
Björk
Chromatische Kurven
23.04.2007, 06:00, Text:
Susanne Pospischil
Das sind unfaire Voraussetzungen: in einem Land hoch im Norden, exponiert zwischen Lavafeldern, groß zu werden, immer eine Eismeer-Schwefel-Brise in der Nase. Das fördert Selbstschöpfung und Extravaganz. Hier ist Björk also querfeldein gezogen – was wohl passiert wäre, wenn sie dabei nicht ihre Stimme, sondern ein Faible für Geophysik oder Ozeanographie ausgeprägt hätte?
Bevor jetzt aber hypothetische Überladung droht, kommt Björk zum Glück pünktlich auf die Minute in ihr Lieblingsrestaurant Vid Tjörnina im Zentrum von Reykjavík und bestellt einen Cappuccino zum Aufwärmen.
Du hast in den letzten Wochen und Monaten mit unglaublich vielen Menschen kooperiert, glaubst du, es ist einfach für sie, mit dir zusammenzuarbeiten?
Mh, schwer einzuschätzen. Ich komponiere sehr viel alleine vor mich hin an meinem Computer. Neunzig Prozent der Sachen auf “Volta” habe ich zu Hause produziert, würde ich sagen. Natürlich nicht am Stück, zwischendurch hole ich mir Tee oder spiele mit meiner kleinen Tochter, dann werkle ich wieder eine Weile hinter verschlossener Tür. Ich glaube aber natürlich nicht, dass es schwer für sie war, entweder man versteht sich und ist bereit, seine eigenen Gewohnheiten und Methoden gegen neue Erfahrungen zu tauschen, oder man lässt es besser. Das ist jedes Mal ein Abenteuer.
Wie organisierst du dich selbst, bist du eine gute Zeit-Managerin?
Ja, ich bin schon ziemlich diszipliniert, das habe ich von meinem Vater. Er leitete ein kleines Unternehmen, da gab es immer etwas zu tun. Ich glaube wirklich an die heilsame und lebenserhaltende Wirkung von Beschäftigung und Aufgabe. Vom Nichtstun werde ich erst trübsinnig und dann verrückt.
Und jetzt erzähl mal, Timbaland und du, ihr seid doch bestimmt sehr unterschiedliche Charaktere: Gab es kein Vorbeikommen mehr? Und habt ihr euch gut ergänzt?
Wir kennen uns schon sehr lange, ich habe ihn vor elf Jahren in New York getroffen, da hat er meinen Song “Joga” für Missy Elliott (“Hit ‘Em Wit’ Da Hee” 1997) gesampelt. Wir sind uns immer wieder über den Weg gelaufen, und dann hat es mir doch unter den Nägeln gebrannt, und ich dachte: Jetzt ist es an der Zeit. Ich wollte Action und Rhythmus [macht dazu lustige Explosionsgeräusche] – und das habe ich auch bekommen. Als wir uns trafen, ging’s sofort los, obwohl er nicht die Möglichkeit hatte, sich die Stücke vorher anzuhören. Boam-boam-boam, neun Lieder in drei Stunden hat er fertiggebracht, das war wirklich unbeschreiblich. Nie zuvor habe ich so gearbeitet, irgendwie hatte ich aber den Instinkt, dass es funktionieren wird. Er kommt doch aus dieser “Improv-Scene”, der ist das einfach gewohnt, habe ich mir nur gedacht, und am Ende war es wirklich großartig. Ich bin ziemlich überwältigt nach Hause gefahren, um doch noch mal zwei Monate an den Beats zu schrauben.
Mit Antony Hegarty war das natürlich ganz anders, das hat sich organisch entwickelt und ist zwischen uns gewachsen. Wir trafen uns mehrfach, er kam auch nach Island, um mit mir hier ganz privat und losgelöst zu arbeiten. Das ist aber die Ausnahme, Chris Corsano habe ich z. B. gar nicht persönlich getroffen. Letztendlich gab es diesen Rhythmus in meinem Kopf, zu dem ich jeweils die passenden Künstler gesucht habe.
In Deutschland müssen sich unkonventionelle Frauenbands und Musikerinnen früher oder später immer mit Björk messen lassen – aktuell z. B. CocoRosie. Bist du gerne Vorbild, oder hältst du das für eine sehr eingeschränkte Sichtweise?
Grundsätzlich ist der Frauenanteil in der Popmusik ja leider sehr gering. Mich haben früher ganz besonders zwei Frauen beeindruckt: Joni Mitchell und Kate Bush. Dabei fand ich sogar die Idee, ein eigenes weibliches Universum zu erschaffen, faszinierender als ihre Musik. Die meisten Frauen in der Branche werden unterschätzt. Von Joni Mitchell mag ich besonders ihre späten Aufnahmen, die bei den Kritikern durchgefallen sind. Das sind ja aber auch meistens Männer, die Rock mögen. Ich bin mir auf jeden Fall sehr bewusst, weibliche Musik zu schaffen, eben nicht nur rechtwinklig bestehend aus den Akkorden c, f und g. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu abstrakt, aber ich empfinde diese Art von Musik als sehr christlich bzw. klerikal [beginnt zu singen: lolo, lala, lahlah ...]. Meine Musik verläuft in Kurven und basiert auf einem chromatischen Spektrum.
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Hallo Leute, in dieser Gruppe möchte ich Euch meine beiden Musikprojekte vorstellen. Versuche es mal über diesen Weg da ich kein facebook User bin ... und auch nicht werden möchte :)
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