
Interpol
Come to the dark side, too
18.06.2007, 06:00, Text:
Christian Steinbrink, Foto: Majid Moussavi
Zunächst mal: Ich mag die neuen Songs sehr. Aber ich sehe wieder keine erwähnenswerten Entwicklungen. Siehst du das genauso?
Paul Banks: Was für Entwicklungen könnte es denn geben?
Na ja, so was wie neue ungewohnte Klänge, andere Strukturen, Einflüsse aus anderen Genres ....
Ja, so was findet sich bei uns in der Tat nicht. Es ist auch kein erklärtes Ziel von uns. Bei Interpol geht es in erster Linie um den Song. Es geht darum, den bestmöglichen Song zu schreiben, die Essenz des Songs immer weiter zu verfeinern. So weit, bis wir das Gefühl haben, unsere bisher besten Songs geschaffen zu haben.
Wie kann man sich das Gefühl denn vorstellen, das man haben muss, um zu wissen, dass es die bestmöglichen Songs sind?
Es geht gar nicht darum, ob es womöglich unsere besten Songs sind. Es geht darum, dass wir die Einflüsse der vier beteiligten Musiker so austarieren, dass jeder von uns glücklich mit dem Song ist. Und das ist bei vier so starken Künstlerpersönlichkeiten wirklich nicht einfach.
Wie viel Konzept steckt denn in Interpol? Wie schwierig war es für euch, euren Sound zu entwickeln? Oder würdest du sagen, dass euer Sound eher natürlich zu euch kam?
Es steckt tatsächlich kaum Konzept in Interpol. Unser Sound hat sich entwickelt, nachdem wir zusammenkamen. Jeder hat seine Vorstellungen eingebracht, und in den ersten Monaten haben wir darum gekämpft, wer welche der ihm wichtigen Aspekte im Gesamtklang unterbringen kann. Danach stand unser Stil eigentlich fest.
Wie lang dauerte denn diese Annäherungsphase?
So ca. acht Monate.
Würdest du sagen, dass Interpol eigentlich eine Band von Freunden ist?
Mittlerweile wohl ja. Am Anfang aber nicht. Wir waren halt eine Band, das war schon innig genug. Carlos z. B. mochte ich am Anfang überhaupt nicht. Ich hielt ihn früher für einen Arsch. Jetzt halte ich ihn immer noch für einen Arsch, aber er ist auch mein Bruder. Ja, eine Band von Brüdern, das trifft es wohl besser.
Es gibt Leute, die eure Musik als sakral und vielleicht sogar suizidal bezeichnen. Kannst du das nachvollziehen? Und habt ihr im Proberaum eine Stimmung, die das unterstützt?
Ich würde nicht sagen, dass unsere Musik so klingt. Sicher, man könnte sie als ernst oder schwer bezeichnen. Aber ich glaube nicht, dass die Begriffe, die du nanntest, die Stimmung unserer Musik oder unserer Arbeitsprozesse wiedergeben.
Die Zuschreibungen kamen auch nicht von mir, ich habe sie nur zitiert. Für mich persönlich war es von Anfang an bemerkenswert, wie souverän und unangreifbar eure Musik wirkt. So, als ob nie ein Entwicklungsprozess stattgefunden hätte. Kurz gesagt: Ich habe keinen der sonst üblichen Anfängerfehler gesehen. Kannst du damit was anfangen?
Oh, das freut mich. Danke. Ich glaube, das hängt mit dem eben erwähnten Findungsprozess vor den ersten Aufnahmen zusammen. Mit der intensiven Vorarbeit, und mit den konkreten Vorstellungen, mit denen jeder von uns in das Projekt \"Interpol\" gestartet ist. Ich selbst hatte eigentlich nie den Wunsch, in einer Band zu sein. Es waren ganz konkret die ersten Ideen und Skizzen von Daniel und Carlos, die mich überzeugten, teilzunehmen. Denn sie waren einfach stark. Und als Sam noch dazukam, wirkte dieses Arrangement nahezu perfekt. Er ist ein großartiger Schlagzeuger, und du kannst mir glauben, ich bin sehr spitzfindig, was das Schlagzeug angeht. Bei vielen der neuen Songs spielt er allein die Hi-Hat so, als wäre sie ein zusätzliches Instrument. Sehr kunstfertig, sehr bewusst. Ich liebe das, obwohl ich sehr kritisch bin. Für mich gibt es nur wenige Schlagzeuger, die ähnlich gut sind.
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