
Ghosts
Rechtzeitig gefeuert
18.06.2007, 06:00, Text:
Jürgen Dobelmann, Foto: Sandra Steh
Wer sich im durch Gallagher-Eskapaden verrohten Heimatland der Popmusik die Verbreitung derart warmen und konsensbegabten Freundlich-Pops zur Lebensaufgabe gemacht hat wie jene vier liebenswürdigen Londoner, verwendet seine kostbare Tagesfreizeit vermutlich nicht darauf, die einzige Tabloid-taugliche Anekdote aus dem eigenen Wikipedia-Profil zu schubsen. Haben Simon Pettigrew und seine Jungs tatsächlich ein Hotelzimmer im beschaulichen York zerlegt? Die diesbezügliche Recherche zerschellt kläglich an einer unbarmherzigen Wand des Lächelns. Doch Obacht, Jungs: Wir haben noch andere heiße Fragen parat.
Als britische Newcomerband, die ihr Debütalbum veröffentlicht, sollte man eigentlich daran interessiert sein, problemlos im Internet zu finden zu sein. Der Name Ghosts ist dafür eher ungeeignet.
Simon Pettigrew: Ich wollte einen klassischen Bandnamen und trotzdem einen, den noch keiner benutzt hat. Ich hab da wohl irgendwie nicht an die Vor- und Nachteile von Google gedacht.
Eure Songs sind wirklich Blaupausen für Radiotauglichkeit. Wie erreicht man als junge Band so ein Level an musikalischer Gefälligkeit?
Jonny Harris: Wir machen das ja eigentlich schon seit zehn Jahren.
S: Ich weiß nicht. Ich höre selbst nicht einmal Radio. Als Teenager habe ich die \"Evening Sessions\" mit Steve Lamaqc, Jo Wiley und Marc Radcliff gehört und natürlich John Peel. Das gibt es aber alles nicht mehr. Heute besitze ich auch tatsächlich gar kein Radio mehr. Aber es war nicht wirklich unser Plan, funktaugliche Songs zu schreiben. Unsere Songs entstehen nicht, indem wir uns hinsetzen und auf der Akustikgitarre rumklimpern, denn dabei kommen zwangsläufig sehr langsame Stücke raus. Wir beginnen immer mit dem Beat. Unsere Radiotauglichkeit ergibt sich bei uns aus der Kombination von Beats mit guten Melodien. Wir haben wohl ein Talent für gute Melodien. Bei \"Stay The Night\" nahmen wir z. B. den Beat von Elton Johns \"I'm Still Standing\", weil wir uns dachten: \"Es gab schon lange keinen Song mehr zu dieser Art Drumbeat, das wird mal wieder höchste Zeit.\"
Wer hat euer Album produziert?
S: Wir wurden von Atlantic aufgrund eines 7-Track-Demos gesignt, das Jonny produziert hatte. Sie hatten uns nicht einmal live spielen sehen! Sie wollten erst die Demo-Aufnahmen veröffentlichen, wie sie waren - du kannst sie dir bei MySpace anhören. Wir bestanden aber darauf, dass wir die Sachen noch mal in einem richtigen Studio aufnehmen. Wir haben uns den Produzenten Danton Supple geholt, der Coldplays \"X&Y\" gemacht und auch schon mit U2, New Order und Morrissey gearbeitet hat.
Ihr habt eure Songs in Schweden geschrieben. Das war noch vor dem Plattenvertrag. Wie konntet ihr euch das leisten, zwei Monate dort zu verbringen?
J: Wir hatten im März letzten Jahres einen Verlagsvertrag unterzeichnet, dadurch hatten wir das Geld dazu.
Und warum gerade Schweden?
J: Ich bin Halbschwede. Wir hatten ein kleines Bauernhaus dort.
S: Wir haben einen Übungsraum bzw. Studio in London, aber durch den Verlagsdeal konnten wir unsere Jobs für vier Monate aufgeben. In Schweden konnten wir auch leichter der Versuchung der Pubs und Clubs aus dem Weg gehen.
Gibt's in Schweden keine Kneipen?
S: Natürlich. Und deswegen haben wir uns auf diesen wirklich abgelegenen Bauernhof zurückgezogen. Die nächstgelegene Bar war zehn Kilometer entfernt.
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„Berlin Boom Orchestra - der Sound der erfolgreichen deutschen Ska- und Reggae-Band bringt euch garantiert zum Tanzen. Nach drei Jahren spielt die Band inzwischen in ganz Deutschland und avancierte zu einer der beliebtesten deutschsprachigen Skabands.“ [Riding Higher Festival, 2010]




