
Apparat
Partyblackout
21.05.2007, 06:00, Text:
Martin Büsser
Über zwei Jahre hat Sascha Ring am Apparat-Album gearbeitet. Dieser lange Zeitraum und die zahlreichen Gastmusiker mögen dafür gesorgt haben, dass es sich um ein sehr vielschichtiges Album handelt, das von Pop bis Knister-Elektronik, von Streichern bis zu elegischen Gitarren so ziemlich alles bietet und geschickt übereinanderschichtet. “Wall”, der Titel des Albums, spielt auf den “Wall of Sound” an, der hier erzeugt wurde, doch die minimalistische Grundstruktur der Stücke verhindert, dass es je überladen wirkt.
“Es gibt mehrere Gründe dafür, dass die Platte keinen einheitlichen Stil mehr hat”, erzählt Sascha. “Zum einen wollte ich kein rein elektronisches Album mehr machen. In meinem Studio hat sich inzwischen sehr viel angehäuft, das dann auch eingesetzt wurde. Hier steht ein Klavier, dort stehen Gitarrenamps ... Diesmal habe ich das Studio sehr experimentierfreudig wie einen Spielplatz genutzt.” Obwohl “Walls” im weitesten Sinne ein Dance-Album mit schwer groovenden Bässen ist, will es nicht mehr in die Elektro-Schublade passen. “Ich höre selbst immer weniger elektronische Musik. Das mag daran liegen, dass ich als Musiker und Produzent überkritisch geworden bin und sofort heraushöre, wenn eine Sache billig gemacht ist.” Stattdessen nennt Sascha Vorlieben wie Godspeed YBE, jenen melancholischen Post-Rock-Sound, der bisweilen auch auf “Walls” wie ein Schmelz über den Stücken liegt, nie aber die nach vorne treibenden Beats bremst. Aber auch Minimal Music hat Spuren hinterlassen, was deutlich auf dem Auftakter “Not A Number” zu hören ist: “Ich liebe Musiker wie Steve Reich”, sagt Sascha. “Wenn ich technisch dazu fähig wäre, würde ich vielleicht nur noch Minimal Music spielen.”
Das zusammen mit illustren Gästen wie Raz Ohara entstandene Album pendelt zwischen Pop und Avantgarde, Störgeräusche verhindern, dass die Stücke allzu glatt durchgehen. “Nachträglich daran zu basteln, dass eine Nummer nicht zu poppig ausfällt, ist das Schwierigste”, erzählt Sascha. “Einen Popsong hast du ganz schnell eingespielt, den dann aber so zu bearbeiten, dass er nicht langweilig oder zu glatt klingt – das ist die eigentliche Kunst.”
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