
Kochen mit
Bright Eyes
20.06.2007, 09:00, Text:
linus volkmann, Foto: Rainer Holz
Hier geht's zur Bildergalerie.
Conor Oberst gilt einerseits als ernst zu nehmendes Alternative-Genie, andererseits fungiert er für viele aber auch als sexy-trauriges Indie-Pin-up. Ein ziemliches Spannungsfeld für einen jungen Mann aus dem Bible-Belt-Hinterland der USA. In den Charts liest man die Namen seiner Bands (allen voran natürlich Bright Eyes), in so vielen Storys liest man die Erfolgsgeschichte seines Labels (Saddle Creek), liest man von einer bedenklichen Rotwein-Affinität, und auf seinen Platten hört man Country-rumpelnde Sounds, die neben elektronischem Klingklang auftauchen. Man ahnt künstlertypische Attribute wie Zerrissenheit, Wahn, Geist, Hass - aber so richtig nahe kommt man ihm außerhalb seiner Platten nicht. Da kann er zehnmal auf die Interviewcouch geladen werden, das blasse Pokerface aus Omaha. Um die nächste Ebene des öffentlichen Interesses auf diesen armen Mann abwälzen zu können, muss er wohl oder übel gleich in die Küche. Kochen mit Conor Oberst. Wenn's das nicht bringt, dann bleibt nur noch das Dschungel-Camp.
Prost, Mahlzeit, es konnte losgehen. Der Herr Oberst hatte am Stichtag zwischen seinen Dates in Berlin und Köln nicht mal einen Off-Day, musste aber dennoch ran: Na ja, Kochen ist eh gut für die Psyche, und dass die auf Touren stets leidet wie ein Hund, ist kein Geheimnis unter Musikern, sondern eine dudentaugliche Weisheit. Aber wo war denn der Mann, mit dem ich diese Rubrik hier immer betreibe? Dieser Koloss der Liebe aus dem schönen Baden-Württemberg? Wo war Thomas Venker? Alter, wo warst du?
Mensch, ich war doch in Austin beim South by Southwest Festival, an der Seite von Malajube, dieser tollen frankokanadischen Band. Ach, und dann hat da ja die Simian-Mobile-Disco-Geschichte ihren Anfang gefunden, die im letzten Heft so ausufernd abgeliefert wurde. Kurzum: Ich habe hart für dein Geld gearbeitet. Aber das ist jetzt vorbei. Erzähl du lieber mal, wie es mit \\"ihm\\" war.
Also, es war ja auch bei uns schon zu lesen [#148], dass Conor mit dem Produzenten seines Albums, Mike Mogis, der u. a. auch einer seiner Live-Musiker ist, eine verlässliche Freundschaft unterhält. Mike wiederum gilt als eins a Koch und legt sich oft ins Zeug, wenn Conor ihn in der alten Heimat Hinterland besucht [Conor hat ja mittlerweile ein Apartment in NY]. Dann spielt man sich neue obskure Musik vor, will spät ins Bett und Mike bereitet Essen. Und zwar veganes. So viel Spirit muss man doch erst mal finden, selbst im emanzipierten gutbürgerlichen Indie-Zirkus. Mike macht den ganzen Logistik-Kram am Herd und an den Kräutern, und Conor schält eine Banane oder betrachtet nachdenklich die Asche, die auf der Feuerstelle zurückgeblieben ist. So sollte es auch bei uns werden.
Und?
Was und? Wurde natürlich auch so, während du in Texas dich mit den frankokanadischen Rodeo-Clowns gedatet hast. Obwohl, ganz so einfach lief's vielleicht doch nicht von der Hand. Aber ...
Aber?
Aber ich will erst mal erzählen, wie die beiden und vor allem Conor aussahen. Also Mike erinnert an Eric von Kettcar, wenn du den vor Augen hast. So ein offener Typ mit kurzem Haar und einer einen Tick zu nerdigen Brille, der nur geben will. Conor dagegen sieht mittlerweile bisschen fies aus.
Auf dem Intro-Cover zum Doppelalbum im Dezember 2004 [#123] schaut er doch so boyish und zart aus.
Also, von diesem Style hat er sich komplett verabschiedet. Vielleicht ist das auch nur eine Pose, die er einen sehen lässt, aber man muss in seinem unrasierten Zottel-Look natürlich erkennen, dass sich die Strapazen von dringlicher Kunst und toughem Reiseprogramm in ihn eingeschrieben haben. Pointiert gesagt kam er einst als rosiges Kind und kocht heute hier als gegerbter Rockstar.
1 | 2 | ... weiterlesen »
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Wes Anderson / Moonrise Kingdom...
- 02 Light Asylum - im South by Southwe...
- 03 The Hives - Größenwahn als Inszenierung
- 04 Woodkid / Yoann Lemoine - Vom Kind...
- 05 Best Coast - Coverstory
- 06 Damon Albarn - Ich habe immer das ...
- 07 Friends - Live is life
- 08 Im Koffer der... - Scissor Sisters
- 09 Auf Reisen mit... - Ladyhawke
- 10 Hot Chip - Auf dem Laufsteg
- ... mehr
INTRO-TV
- » ESC 2011: Unsere Favoriten...
- » SXSW / South By Southwest 2011...
- » In Bed With Kreator - Videobl...
- » So wars bei der Gamescom - In...



