
The Stooges
Halbgötter aller Autodestruktiven
26.03.2007, 06:00, Text:
Felix Klopotek
“Jazzmusiker spielen so lange, bis sie umfallen. Wenn sie sterben, musst du sie von der Bühne tragen. Das ist ihr Ort. So ist das bei uns auch, wir machen immer weiter, bis es nicht mehr geht”, sagt Ron Asheton und lässt keinen Zweifel an seinem Selbstverständnis: Er ist kein Rocker, sondern ein Jazzmusiker. Nur der Haltung nach. Denn das, was der Gitarrist spielt, seit mindestens 5000 Jahren schon, ist nur minimal veredelter Protopunk. Der bald 59-jährige Musiker hat seinem musikalischen Kanon seit 1969, damals erschien seine erste Platte, nichts hinzugefügt, keine Variation, keinen Pseudomodernismus. Aber man sagt ja, dass ein guter Jazzer nur immer und immer wieder die eine göttliche Idee verfolgt, die die Muse ihm einst eingehaucht hat. In der Beharrlichkeit liegt die Kraft.
Es gibt ein paar tausend Rock- und Punkgitarristen wie Ron Asheton. Aber Asheton ist der Gitarrist der Stooges, der ersten Band von Iggy Pop, jener Band, die für Iggys exzellente Reputation als Halbgott aller Autodestruktiven verantwortlich ist. Ganze sechs Jahre, von 1968 bis 1974, und drei wirklich bösartige Platten reichten, um diese Band zu einer der stilbildendsten Rockformationen zu machen. Ron, sein Bruder Scott am Schlagzeug sowie wechselnde Bassisten gaben die stoischen Autisten, die stumpf auf ihren Instrumenten hämmerten, während Iggy sich in bizarr-verrenkten Posen, irren Schreien und obszönen Gesten erging. Die gleichen Drogen erzeugen halt extrem entgegengesetzte Reaktionen. “Heute sind wir professioneller, wir sind nicht mehr so verschwenderisch, auf der Bühne wie im Leben”, meint Asheton. Die Stooges sind seit 2003 wieder vereint.
Inspirator dieser Reunion ist J Mascis, der mit der Basslegende Mike Watt zur Jahrtausendwende eine Stooges-Coverband gründete und Asheton vor einem Auftritt in dessen Heimatstadt Detroit auf die Bühne lud.
Der Weg zu Iggy Pop war dann kurz, schließlich ist Mascis in den USA ein Rockpromi. Jetzt liegt mit “The Weirdness” das vierte Album der Stooges vor, nach 33 Jahren, wieder mit den Ashetons und dankenswerterweise mit dem großen Watt (auch bald 50!). “The Weirdness” müsste besser “The Straightness” heißen, denn es ist ein supergeradlinig runtergeschrammeltes Ding, gut weggerotzt. Produziert hat Steve Albini, den sie nicht, wie seine Vorgänger John Cale und David Bowie, in den Wahnsinn getrieben haben. “Albini ist unglaublich schnell”, weiß Asheton. Der klare, krispe Albini-Sound ist allerdings nicht unbedingt das Richtige für diese Feier der Anspruchslosigkeit, die Stooges bräuchten eine matschigere Produktion.
Früher hat sie kaum einer gemocht: die Kollegen nicht, die diese Berserker nicht als Vorband wollten; das Label nicht, das in ihnen nur die Drogenfreaks sah. Ironie der Geschichte, dass ihre jüngsten Konzerte und ihr Comeback-Album aufs Herzlichste begrüßt werden. Man muss sich die Stooges als Jazzcombo vorstellen. Und eine gute Jazzcombo spielt den gleichen Song immer wieder, bis auch der Letzte im Publikum seine Schönheit verstanden hat.
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