Kochen Mit

Fehlfarben

23.04.2007, 06:00, Text: linus volkmann, Foto: Rainer Holz

“Hey, ihr Intros! Wartet auf mich!” Saskia humpelt uns linkisch auf einer Straße in der Kölner Südstadt hinterher. Ihr Intros? Ich sage: “Sag mal, du kannst dir wohl unsere Namen nicht merken?” Und ergänze in Gedanken: Und das nach über drei Stunden Essen-Bereiten, Essen-Essen und Zechen im High-End-Kochstudio Chez Holz. “Stimmt!” antwortet Saskia stolz und strahlt. “Und was ist denn mit deinem Fuß? Wieso humpelst du eigentlich?” – “Ist mir ein riesiges massives Fahrradschloss draufgefallen! Bomm!” Saskia von Klitzing spielt Schlagzeug bei den Fehlfarben; beim gemeinsamen Essen merkte man, wie gut sie mit Peter Hein kann. Kein Wunder also, dass sie so frech ist und nicht mal aus Goodwill unsere Scheißnamen behält. Thomas und ich sollen sie nun auf dem Nachhauseweg ein Stück mitnehmen. “Boah, ihr habt da ja ein echtes Auto!” Endlich in diesem angelangt, versuche ich es mal anders: “Hey, Saskia, du wohnst doch anscheinend in der Nähe unseres Büros, wollen wir nicht ab jetzt mehr zusammen rumhängen? Du so als die Künstlerin mit deiner Kunst und wir so als die vom Intro mit unseren wässrigen Hundeaugen?” Saskia lehnt dankend oder besser: dröhnend ab. Klar, hat sie ja doch bereits echte Styler um sich rum. Und zwar die von den Fehlfarben.


Stunden zuvor

Kurt Dahlke und Peter Hein laufen zum gemeinschaftlichen Kochen auf – Hein trägt einen schluffigen Anzug und spitze Schuhe; Dahlke, auch bekannt unter seinem Power-Rangers-Bösewicht-mäßigen Kampfnamen “Der Pyrolator”, sieht dagegen mehr casual aus, sein Extra-Skill allerdings: der hohe Knuddelfaktor. Mitgekommen auch noch Saskia und diverse Plattenfirmen-Celebritys. Peter Hein sieht schlanker aus, als ich ihn von der Bühne in der Düsseldorfer Kunsthalle in Erinnerung habe. Das war damals kurz vor der 2002-Fehlfarben-Reunion mit “Knietief im Dispo”. Das Buch “Verschwende deine Jugend” von Jürgen Teipel war durch das große Interesse an Punk-Nostalgie zur Ausstellung aufgeblasen worden, und Hein spielte mit ein paar anderen Veteranen einen energischen One-Off-Gig als “die Band zum Buch”. Von dem bauchlastigen Schrank auf jener Bühne ist heute wenig übrig. Erfolg macht dünn. Zudem hat Hein mittlerweile seinen bürgerlichen Beruf verlassen und zog sogar von Düsseldorf nach Wien. Konnte man sich eigentlich gar nie vorstellen. Denn die Fehlfarben standen doch stets für linkswertkonservative Identifikation der Generation “Monarchie und Alltag” sowie für einen bodenständigen Düsseldorf-Regionalismus. “Ich bin mittlerweile der Letzte, der noch da ausharrt”, sagt Kurt – und ergänzt, dass es auch ihm langsam reiche mit so viel lokaler Treue. Sollte er auch noch die Segel streichen, würde damit ja sogar die Instanz Atatak von der beliebten Landeshauptstadt NRWs abgekoppelt. Ein bisschen arg viel Blasphemie. Doch ganz so unrheinisch bringen es die Fehlfarben auch im bald 30. Bestandsjahr dann doch nicht. Als Provokation gegen das in Köln beheimatete Intro hoolte man uns nämlich im Vorfeld folgendes Rezept zu: “Düsseldorfer Rostbraten”. Und natürlich auch: “Altbier!”

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aus Intro #149 (Mai 2007)
 
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