Merz

Rastlose Melancholie

26.03.2007, 06:00, Text: Klaas Tigchelaar

Schrumpft man den Lebenslauf von Conrad Lambert (a.k.a. Merz) auf die letzten acht Jahre zusammen, hat man alles für eine schöne Musik-Biz-Mythe: 1999 wurde sein selbst betiteltes Debüt mit viel Feuerwerk in den Pop-Himmel lanciert, doch statt sich feiern zu lassen, ergriff der Brite (mit Wurzeln in der Mongolei und Long Island) die Flucht und bereiste ferne Länder und versteckte britische Ortschaften – ganze sechs Jahre lang. Schließlich wurde er doch wieder sesshaft und durfte entdecken, dass Presse und Publikum in der Zwischenzeit erkannt hatten, dass er mit seinem multiinstrumentalen Songwriter-Electronica-Mash-up seiner Zeit voraus gewesen war. Aber man hatte ihn auch ein bisschen vergessen. Lambert war das allerdings ganz recht, konnte er so doch in ruhiger Abgeschiedenheit am zweiten Album “Lovehart” basteln. Weniger rhythmisch vertrackt, doch mit der gleichen elfenhaften Melancholie, tendiert es eher zur Songwriterseite und breitet dabei die gesammelten Eindrücke von sechs Jahren Einsiedlerleben aus. Die Bürde des Major-Deals, die “Top Of The Pops”-Präsenz – alles abgeschüttelt, Lambert ist bei Groenland untergekommen und tingelt wieder ein wenig durch die Welt. Nicht um sich zu verstecken, sondern um aufzutreten und den rastlosen Lebensplan mit Musik zu erden. In diesem Zusammenhang erscheint auch das ReRelease des Debüts auf Groenland nun passend. Und während die viel zitierten warmen Worte von Merz-Fan Chris Martin noch im Ohr klingen, hat der selbst ernannte Songer-Singwriter sich bereits an das dritte Album gemacht. Mit dabei sind u. a. Charlie Jones (Goldfrapp) und Clive Dreamer (Portishead).




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aus Intro #148 (April 2007)
 
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