
Editors
Come to the dark side
18.06.2007, 06:00, Text:
linus volkmann, Foto: Elke Meitzel
Das Begrüßungsbild ist gleich so unsagbar schön: \"Smokers Outside The Hospital Doors\". Diese armen Schweine, die alles zarte Genesen schon im Werden wieder mutwillig einreißen. Diese Helden, die schon allein an der Idee einer Volksgesundheit nagen und die die übertragene Verantwortung für den gesundheitlichen Eigenerhalt zurückweisen. Allein in diesem Bild und Titel des Openers des neuen, zweiten Albums der Editors, \"An End Has A Start\", ist so viel drin, dass ich ihnen gerade damit gleich mal schön auf den Wecker fallen möchte. Und was da noch alles ist! Das Morrissey'hafte in den Arrangements, die grenzenlose Traurigkeit, die sich immer mal wieder aufhellt. Kurzum: Editors, you give depression a good name. War schon das Debüt \"The Back Room\" ein Glanzlicht darkwavigen Postpunks, so ist der Nachfolger die Supernova. Echt. Kleinteilig, besessen, pointiert, heilig, dramatisch - und das alles im Rahmen von Voll-Pop. Sänger Tom Smith und Gitarrist Chris Urbanowicz sollen hier jetzt davon künden dürfen. Und im Anschluss bzw. parallel finden sich auch Interpol im Gespräch mit Christian Steinbrink. Jene führen ein ähnlich dunkel scharfes Schwert und veröffentlichen dieser Tage bereits ihr drittes Album. Handys aus, Diktiergeräte an.
Hier bekommt ihr erst mal das Intro [#130] von vor knapp zwei Jahren. Das zeigt euch auf einem Baugerüst stehend, ihr fürchtet euch wohl vor gar nichts.
T: Ach, daran kann ich mich noch erinnern. Mir wird jetzt noch schwindelig, wenn ich das sehe.
C: Wir waren vielleicht zwei Meter über dem Boden. Da muss dir doch noch nicht schlecht werden.
Das Einzige, was ihr in dem Artikel lesen könnt, ist, dass sich schon in der Überschrift gleich wieder das Schlüsselwort Interpol findet. Also die Band, die so oft mit euch verbunden wird, steht. Ist das nicht irgendwie schon unhöflich euch gegenüber?
C: Ach, wir können und müssen damit umgehen.
T: Ist doch besser, als fiele ständig der Name ZZ Top oder Oasis.
Ich habe euch übrigens, um diesen zwanghaften Konnex aufzubrechen, die CD einer deutschen Band mitgebracht, an die ihr mich oft viel mehr erinnert. It's called EA80, und die Platte hier ist aus den 80ern. Ist zumindest ideologisch so eine Mischung aus Fugazi und frühen Chumbawamba, und wenn sie losprügeln, klingt es absolut nicht nach euch, aber wenn der Sänger zu kaum Gitarre singt: \"Mein Haus ist schwarz, und es steht allein, es hat keine Fenster, und es kommt niemand rein\", finde ich da schon einen Link zu euch.
T: [erfreut] Oh, danke.
Aber keine Sorge, nachher geht's trotzdem noch mal um Interpol.
C: [resigniert] Oh, danke.
Wie kamt ihr denn auf dieses Bild mit den Rauchern vor der Krankenhaustür? Das ist so derart aufgeladen und bildlich.
T: Das habe ich schon im Kopf, seit ich ein kleiner Junge bin. Du verstehst auch als Kind schon, dass da ein schrecklicher Ort ist, an dem man auf Krankheit und Tod trifft. Dieser poetische Aspekt in dieser Davor-Raucher-Tragik hat sich mir natürlich erst später erschlossen.
Ich finde ja auch, dass es einen sehr cineastischen Blick zulässt. Diese Szene ist so pointiert, dass man sie sich auch gut auf Film vorstellen kann. Und vermutlich gab es sie auch schon in vielen Krankenhausserien.
T: Ja, ganz bestimmt. Obwohl mittlerweile die meisten Länder davon abgegangen sind, exzessives Rauchen im Fernsehen zu zeigen.
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