
Blumfeld
Von der Schönheit
03.03.2007, 10:00, Text:
Kerstin Grether,
Sandra Grether
[25 Kommentare]
Die Nachricht kam überraschend: Jochen Distelmeyer hat Blumfeld aufgelöst. Aber den Fans bleiben ja noch die 5-CD-Box, die Abschiedstour und natürlich viele Jahre aus Blumfeld-Songs. Wir treffen Jochen im Cafe Bravo in den Berliner Kunstwerken. Er ist gut drauf, sieht gut aus und bestellt erst mal ein Mittagessen. Obwohl wir das Interview zu zweit machen, stellt jeder seine eigenen Fragen an ihn. Man kennt Jochen schließlich schon ewig, aus “Vor Blumfeld”-Tagen.
Wie geht’s dir so? Bist du traurig oder schon ein bisschen nostalgisch, weil du Blumfeld aufgelöst hast?
Nostalgisch nicht. Traurig: im Moment noch nicht. Aber je näher die Tour rückt, die Vorbereitungen – im Proberaum, Interviews geben –, desto stärker wird die Ahnung davon.
Welche Lawine da losgetreten wird.
Welche emotionalen Dimensionen das so hat.
Wir möchten gerne mit dir über die 16 Jahre Blumfeld sprechen, ein wenig die Phasen und die Platten streifen. Beginnen wir mit der Blumfeld-Box “Ein Lied mehr”, die jetzt herauskommt. Es ist schön, dabei noch einmal in die musikalische Bandbreite von Blumfeld einzutauchen.
Als wir die Rechte am Backkatalog unserer ersten drei Alben zurückbekamen, haben wir beschlossen, sie auf diesem quasi Kataloglabel Blumfeld Tonträger wieder zu veröffentlichen. Ein Jahr oder anderthalb Jahre waren diese Platten, glaube ich, gar nicht mehr erhältlich! Und dann ist plötzlich die Idee entstanden – bei Sichtung auch von unveröffentlichten Sachen, des Live-Mitschnitts in Wien –, doch gleich eine Box daraus zu machen. Und während wir dann wiederum dieses Paket zusammengestellt haben – dazu gehörten auch Covergestaltung, Fotos aussuchen, der Arbeitstitel “Ein Lied mehr” war schon da –, erinnerte ich mich eines Gefühls, das ich auch schon beim Schreiben einiger Stücke unseres letztjährigen Albums “Verbotene Früchte” hatte: “Komisch”, dachte ich, “wo kommt das denn jetzt her? Das klingt ja wie ein Abschluss oder Abschied.”
Das Gefühl, dass ein Zyklus beendet wird?
Ja, genau. Ich dachte, “Verbotene Früchte” beendet den Zyklus der letzten drei Alben. Und erst bei der Arbeit an dem Backkatalog und an dieser Box-Geschichte ging mir auf: “Abgefahren, okay, das ist ein perfekter Zeitpunkt, Blumfeld abzuschließen.” Was dann ja auch in der Bekanntgabe stand: “Der Kreis schließt sich.” Also, ich fühlte: “Genauso, wie die Box ein Anfang und ein Ende hat, hat auch dieses Blumfeld-Ding jetzt ein Ende.” Quasi, klar.
Das heißt, du hast den nächsten Blumfeld-Schritt nicht mehr gesehen? Und dachtest, dann war das jetzt Blumfeld?
Ja. Wobei es nie darum ging, sich neu zu erfinden. Sondern bestimmte musikalische Vorlieben, Infragestellungen usw. für sich zum Klingen zu bringen und zu befragen. Das ist mir dann beim Machen dieser Box eingefallen. Ich dachte: “Aha, abgefahren, runder geht’s eigentlich nicht.”
Das spricht mir gerade etwas aus der Seele. Ich habe auch gerade eine lange Erzählung mit meinen Texten aus 16 Jahren beendet. Da habe ich dauernd überlegt: Wie bring ich die Texte so zusammen, dass etwas Neues entstehen kann? [Ende März erscheint das Musikgeschichtenbuch “Zungenkuss. Du nennst es Kosmetik. Ich nenn es Rock’n’Roll. 1990 bis heute” (Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007), darin formt Kerstin Grether ihre Original-Texte aus 16 Jahren zu einer langen Erzählung. Blumfeld kommen darin öfters vor.]
Genau!
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | ... weiterlesen »
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren [25]- Mehr Forumsdiskussionen
marco fuchs 26.02.2007 | 18:46:27
immer mensch geblieben
"ich habe ja auch gerade meine texte"... "ich habe ja in meiner spex-kritik"...
kann die grether nicht wenigstens wenn sie distelmeyer interviewed ein wenig ego an der garderobe abgeben!
buenaventura 26.02.2007 | 18:56:56
hashomer
welche jetzt?
ich find das aber ehrlich gesagt voll in ordnung - die beiden sind halt teil der szene (gewesen), die auch blumfeld mit hervorgebracht hat, in weitestem sinne. da wird eben auf augenhoehe diskutiert, selbst wenn man vielleicht gute gruende hat, vom schaffen distelmeyers mehr zu halten als von dem der grether-sisters. ich hab dem interview gerne 5 minuten gewidmet.
chuckie 28.02.2007 | 06:45:25
es ist eher begrüßenswert, wenn ein "interview" weniger "positionengetreue" befragung denn gespräch ist.
sowohl hier als auch in der spex kommt mir jochen sehr klar rüber, offen und irgendwie auch befreit, als spräche er aus einem inneren urlaub heraus. das ist gut, und wohl auch nützlich für das, was er in zukunft machen möchte.
chuckie 28.02.2007 | 06:48:13
aber dieses rätsel, weshalb blumfeld rezeptions-mäßig (im groben vergleich mit dem pop-zirkus unter dem silbermond nun studentisch/gebildet/distanziert) verortet werden, ist so schwierig wie man beiderseits tut eigentlich nicht.
zilix 28.02.2007 | 08:45:41
bis auf die von marco fuchs schon erwähnten ego-peinlichkeiten, ein sehr gutes interview, bzw. ein auskunftsfreudiger distelmeyer. schlägt das spex-interview jedenfalls um längen.
chuckie 28.02.2007 | 08:46:49
daß der vorwurf eogopeinlichkeit gerade von marco kommt ist allerdings extrem lustig, übrigens.
chuckie 28.02.2007 | 08:47:31
also einigt man sich darauf:
"egopeinlichkeit" nennt es der neider, "niedliche näherung" der gönner.
zilix 28.02.2007 | 08:49:05
bekkommt man eigentlich nicht schwitzflecken unter den achseln, wenn man im irrsinnigen egotrip und in rekordzeit, beinahe jeden aktuellen thread bedient?
chuckie 28.02.2007 | 08:50:12
schnarch.
chuckie 28.02.2007 | 08:51:19
"egotrip" nennt es ... , ... nennt es ...
nur_beruflich_hier 28.02.2007 | 09:10:12
bekkomt, bekkömmlichkeit, bekknackt
reze 03.03.2007 | 20:34:24
niedlich? gönner?
afromme 04.03.2007 | 17:19:21
>>Ich habe mich schon bei den ersten Alben “Ich-Maschine” (1991) und “L’Etat Et Moi” gefragt [...] warum Blumfeld in der Öffentlichkeit fast ausschließlich als “vergeistigte Band für Studenten” wahrgenommen werden. [...] Das Individuum, das sich darin so durchrockt, findet seine Stimme ja vor allem, um Schmerz und Erkenntnis zu formulieren.<<
Das lasse man sich so mal auf der Zunge zergehen. Ich wundere mich bei einer solchen Besprechung jedenfalls nicht über das Blumfeld-Image.
buenaventura 04.03.2007 | 17:36:43
hashomer
so von wegen weil fremdwort, nech. schon klar.
bitte dikutieren 04.03.2007 | 17:50:51
ja, "durchrockt", wo kommt da' blo' her?
schons 04.03.2007 | 17:54:26
awfull, äh awesome, äh geil einfach!
afromme 04.03.2007 | 20:18:55
@buenaventura
Ganz genau. Siehe auch "Deskriptionsproblem" und "Rezeptionsfilter" (Zitat Distelmeyer). Und überhaupt - Auseinanderanalysieren.
Ich hab damit - obwohl ich kein Blumfeld-Fan war oder bin - kein Problem.
Aber sich dann drüber wundern, dass Blumfeld dann als "vergeistigte Band für Studenten" rüberkommt, ist schon ziemlich cool.
Call Me Appetite 04.03.2007 | 20:32:46
Hobbyprofi
ich finde das interview recht interessant.
buenaventura 04.03.2007 | 21:46:57
hashomer
@fromme: ja, so sind'se, die schweine.
bitte dikutieren 04.03.2007 | 22:47:52
du, die können doch gar nicht ein' und ein' zu'ammenzählen
buenaventura 04.03.2007 | 22:51:07
hashomer
die ham vermutlich noch nicht mal abge'chlo'ne au'bildung! langzeit'tudenten!
schons 04.03.2007 | 23:03:34
aber blow'ob können 'ie.
Nummer 47744 04.03.2007 | 23:08:40
blowsob?
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Wes Anderson / Moonrise Kingdom...
- 02 Light Asylum - im South by Southwe...
- 03 The Hives - Größenwahn als Inszenierung
- 04 Woodkid / Yoann Lemoine - Vom Kind...
- 05 Best Coast - Coverstory
- 06 Damon Albarn - Ich habe immer das ...
- 07 Friends - Live is life
- 08 Im Koffer der... - Scissor Sisters
- 09 Auf Reisen mit... - Ladyhawke
- 10 Hot Chip - Auf dem Laufsteg
- ... mehr
INTRO-TV
- » ESC 2011: Unsere Favoriten...
- » SXSW / South By Southwest 2011...
- » In Bed With Kreator - Videobl...
- » So wars bei der Gamescom - In...




