
Kochen mit
Wir Sind Helden
21.05.2007, 06:00, Text:
Thomas Venker, Foto: Christoph Voy
Am Anfang steht ein Berg Tüten. Hinter selbigen haben sich Jean-Michel Tourette und Mark Tavassol, Keyboarder/Gitarrist und Bassist der Helden, versteckt, sodass wir sie auf der Überwachungskamera unserer Berliner Mietwohnung nicht erblicken können. Aber das ist nur ein vorübergehender Moment. Kaum sind die Tüten abgestellt, beginnen die beiden nicht nur mit der Vorbereitung zu einem der attraktivsten Essen in der Historie dieser Rubrik, nein, sie beginnen auch gleich zu erzählen. Und keineswegs Geschäftliches, da sie ja vor allem wegen ihres neuen Albums “Soundso” zu Gast sind, sondern Tratsch, als ob es nichts zu promoten gelte. Sympathisch.
Und so erfahren wir von schrecklichen Tourereignissen wie jenem legendär miesen Backstage-Essen in Erfurt, das nicht nur Schlagzeuger Pola Roy ins Krankenhaus brachte, sondern auch Judith Holofernes in selbigem an seinem Krankenbett in die Knie zwang und Jean-Michel im Zug peinigte. Das lokale Gesundheitsamt legte der Band damals eine Klage nahe; man selbst diskutierte, ganz die Kreuzberg- und Schanzenpunks, die sie sind, den Laden zu zerlegen – am Ende wurden aber einfach nur alle Erinnerungen gelöscht; übrigens so gut, dass sie auf der nun kommenden Tour wieder den gleichen Laden bespielen. Selbst schuld ...
Kaum erzählt, klingelt es ein weiteres Mal, und der Rest der Band stößt dazu. Also das Bandpärchen – und neuerdings auch Mama und Daddy eines kleinen Jungen. Nach kurzen Worten der Einleitung, u. a. Erwartbares wie “stillen” und “zu Bett bringen”, gesellen sie sich mit an den Herd und staunen erst mal: Denn was da von den beiden Kollegen vorbereitet wurde, sieht schlichtweg grandios aus: Garnelen auf Feldsalat, angerichtet mit einer selbst gemachten lauwarmen Mango-Senf-Soße; eine französische Käseplatte, die eigentlich als Nachspeise gedacht ist, aber von allen wegen heftiger Hungerattacken als Vorspeise missbraucht wird; und dann brutzeln in den Pfannen auch schon die vegetarischen bzw. fleischgefüllten Maultaschen mit thailändischem Gemüse und, je nach Gusto, einer scharfen Soße. Letzteres ist für Judith ein No-Go, schließlich reagieren Säuglinge nicht ganz so gut auf scharfe Muttermilch. Überhaupt gilt es mittlerweile wohl einiges zu beachten: Die Liste ist lang, aber, bedingt durch die Bedeutungslosigkeit des Themas in unserem Alltag, sind wir wohl etwas unaufmerksam und bekommen sie nicht wirklich mit. Mitbekommen haben wir aber die Freude von Judith, dass Danny, so was wie der Betreuer der Band, für die Tour eine eigene Cateringfirma eingekauft hat, damit es erst gar nicht zu Nahrungsproblemen auf Tour kommen wird. Nur der Name der Köche macht etwas nachdenklich: Hell’s Kitchen. Lustig geht anders.
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