.
Schlimmste Interviews
In den USA sollte ich mal ein Fernsehinterview mit einem Cartoon-Charakter machen. Ich sollte mir vorstellen, mit dieser Figur zu reden, die man dann nachher zum Bild hinzufügen wollte. Aber diese Figur hat mich so genervt, dass ich einfach gegangen bin. Wahrscheinlich keine gute Reaktion, wenn man sich in den Staaten beliebt machen will.
Außerdem fällt mir noch ein, wie absurd es ist, dass mich schwedische Journalisten immer noch fragen, ob ich gerade mein erstes Album aufgenommen habe. Dabei bin ich schon bei meinem sechsten. Wenn mich jemand auf mein \\\"Debüt\\\" anspricht, sage ich der jeweiligen Person mittlerweile gleich, dass sie sich verpissen soll, oder erkläre ihr in aller Ruhe, wie schlecht vorbereitet sie ist. Hängt von meiner Stimmung ab. So was passiert mir in Deutschland jedenfalls nie.
Bester Interviewmoment
Ich habe diesbezüglich sehr viele angenehme Erinnerungen an Deutschland. Vor allem in der Zeit, als ich noch mit Fireside unterwegs war. War immer alles sehr entspannt dort.
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