Gui Boratto

Ein Kölsche Jung

02.05.2007, 06:00, Text: Sebastian Ingenhoff
[17 Kommentare]

Bei Techno ist ein wenig die Luft raus. Wer sich derzeit bei Kompakt, immerhin dem bestsortiertesten Plattenladen der Minimal-Hochburg Köln, durch die Regale wühlt und den aktuellen Veröffentlichungen lauscht, wird so manche 12-Inch entnervt-gelangweilt wieder zur Seite legen. Verdammt, da muss doch mal ein frischer Wind rein – und der kommt in der Tat mit einem grinsenden Gui Boratto (im gut sitzenden Sakko) durch die Tür gerauscht. Der Sechsunddreißigjährige hat allen Grund, gut drauf zu sein: Der Supermayer-Remix von “Like You” wurde im letzten Jahr in den Clubs rauf- und runtergespielt, ebenso die folgenden Maxis. Insofern ging “Chromophobia”, sein soeben erschienenes Debütalbum, mit ordentlich Vorschusslorbeeren an den Start – kann diese aber auch einlösen. Boratto weiß um die Problematik mit Technoalben. Nicht selten scheitern Produzenten mit respektablen Maxi-Veröffentlichungen an der langen Distanz – er hat sich deswegen nicht unter Druck setzen lassen und in aller Ruhe weitergefeilt, bis alles passte.


Der in einem wohlbehüteten Elternhaus in São Paulo aufgewachsene Brasilianer hat bereits vor gut zwanzig Jahren angefangen zu produzieren. Damals steckte Techno nicht nur in Brasilien noch in den Kinderschuhen. In erster Linie waren es aber sowieso Bands wie Depeche Mode oder New Order, die ihn zum Musikmachen trieben – Einflüsse, die man noch erahnen kann, auch wenn “Chromophobia” vor allem durch die Kombination von poppigen Flächen mit Köln-typisch sehr reduzierten, aber stets scheppernden Beats geprägt ist. Das episch-hymnische “Beautiful Life” wird von einer live eingespielten Gitarre und verträumtem, My-Bloody-Valentine-haftem Gesang dominiert. Ein echter Shoegazer-Technosong. Gesungen wurde er von Borattos Frau: “Ich spiele es immer am Schluss, weil ich danach einfach kein anderes Stück mehr spielen kann. Es ragt einfach so unglaublich heraus. Der Song hat diese positive Grundstimmung, ist gleichzeitig aber auch sehr traurig, melancholisch.”
Boratto macht keinen Hehl daraus, dass mit dem Kompakt-Signing für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Der Köln-Sound hat ihn Anfang der Nullerjahre infiziert: “Ich mag an Kompakt, dass es hier keine Regeln gibt. Mein Album ist ja komplett anders als beispielsweise das von The Field. Als ich zum ersten Mal die ‘Kompakt Total 5’-Compilation gehört habe, wusste ich, das ist genau der Sound, den ich machen möchte. In Brasilien sind Trance, Progressive und so Zeug angesagt - ich mag es aber gerne etwas weniger schnell, dafür umso deeper.”
Stunden später wird Gui Boratto auf der legendären “Total Confusion”-Party spielen, jener Reihe, welche früher das Kölner Studio 672 zu einem Wallfahrtsort für Minimal-Jünger gemacht hat. Michael Mayer spielt zum Einheizen Platten. Als Gui Boratto schließlich zur Kanzel geführt wird und sein Set beginnt, ist es fast so, als ginge ein Ruck durch Köln. Die Party beginnt.



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aus Intro #149 (Mai 2007)
 
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  • AlexColonia 02.05.2007 | 10:58:05

    Bei Techno ist ein wenig die Luft raus

    Man sieht, der Autor kennt sich in der Materie aus. Vielleicht sollte er doch weiter in Indie-Gefilden grasen?

  • weiche zäune 02.05.2007 | 11:48:24
    love love love yeah
    zudem frage ich mich ob der autor überhaupt bei der total confusion party mit dem boratto auftritt war..

    "...als ginge ein ruck durch köln."

    autsch

  • User: Nummer 47744
  • Nummer 47744 02.05.2007 | 11:51:22

    techno: luft raus, langweilig :(
    gui boratto: gitarre, spannend :)

    gibt es eigentlich von kompakt geld für solche artikel oder ist das nur son bisschen freundliche nachbarschaftshilfe.

  • weiche zäune 02.05.2007 | 11:58:28
    love love love yeah
    ich glaube nicht das jürgen "stadtkämmerer" paape und wolfgang "schatzmeister" voigt für so was geld ausgeben würden. ich nehme an der autor hat sich vom promozettel inspirieren lassen..

  • User: Oleandah
  • Oleandah 02.05.2007 | 12:39:06

    "Ein kölsche Jung"? Was soll das denn sein?

  • User: Legoland
  • Legoland 02.05.2007 | 13:00:37
    Legolize it!
    1. ein kölsche jung ist sowas ähnlches wie'n hamburger jung, nur dass er aus köln kommt. einfach, was?

    2. "Bestsortiertester" könnte man auch in "Biertester" abkürzen?

  • User: Oleandah
  • Oleandah 02.05.2007 | 13:51:02

    Legoland, kein Mensch sagt „ein kölsche Jung“, das heisst „ne kölsche Jung“.

  • User: Legoland
  • Legoland 02.05.2007 | 13:54:59
    Legolize it!
    oh. schon wieder was gelernt. kannst du mir vielleicht auch erklären was dieses "un mer sänge aaalefaaas" in "mer lasse de dom in kölle" heisst? man trällert das hier immer so lustig mit, während man sich panisch umkuckt, ob auch niemand merkt, dass man nur bahnhof verst... äh... singt.

    schwer für einen exilfriesen wie mich hier.

  • User: Oleandah
  • Oleandah 02.05.2007 | 15:00:41

    Meinst du vielleicht „und up singem ahle Plaatz bliev hä uch joot in Schuß“?
    Das heisst „und auf seinem alten Platz bleibt er auch gut in Schuß“.

  • User: Oleandah
  • Oleandah 02.05.2007 | 17:00:13

    Ich kenn nur "Schwaadschnüss" im Sinne von Laberbacke.

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