Von Südenfed

Wir sind Sound

23.04.2007, 06:00, Text: arno raffeiner

“Renegade. The Gospel According To Mark E. Smith”, so werden die in Kürze erscheinenden Memoiren des The-Fall-Sängers und größten Renegaten des Punk heißen. Ein ganzes Kapitel bleibt da noch ungeschrieben, das kann Mark E. Smith dann als Paukenschlag für den Einstieg in Teil zwei seiner Autobiografie verwenden: die Begegnung mit Andi Toma und Jan St. Werner von Mouse On Mars.
Weil Smith und MOM gegenseitig von ihrem Sound so euphorisiert waren, haben sie zusammen ein Album aufgenommen und krachen nun als Von Südenfed mitten rein in den Rabauken-Dancefloor. Ein Gespräch mit Toma und Werner über die Pausen im Groove, Stadionkompatibilität und den großen Abwesenden.


Ihr habt Mark E. Smith bei einem Konzert in London kennengelernt und in der Folge beschlossen, ein gemeinsames Projekt zu starten. Wie kann man sich eure Zusammenarbeit konkret vorstellen? War Smith z. B. bei der Nachbearbeitung in eurem Studio mit dabei?
T: Nein, das hätte ihn wahnsinnig gemacht. Er war nie viel im Studio, er kam wirklich nur zum Einsingen und ist sonst in Düsseldorf spazieren gegangen oder war in irgendeiner Bar.
W: Aber er hat zu den Arrangements oft etwas beigetragen. Wenn wir Gefahr liefen, zu fett zu diversifizieren, wenn es zu viele Möglichkeiten gab – was wir im Grunde geil finden –, hat er klar gesagt: “Nee, könnt ihr alles lassen, das war schon gut so!” Es war in gewisser Weise so, wie mit einem Produzenten zu arbeiten.
Also habt ihr euch im Endeffekt gegenseitig produziert?
W: Ja, das ist das Schöne an der Sache. Für Mark ist das eine Alternative zu The Fall, weil er nicht alles unter Kontrolle haben muss und andererseits ganz anders auf die Musik reagieren kann. Er war wie ein Tester, bei dem man die Wirkung sofort ablesen konnte, weil er extrem intuitiv ist, wie er auf Sachen anspringt, sie ablehnt oder auch überhaupt nicht reagiert. Mark ist eigentlich auch ein Sound-Typ. Im Grunde ist er ja Sound. Wie er hört, wie er funktioniert, das ist wie ein Sound. Im besten Moment öffnet sich das und wird riesig groß, wie ein Ding, das man unendlich ausklappen kann. Es gibt ja immer ganz viele Ebenen bei ihm. Die Texte sind zwar unglaublich einfach, aber auch unglaublich verschachtelt. Man merkt erst später, auf wie vielen Ebenen es immer wieder neuen Sinn ergibt. Das passt auch extrem gut zu unserer Denkweise.
Habt ihr beide nicht durch Schnitte auch immer wieder in die semantische Ebene eingegriffen?
W: Mark hatte immer klare Lines. Wir haben z. T. Sachen geschnitten, wo er nachher meinte: “Nee, das war aber nicht so!” Bei anderen Stücken hat er uns machen lassen, war aber nicht so richtig überzeugt. Er mag z. B. das Stück “Serious Brainskin” nicht so richtig. Wir finden das natürlich geil, weil es so ein Gebolze ist, alles spult, es hat unheimlich viele Breaks – und trotzdem hat das so ein Dröhnlevel.
Apropos Dröhnlevel: Die ganze Bandbreite an Einflüssen, der Stilmix, den ihr da ineinanderquirlt, wird beim Hören schnell egal, weil eine bestimmte Energie das alles nivelliert.
W: Ich finde “Energie” ein bisschen abstrakt. Man weiß nie, was das sein soll. Es kommt mir immer vor wie aus dem Esoterikladen: die kosmische Energie oder Wärmeenergie durch Gas oder Solar oder ...?
T: Ja, der Wumms natürlich!

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aus Intro #149 (Mai 2007)
 
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