Malajube

Québec über alles

29.04.2007, 16:00, Text: Thomas Venker
[2 Kommentare]

Sie kommen aus Montréal, Québec, singen französisch und setzen gerade trotz des sprachlichen Handicaps zu einer weltweiten Karriere in Indie an. Gegen diese Hymnen, vorgetragen im guten alten Laut/Leise-, Elegisch/Krachend-Spiel, ist einfach kein Kraut gewachsen. Grund genug, sich während des South by Southwest an die Fersen des Quintetts zu heften.



Heute muss man verdammt hart ackern, will man als Label eine Band zu Bekanntheit verhelfen – und auch die Band selbst ist mehr gefordert. Die Konsequenz: Bei Peak-Events wie dem New Yorker CMJ und dem in Austin, Texas stattfindenden SXSW, den beiden wichtigsten und größten amerikanischen Musikmessen, stehen bis zu drei Gigs am Tag an.
Malajube sind so eine Band, die sich gerade auf dem Sprung befindet, die es schon bald ihren kanadischen Buddies Arcade Fire (deren Europatournee sie im Anschluss ans SXSW in Paris eröffnen) nachtun und weltweit in die Charts rutschen könnte. Doch dazu muss alles gut gehen. Und Glück und harte Arbeit abgerufen werden. Von der Bereitschaft zu Letzterer konnte ich mir bereits beim CMJ einen Eindruck verschaffen, wo die Band erst mittags bei einem vom amerikanischen Indiemagazin Nylon gehosteten Barbecue aufspielte, um dann, gefühlte 60 Minuten später, auf der anderen Seite des Hudson Rivers, in Manhattan, bei der Fader-Party zu rocken – und schließlich auch noch zwei reguläre Konzerte während des Festivals absolvierte. Damals standen gerade die Lizenzverhandlungen mit City Slang an. Mittlerweile ist man sich einig geworden, und das Album “Trompe L’Oeil” erscheint dieser Tage in Europa und der Restwelt. In Kanada wurde es bereits 2006 veröffentlicht und hat dank der es prägenden Kombination aus raffiniert-fordernden Arrangements, hittigen Melodien und gefühlvollen Passagen eine solide Erfolgsgeschichte hingelegt: Malajube steuern damit zielsicher auf die 50.000er-Marke zu. In den Staaten spielten sie in den Wochen vor dem SXSW eine ausverkaufte Tournee (nun, das haben bereits andere Kanadier geschafft, speziell an Malajube ist nur die französische Sprache), und auch sonst stehen die Zeichen gut: England zeigt reges Interesse, und auch die Japaner sind bei der Stange: Die Band wurde gerade zum Fuji Rock Festival eingeladen. Mal gucken, was die Deutschen machen.
Los geht es für Malajube am ersten SXSW-Tag mit einem entspannten Auftritt beim offiziellen Barbecue der kanadischen Delegation. Im Brush Square Park darf die Band die Sonne in den Feierabend verabschieden – und einige Herzen mit Melancholie füllen. Am nächsten Tag steht zunächst ein Auftritt bei einer der vielen Off-Location-Partys an, die man in Austin während der wilden Tage zugeflüstert bekommt. Der Event wird wie so vieles auf dem SXSW gleich aufgezeichnet – dank WWW und Co. findet sich ja immer jemand, der es verwertet und abruft. Die Auftrittszeit von 15 Uhr ist gut gewählt, da Malajube danach entspannt zum Hauptevent des Tages, dem Kanadaabend, ins Maggie Mae’s rüberlaufen können. Das zweigeschossige Venue steht ganz im Zeichen der nicht mehr aufhaltbaren kanadischen Invasion. Um diese zu komplettieren, wird lokales Essen gereicht: Poutine genannt und vor allem zur Vorbereitung des Körpers auf exzessiven Alkoholkonsum gedacht. Als alle gesättigt sind, die ersten Testdrinks erfolgreich vertragen wurden, steht auch schon Punkt Mitternacht der Auftritt an. Es soll der beste werden, den ich bislang von der Band sehen durfte. Unheimlich druckvoll, mit der notwendigen Schärfe und doch verschmitzt spielen sich Malajube durch die Songs des Albums. Sänger Julien Mineau wird auf der Bühne immer gelassener. Redet er vor heimischem Publikum wenig, so zeigt er sich im Ausland locker und pointenreich. Heute müssen die texanischen Cowboys dran glauben. Ein Selbstläufer beim Publikum.

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aus Intro #149 (Mai 2007)
 
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  • User: triple b
  • triple b 29.04.2007 | 19:18:50

    MORGEN IM RIO! JAAAA!!!! JUHU!

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