The Jai-Alai Savant

Reggae ohne Rasta

26.03.2007, 06:00, Text: Martin Büsser

The Clash haben bewiesen, dass sich Reggae problemlos mit Punk mischen lässt. Wenige Jahre später zeigten die Bad Brains aus Washington DC, dass sich Reggae sogar mit ultra-schnellem Hardcore verträgt. Und nun treten The Jai-Alai Savant, die Band um den quirligen Ralph Darden, den Beweis an, dass Reggae mit so ziemlich allen Stilen fusionierbar ist.

“Ich bin als Schwarzer in einer weißen Subkultur aufgewachsen”, erzählt der aus Philadelphia stammende Ralph, “Differenz ist für mich etwas ganz Normales. Deshalb gibt es für mich auch nicht so etwas wie einen reinen Stil.” Ralph war einer der wenigen Afroamerikaner in der lokalen Hardcore-Szene, freundete sich mit At The Drive-In an und spielt bis heute nebenher in einer All-Black-Hardcore-Band im Kampf gegen musikalischen Essenzialismus. Das hört sich aus seinem Munde so an: “Die Kategorie ‘Black Music’ ist eine Beleidigung, ein schlechter Witz. Kein Mensch käme auf die Idee, Beethoven als ‘white Music’ zu bezeichnen, oder? Man sollte sowieso nur zwei Kategorien zulassen: ‘good Music’ und ‘bad Music’. Ich freue mich schon auf die Elektrofachgeschäfte an der Autobahnausfahrt, die damit werben: ‘Spezialist für schlechte Musik!’”



Dass The Jai-Alai Savant der Kategorie “very good Music” angehören, bedarf keiner langen Kommentierung. Ralph Darden ist ein höchst konzentrierter, reflektierter, beim Erzählen übersprudelnder Mensch, dessen Denken eine Unmenge an unerwarteten Wendungen annimmt. Und genau dies schlägt sich auch in der Musik seiner Band nieder: Reggae ist da nur die Ausgangsbasis für eine Reise durch drei Jahrzehnte Punk- und DIY-Geschichte, auf der sich The Clash und die Ruts mit allen nur denkbaren Post-Punkismen von Fugazi bis Shellac vermengen. So großartig die Musik auch ist, hat die schon in der ersten Punk-Generation einsetzende Liebe (meist) weißer Mittelschichtler zu Reggae allerdings auch einige unerfreuliche Nebenwirkungen mit sich gebracht – zumindest dort, wo Rastafari-Religion und homophobe Elemente aus Jamaika mit übernommen wurden. Grund genug, Ralph auf die Problematik anzusprechen: “Ich liebe Reggae-Musik, aber ich nutze sie für kritische, reflektierte Texte. Den ganzen religiösen Quatsch lehne ich genauso ab wie das Frauenbild und die Homophobie im Reggae. Deshalb habe ich auch meine Probleme damit, dass wir oft mit den Bad Brains verglichen werden. Auf die Musik bezogen, mag das ja eine Ehre sein, aber ich möchte nicht in eine Ahnengalerie gesetzt werden mit einer Band, die vor allem durch ihren Schwulenhass berühmt und berüchtigt wurde. Übrigens soll sich HR kürzlich geoutet haben und mit einem Typen in einer Beziehung leben. Intellektuell kann ich verstehen, warum sich diese Religion und diese reaktionären Geschlechterrollen auf Jamaika bis heute gehalten haben, denn sie sind Folge der Kolonialisierung und mangelnder Erziehung. Religion ist der letzte Zipfel Identität, der den Menschen dort geblieben ist. Wie gesagt, ich kann es verstehen, aber ich kann nicht tolerieren, welche Auswirkungen das im Sprechen über Frauen und Schwule hat.”


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aus Intro #148 (April 2007)
 
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