
The Rakes
Soundtrack: Post-Paranoia
26.03.2007, 06:00, Text:
Dirk Neuhaus
Jetzt schlägt auch für die Rakes die Stunde der Wahrheit. Das zweite Album. Der Beweis, dass man es bringt, mehr ist als nur ein hoffnungsvoller Newcomer mit Perspektive, dass man sich seiner Sache sicher genug ist, um dem Erwartungsdruck standzuhalten. Zwei andere, prominentere Teilnehmer des großen Britrock-Hypes von 2005 haben bereits vorgelegt und ihre heiklen zweiten Alben veröffentlicht: Bloc Party mit einem ebenso überraschenden wie gelungenen Album, die Kaiser Chiefs mit einem, das sich zwischen vorsichtiger Weiterentwicklung und Nummer sicher nicht so richtig entscheiden kann.
Nun also The Rakes, die Londoner Neo-Punk-Wave-Rocker, die mit “Capture/Release” ein angenehm schraddelndes Debüt hingelegt hatten, deren Rotzigkeit aber immer etwas aufgesetzt klang, zu sehr um Authentizität bemüht. So wie ein paar kleine Jungs, die sich vor den Großen behaupten wollen. “Ten New Messages” heißt ihr neues Werk bedeutungsschwanger. Und es gibt tatsächlich Neues aus dem prallen Großstadtalltag der vier Hungerhaken.
“Die Texte drehen sich um große Themen”, erklärt Sänger Alan Donohoe. “Die Anti-Kriegs-Märsche, die Angst vor Terrorismus und so was. Wir haben uns Geschichten ausgedacht mit Charakteren, an denen sich diese Dinge erzählen lassen.” Den zynischen Humor ihres Debüts mit dessen Tiraden auf dröge Bürojobs (“22 Grand Job”) und die zweifelhaften Freuden des neoliberalen Erwerbslebens (“Work, Work, Work (Pub, Club, Sleep)”) haben die Rakes sich bewahrt. “Down With Moonlight” belacht die Post-9/11-Paranoia, die auch der dicke SUV-Panzer nicht mildern kann. In “The World Was A Mess But His Hair Was Perfect” reduziert sich Politik auf Geseier an der Kneipentheke über “Amerika” und “den Krieg”, der Rest verliert sich im Nebel einer endlosen Clubnacht. Hauptsache, die Frisur sitzt.
Musikalisch bietet “Ten New Messages” aber die größten Überraschungen: “Wir haben seit ‘Capture/Release’ viel dazugelernt”, weiß Alan. “Wir haben mehr Selbstvertrauen gewonnen. Wir wussten eher, was wir wollten, und waren konzentrierter.” Und das Ergebnis macht Spaß: weniger rohes Live-Feeling, mehr Witz und Subtilität im Songwriting. “On A Mission” geistert zwischen den frühen The Cure und dem Pathos von Pulp. Bei “We Danced Together” wagen sich die Rakes so weit an die Grenze zum 80er-Mainstream-Rock, bis der Absturz in die Lachnummer unvermeidlich erscheint. Und schaffen das Abfangen des Songs dann umso souveräner.
“Ich hoffe mal, unsere alten Fans kommen mit uns”, sagt Alan. “Es sind schließlich immer noch The Rakes, so dramatisch hat sich das alles nicht verändert. ‘Capture/Release’ zeigte, wo wir vor zwei Jahren standen, diesmal haben wir eher unsere – sagen wir mal ... – intelligentere Seite gezeigt als diese aggressive, männliche. Es ist ruhiger, cleverer geworden.” So viel zum Thema Selbstbewusstsein. Die Rakes können es sich mit diesem Album leisten – Mission erfüllt.
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