Ash

Wodka-Pudding

21.05.2007, 06:00, Text: Dana Böhnisch, Foto: JustinWinz

1996: Tim Wheeler verlas sein Abitur-Zeugnis live auf Radio 1, und ich lieh mir “1977”, das erste offizielle Ash-Album, mit kopiertem Cover in der Frechener Stadtbücherei. Früher Ruhm, andere Zeiten. Die Teenage-Hymnen “Girl From Mars” und “Oh Yeah” hatten unschuldige Sommer konserviert; zwei Jahre später wurde das Video zu “Numbskull” von MTV verbannt, weil Engelsgesicht Wheeler darin sekundenweise beim Hotelduschen-Sex zu sehen ist: Man zeigte sich bereits ruhmzerfressen. Wieder zwei Jahre später hielten Ash mit “Free All Angels” dann erneut die Liebe hoch, dazu gab es aufwendige Videos, brennende Gitarren, Oden an die Leichtigkeit des Barfußlaufens.



2007 wirkt die für mich einzige überlebende Indie-Band der Neunziger erholsam altmodisch: Den roten Faden bilden Gitarrenwände wie ehedem, die obskure Metaphorik Wheeler’scher Balladen und eine spezifische Melancholie, die auch den großen Mitgröl-Stücken schon immer eigen war. “Manchmal ist es nur ein Akkordwechsel, der sich mit einer eigentlich banalen Zeile verbindet”, sagt Tim, “aber in der Kombination entsteht ein Moment, eine Geschichte. Ich mag den Kontrast zwischen Popsongs und dunkleren Lyrics, diese Doppelebene, die dazukommt, wenn man richtig hinhört.”
Der Titel des neuen Albums ist dann auch, und das spiegelt wiederum die textlichen Koordinaten, irgendwo zwischen Splatterfilm und Marcel Proust angelegt: “Twilight Of The Innocents”. Tim Wheeler, König der Hookline, hat sich hier erstmals an den Techniken digitaler Zerstückelung versucht, was besonders Ricks Schlagzeug gut steht. Begeistert singt er mir den Mantra-Refrain des Titeltracks vor: “I’m still breathing, my heart’s still beating.” In seiner epischen Breite ist “Twilight ...” Lichtjahre von den Smashern der frühen Jahre entfernt, aber irgendwie löst es trotzdem dasselbe Gefühl aus; der einzige Posterboy meines Lebens hat immer noch das Mücke/Bernstein-Ding drauf. “Songs sind Zeitkapseln”, sagt er. “Es gibt nichts, das Erinnerungen so bewahrt, wie Musik das kann.”

Top 3 Partysongs
Michael Jackson “Don’t Stop Till You Get Enough” (“Gets any party going.”)
Nirvana “Smells Like Teen Spirit” (“You can drop that in the middle of any popsong and the crowd goes crazy the moment the drums come in.”)
AC/DC “Highway To Hell” (“If you want to get really wasted.”)

Worst Party
Ich hasse grundsätzlich meine eigenen Geburtstage. Jeder will mit dir reden, ähnlich wie nach einer Show, und irgendwie ist es am Ende immer scheiße. Außerdem habe ich kurz nach Weihnachten Geburtstag, die schlechteste Zeit, die man sich vorstellen kann; alle sind schlecht drauf.

Last Birthday Party
Mein letzter Geburtstag war allerdings eine Ausnahme und hat alles wieder gut gemacht: Wir hatten eine Party in unserem Studio in New York. Es gab Unmengen an Wodka-Wackelpudding-Shots und so crazy Discolichter. Aus irgendeinem Grund habe ich ab einer gewissen Uhrzeit alle meine Freunde mit Getränken überschüttet. Gegen Morgen waren nur noch vier Leute übrig, und wir lagen auf der Tanzfläche rum und haben sehr emotionale Gespräche geführt.




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aus Intro #150 (Juni 2007)
 
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