
Lesbians On Ecstasy
Go hard or go home
02.06.2007, 16:00, Text:
Sonja Eismann
Vorbei die Zeiten, in denen lesbische Gegenkultur nur als karobehemdete Songwriterinnen-Seligkeit imaginiert werden konnte. Diese Lezzies überrollen den Dancefloor. Nicht, dass das folkige Empowerment, das in den 70ern begann, unwichtig gewesen wäre und ist, aber wie das so ist mit diesen bequemen Limitierungen: Sie greifen nicht.
Die vier Lesbians On Ecstasy aus Montréal haben ihren Namen tatsächlich als Referenz auf die Chicks On Speed ausgewählt: “Was sie machen, ist einfach toll. Elektronische Beats mit Lo-Fi-Samples, Gitarren und Punkrock-Vocals vermählen. Das hat uns sehr inspiriert. Eines Tages haben wir über sie gesprochen und miteinander rumgewitzelt, dass wir dann wohl eher die ›Lesbians On Ecstasy‹ wären.”
Schon vor der Veröffentlichung der ersten Platte im Herbst 2004 waren LOE, die von der neuen nordamerikanischen Queerszene und ihren “Sisters in Struggle” Scream Club, Tracy And The Plastics, Katastrophe und Kids On TV schwärmen, als Vorband von Le Tigre mit ihrem fulminanten Techno-Performance-Gewitter auf Tour. Ihre Mission: lesbische Klassiker im zeitgenössischen Beatgewand durch den Club jagen. Während ihr selbst betiteltes erstes Album streckenweise fast an hysterischen, ironischen Gabba- und Dark-Techno erinnerte, heben sie auf “We Know You Know” ihre Lez-Politics auf das nächste Plateau. Die Platte versteht sich als Hommage an Olivia Records, das erste feministisch-lesbische Musiklabel, das 1973 in DC gegründet wurde. Daher gibt’s neben dem bekannten hechelnden Sprechgesang, den Düsterbeats und der aufgerissenen Distortion Folkanleihen und euphorische Chorgesänge mit Slogans wie “Sisters United, Women Loving Women”. “Es wäre so einfach, sich über diese alten Lesbensongs lustig zu machen, dass es sich fast radikal anfühlt, genau umgekehrt damit umzugehen. Nach einem unserer ersten Auftritte kam jemand zu uns und sagte, dass sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben dafür cool fühle, den kompletten Text eines Indigo-Girls-Songs zu kennen.”
Top 3 Partysongs
Andrew W.K. “Party Hard”
Basement Jaxx “Where’s Your Head At?”
Sylvester “Do You Wanna Funk”
Best/Worst Party
Oh Gott, so viele Partys. Die schlimmste war wohl eine extrem teure Afterhour in Toronto. Boy George war DJ, und die Plattennadel rutschte einfach bei jeder Platte weg. Das tat echt weh, da zuzusehen. Und todlangweilig war es auch. Die beste in der letzten Zeit war im Loft unseres Bandmitglieds Frankie nach unserem Album-Release in Montréal. Um fünf Uhr morgens fingen die Leute spontan an zu tanzen, es gab Whiskey und Wodka pur und jede Menge Trockensex auf der Tanzfläche. Der Boden war am nächsten Tag sehr klebrig.
Last Birthday Party
Nach einem Gig in Athens, Georgia an Bernies Geburtstag kotzte sie fast vor Le Tigres Tourbus. Unvergesslich für uns alle.
Stimmt es, dass ihr richtige Partytiere seid?
Wir sagen immer: “Go hard or go home.”
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