
Mumm-Ra
Der Segen der Provinz
23.04.2007, 06:00, Text:
Peter Flore
Man muss das ein paarmal laut vor sich hin sprechen, um das ganze Ausmaß zu verstehen: “Mumm-Ra aus Bexhill-On-Sea.” Allein, wie man es dreht und wendet, es wird kein neuer glamouröser Hype aus der rastlosen Metropole London draus. Dem jungen Sextett mag es gerade recht sein, vielleicht liegt es an der Abgeschiedenheit des malerischen Kurorts an der Südküste Englands, dass der verspielte Indie-Pop in Ruhe gedeihen konnte. “Vor hundert Jahren war es noch glamourös dort ... Die reichen Leute aus der Stadt kamen nach Bexhill, um über die Promenaden zu schlendern. Außer Strand und Steine-ins-Wasser-Werfen gab es dort nichts zu tun, daran hat sich allerdings bis heute nichts geändert”, erzählt der blonde junge Mann, den seine Bandkollegen nur “Noo” nennen..
Nun ist Langeweile seit jeher ein triftiger Grund, kreativ zu werden, und so wird nun doch wieder ein Schuh bzw. eine nette Geschichte draus: die von den sechs Schulfreunden, die sich in ihrer Freizeit in einem gemeinsamen Haus verschanzen, um dort tagaus, tagein an neuen Songs zu feilen, während die anderen Jungs und Mädels Skateboard und Rollerblades fahren. “Diese Band wurde gegründet, weil wir lieber gute Musik hören wollten statt Slipknot oder Nine Inch Nails wie die anderen Kids. Ich habe mal ein Bild von John Lennon in der Schule gemalt, und jemand sagte: ‘Hey, das ist doch der Typ aus dem ‘Yellow Submarine’-Cartoon’”, erklärt Noo den Auslöser für Mumm-Ra, deren Debütalbum “These Things Move In Threes” freilich von einer musikalischen Sozialisation abseits von Powerchords und Nu-Metal-Riffs kündet: scheinbar naive Popsongs, unter deren Oberfläche ein unerschöpflicher Fundus an kleinen Kniffen schlummert, detailverliebt und bis in die hinterste Ecke ausziseliert, vom fast ravigen “Song B” bis zum Pop-Diorama “Out Of The Question”, dem Titeltrack der zweiten Vorab-EP.
“Ja, wir sind da schon richtige Nerds”, lacht Gitarrist Tate, “wir können stunden- und tagelang über dem richtigen Sound brüten.” Vielleicht so etwas wie der Segen der Provinz, wo man das Tempo noch selbst bestimmen kann und niemand merkt, was da denn eigentlich wächst. Letztlich ging aber dann doch alles seinen geregelten Gang: viele Gigs, viel Mundpropaganda, viele MySpace-Freunde – dann kann irgendwann halt auch der NME nicht mehr anders, und man findet sich auf der gleichnamigen Tour der Hipster-Gazette wieder, jener Newcomer-Tour durch britische Clubs, die schon ganz anderen Kalibern zum Sprungbrett gereichte. “Wir haben uns da keinerlei Gedanken gemacht, natürlich haben wir uns gefreut, dass wir eingeladen wurden, aber für uns waren es einfach eine Handvoll mehr Konzerte.” Bleibt die Frage nach dem kryptischen Bandnamen: “Das ist ein Charakter aus der 80er-Cartoonserie ‘Thundercats’, der böse Zauberer Mumm-Ra.” Hätte man auch auf Wikipedia nachschauen können.
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