
Queens Of The Stone Age
Nicht vor sieben im Bett
21.05.2007, 06:00, Text:
Felix Klopotek
Die Queens Of The Stone Age sind heavy. Das ist bekannt und – wie sagt man? – gut belegt: “Songs For The Deaf” (2002) ist ein letzter Meilenstein des schweren Rock. Seitdem aber lässt Mastermind Josh Homme nicht mehr locker und legt jetzt mit “Era Vulgaris” ein Album vor, das die Arbeit der Band präzis-brutal zusammenfasst.
Ein ziemlich psychedelisches Erlebnis. Da liegt man krank im Bett, es dämmert draußen, und es dämmert im Kopf, im Garten gegenüber feiern die Nachbarn eine Party. Das Musikprogramm ist eindeutig: Rock, klassische Bauart. Deep Purples “Child In Time” jammert, Jimi Hendrix schaut noch mal im “Red House” vorbei, und “Whole Lotta Love” jault und sägt so aufreizend wie eh und je. Verzerrte Gitarren klangen vor Punk warmherzig, und das Schlagzeug-Gebollere des frühen und frühesten Heavy Rock war nicht aggressiv, sondern majestätisch. Der Sound verkocht im Grippeschädel zu einem einzigen Brei, bis nur noch warmer Matsch übrig bleibt.
Unter dem Gesichtspunkt der Party hat Rock in den letzten zwanzig Jahren – nach den intensiven Erfahrungen mit Techno, HipHop und House – an Boden verloren. Dabei liegt ein kompletter Party-Entwurf aus rockistischer Sicht durchaus vor! Exemplarisch wurde er von Neil Young formuliert, als er vor zehn Jahren mit Pearl Jam das Album “Mirror Ball” einspielte, eine Hommage an den Früh-70er-Heavy-Rock. Der zentrale Song “Downtown” erzählt im Boogie-Modus von einer Rockerparty, die, na klar: Downtown stattfindet und auf der Jimi Hendrix und Led Zeppelin entspannt abhängen und jammen. Die Discokugel, “Mirrorball”, dreht sich, die Hippies tanzen Charleston. Ungezwungen sein, sich selbst auf die Schippe nehmen, den fließenden Übergang zwischen Tanzen und Abhängen inszenieren, freundlich stimmende Drogen nehmen. Eine altbackene Utopie des Hedonismus, vielleicht, aber weit von allen negativen Zuschreibungen entfernt, die man dem Rock andichtet.
Josh Homme grinst breit: “Yeah, Party! Ich bin heute nicht vor sieben ins Bett gekommen. Aber du denkst doch hoffentlich nicht, ich erzähle dir, was vor sieben alles passiert ist!” Homme, erst 33 Jahre alt und schon mehr als 15 Jahre im Geschäft, ist ein Star, kein Zweifel. Er kriegt für seine Album-Produktionen alle Megapromis als Gäste, hat der Plattenfirma das neue Album “Era Vulgaris” erst vorgelegt, als es fertig war, kann sich das auch erlauben, denn Queens Of The Stone Age haben vom letzten Album “Lullabies To Paralyze” 330.000 Stück allein in den USA verkauft. Homme lümmelt im abgerissenen Look auf dem Sofa rum (Baumelt am Handgelenk nicht eine Rolex?); Fragen nach allem, was privat ist, schüttelt er ab.
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