Lottergirls

Bad Babysitters

23.04.2007, 06:00, Text: Sandra Grether

Meine erste “Begegnung” mit Princess Superstar war das Video zu ihrem Kult-Hit “Bad Babysitter” (2002) – da sprang sie mächtig gut gelaunt mit Zopffrisur und sexy Humor-Energie durch eine elterliche Wohnung (erinnerte mich an die aufmüpfige Sängerin “Judy” aus der australischen Teenage-Rebellion-Serie “Heartbreak High” von 94), nachdem sie in Text und Bild versprochen hatte, auf einen kleinen Jungen aufzupassen. Aber die selbst ernannte HipHop-Prinzessin aus Manhattan – die jetzt in Lottergirls, dem neuen Projekt von DJ Fetisch (Terranova), als Haupt-Gastsängerin (auf sechs Songs) auftritt – outete sich seinerzeit als schlechter Babysitter. Sie trieb’s lieber unter der Dusche, rockrappte im lockeren Party-Rhyme die Bude und schickte den Babybub zeitig zu Bett. Gesamteindruck: sehr sehr powerful! Ist Princess Superstar vielleicht die zottelige Stand-up-HipHop-Cousine von Gwen Stefani? Eine, die Sexiness tatsächlich mit Humor verbinden kann?



Meine zweite Begegnung mit Princess Superstar, im Büro ihrer Plattenfirma in Mitte-Berlin: Nun ja, ganz soooo sympathisch wie im “Babysitter”-Video ist sie mir nun nicht mehr. Sie und DJ Fetisch wirken schon beinahe unprofessionell geschäftig und strahlen, wie mir scheint, etwas zu selbstverliebt aus, dass ihnen das jetzt eigentlich zu viel ist: auch noch mit Journalisten über das Projekt reden! Sodass man selbst auch gleich uninspiriert auf “Okay, ich mach hier auch nur meinen Job” umschaltet. Also: Die Musik ist geil tanzbar, harte Beats feat. lustige Gimmicks. “Echt” eingespielte Hits aus Electro und Erfahrung. Extra mal keine Samples, dafür Hammond-Orgel, Bläsersektionen, riffige Gitarrenmonotonie im Instrumental-Track usw.
Princess’ Antworten zeugen zwar kaum von Humor, aber sie hat gute Ansichten über Humor: “Humor ist wirklich wichtig – weil man damit unbequeme Botschaften rüberbringen kann. Ich bringe die Leute gerne zum Lachen, gerade wenn ich mich schlecht fühle.” Super, dann geht es Frau Superstar heute vermutlich sehr gut! Und während DJ Fetisch (der 2006 das Lotterboys-Projekt ins Leben gerufen hat) auch während des Gesprächs noch heftig-workaholisch am Handy hängend rumorganisiert und sich so als der energische DJ-Tausendsassa aus tausendundeiner BerlinNewYorkLondon-Nacht gibt, erzählt Princess, dass sie früher Rockmusik gemacht, aber auch immer schon viel HipHop gehört und mitgerappt hat: “Aus so einer Komik-Perspektive heraus – und es funktionierte!” Sie mag eine schlechte Babysitterin sein, aber auf der Bühne bringt sie so viel Witz ’n Beats rüber, dass man nicht anders kann, als ihr trotzdem zu vertrauen. Sie hat eben diese ganz spezielle Überschreitungsenergie, diesen “Never Say Never”-Kick!



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aus Intro #149 (Mai 2007)
 
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