
Travis
It’s hard to be Pop
23.04.2007, 06:00, Text:
Daniel Koch,
Christine Bieri
Nach längerer Auszeit vom Musikbusiness melden sich Travis zurück – und machen genau dort weiter, wo sie aufgehört haben: an der Schnittstelle zwischen Indie und Mainstreampop. Aus dem einen kommen sie, das andere haben sie mit großartigen Singles gehörig aufgemischt – was für viele einem Ausverkauf an die dunkle Seite der Macht gleichkam. Kann man ihnen dafür böse sein?
Einmal im Leben hat man ihn, diesen magischen Popmusikmoment. Musik und das Hier und Jetzt bilden die perfekte Symbiose. Man kann diesen Moment schönreden und schönschreiben oder ganz und gar leugnen, denn meistens sind Bands im Spiel, an die man sich schon wenig später aus Mode- und Coolnessgründen nicht mehr erinnern mag.
Aber blenden wir doch einfach zurück. Nach Glastonbury. Und zu lauwarmem Bier, einer viel zu kalten Sommernacht und dem Geruch nach fettigen Beefburgern. Auf der gigantischen Pyramid Stage mit der blinkenden Spitze steht ein winziger Fran Healy und singt das Lied vom Regen, das im Jahr zuvor ein Unwetter heraufbeschworen haben soll. Die 120.000 Menschen um dich herum kennen die Geschichte, die es sogar auf die Titelseiten der britischen Mainstream-Presse schaffte, sie kennen jede einzelne Textzeile des Sets. Das ist es wohl, was sie auf dieser Seite des Ärmelkanals “Glastonbury Moment” nennen. Als Fran, Dougie, Neil und Andy nach fast zwei Stunden die Bühne verlassen, schütteln sie der kompletten ersten Reihe die Hände. Große Gesten auf einem noch größeren Festival. Was sich in diesem Moment groß und wichtig anfühlte, war ein paar Wochen später schon wieder way too much und way too Pop. Ähnlich steht es um Travis’ Karriere. Post-Glastonbury tauschen sie die kleinen Indiekaschemmen gegen Stadien und Privatradio-Playlists, und plötzlich ist es alles andere als cool, Travis-Fan zu sein. Das wird sich auch nach der Auszeit und dem Release des neuen Albums “The Boy With No Name” nicht ändern. Gut ist es trotzdem. Das wissen wohl auch “Franny” und “Dougie”, die entspannt in einem poshen Berliner Hotel sitzen und an ihren Erdbeermarmeladen-Croissants knabbern.
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